Gravitationskonstante G: NIST wiederholte die BIPM-Messung mit derselben Torsionswaage und erhielt (6,67387 ± 0,00038) × 10⁻¹¹ m³ kg⁻¹ s⁻² — um 2,5 × 10⁻⁴ niedriger als das französische Ergebnis
Das US-amerikanische NIST gab am 16. April 2026 das in der Zeitschrift „Metrologia“ veröffentlichte Ergebnis einer zehnjährigen Messung der Gravitationskonstante G bekannt. Das Team wiederholte das Experiment des Internationalen Büros für Maß und Gewicht (BIPM) in Sèvres mit derselben Torsionswaage auf dem NIST-Campus in Gaithersburg, konnte das BIPM-Ergebnis aber nicht bestätigen.
- Ergebnis des NIST: G = (6,67387 ± 0,00038) × 10⁻¹¹ m³ kg⁻¹ s⁻², entsprechend einer relativen Standardunsicherheit von 5,7 × 10⁻⁵. Laut Artikel liegt es relativ um 2,5 × 10⁻⁴ unter der BIPM-Bestimmung; die NIST-Mitteilung nennt eine Differenz von 0,0235 %. Frühere präzise G-Messungen wichen um etwa ein Teil in 10.000 voneinander ab — zu viel, um es mit gewöhnlichen Messfehlern zu erklären.
- Die vor rund drei Jahrzehnten am BIPM entworfene und gebaute Torsionswaage (BIPM-Messung von 2007) hat acht zylindrische Massen: vier auf einem drehbaren Karussell und vier kleinere auf einer Scheibe an einem Band aus Kupfer-Beryllium. G wurde mit zwei Methoden bestimmt: aus dem Torsionswinkel unter dem Gravitationsdrehmoment und aus der Spannung an Elektroden, deren elektrostatisches Drehmoment das Gravitationsdrehmoment genau kompensiert.
- Das NIST-Team fügte eine dritte Variante hinzu: Messungen zuerst mit Kupfer-, dann mit Saphirmassen, um den Materialeinfluss zu prüfen — die Ergebnisse waren praktisch identisch. Um das Ergebnis nicht unbewusst dem BIPM-Wert anzunähern, wurde verblindet gemessen: eine andere Person im Team zog von den gemessenen Massen einiger Gewichte eine nur ihr bekannte Zahl ab; 2022 wurde die Entblindung verschoben, nachdem ein übersehener Einfluss des Luftdrucks entdeckt worden war.
- Die Zahl wurde am 11. Juli 2024 auf der Conference on Precision Electromagnetic Measurements aufgedeckt; nach zwei weiteren Jahren Auswertung wurde das Ergebnis veröffentlicht. Laut NIST löst die Messung das Rätsel der abweichenden G-Werte nicht, liefert aber ein unabhängiges Ergebnis; der Artikel betont, dass die Wiederholung hilft, die Reproduzierbarkeitsgrenzen heutiger Verfahren zur Messung der Gravitationskonstante zu beurteilen.
Quelle: NIST — NIST Weighs In on the Mystery of the Gravitational Constant (16.04.2026)