NIST: textiles Forschungs-Testmaterial RGTM 10279 zur Prüfung von Methoden der Faseridentifizierung — für Sortieranlagen gedacht, interessiert es auch forensische Faserexperten
Das NIST schrieb am 23. September 2026, dass das für die Textilrecyclingbranche entwickelte Testmaterial RGTM 10279 „Textiles for Feedstock Identification“ das Interesse der Forensik geweckt hat; die Forschenden arbeiten mit Ermittlungsbehörden, die prüfen wollen, ob es als Schulungsmittel dienen kann. Die Studie mit Laboren und Herstellern zu diesem Material lief bis 30. September 2026.
- RGTM 10279 ist ein Satz aus fünf Stoffquadraten mit 4 Zoll (10,2 cm) Kantenlänge aus verschiedenen Fasern, gefärbt und ungefärbt; die Faserzusammensetzung wird den Teilnehmenden nicht mitgeteilt. Forschungs-Testmaterialien (RGTM) stellt das NIST schneller her als Standardreferenzmaterialien (SRM) und gibt sie an Labore ab, die sich verpflichten, sie zu messen und Ergebnisse zu teilen, um die Eignung des Materials zu klären.
- Laut NIST schätzen Forschende, dass 56 % der Kleidung und Textilien recycelt oder verwertet werden könnten, die meisten aber nicht in die heimische Lieferkette zurückkehren, weil viel Kleidung anfällt und das manuelle Sortieren langsam und aufwendig ist. Sortieranlagen nutzen Handscanner mit Nahinfrarotspektroskopie (NIR), automatische Linien mit Kameras und Sensoren, bildbasierte Sortierung nach Farbe sowie Hyperspektralbildgebung; das Material soll diese Methoden validieren und Ergebnisse zwischen Zentren vergleichbar machen.
- Das Material war bis 30. Juli 2026 kostenlos im NIST-Store erhältlich, im Gegenzug für die Teilnahme an einer Studie, in der Labore, Hersteller und andere Organisationen die Fasern mit eigenen Methoden bestimmen; die anonymen Ergebnisse fließen in ein besser charakterisiertes Referenzmaterial ein. Das NIST nennt außerdem die Prüfung der Zusammensetzung eingekaufter Stoffe (etwa ob „100 % Baumwolle“ keine Baumwoll-Polyester-Mischung ist) und die Validierung von KI-Sortieralgorithmen.
- Forensische Faserexperten müssen Fasern genau identifizieren, etwa beim Vergleich einer kleinen Faserprobe vom Tatort mit der Kleidung eines Verdächtigen. Das NIST-Team arbeitet nun mit Ermittlungsbehörden, die prüfen lassen wollen, ob das Material zur Schulung von Sachverständigen taugt, und hofft, seinerseits von der Forensik über Mikroskopie- und Validierungspraxis zu lernen. Der NIST-Beitrag entstand zur Forensic Science Week.
Quelle: NIST, Taking Measure — When Scientists Become Accidental Detectives (23.09.2026)