28. Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Versailles: Ab dem 20. Mai 2027 läuft UTC ohne Schaltsekunden, ein Vorschlag für eine neue Definition der Sekunde soll der Konferenz 2030 vorgelegt werden
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) tagte vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Versailles und verabschiedete sieben Resolutionen. Die für die Zeitmessung wichtigste, Resolution 5, führt ab dem 20. Mai 2027 eine kontinuierliche UTC ein — ohne Einfügen von Schaltsekunden — und legt fest, dass die Differenz zwischen der astronomischen Zeit UT1 und UTC höchstens 3600 Sekunden, also eine Stunde, betragen darf.
- Resolution 5 („Über die technischen Maßnahmen zur Sicherung der Kontinuität der UTC“) hält fest, dass industrielle Nutzer und die Synchronisation nationaler kritischer Infrastrukturen, etwa des Verkehrs, eine kontinuierliche UTC ohne künftige Korrekturen benötigen; die Grenze von 3600 s soll die Kontinuität der UTC für mehrere Jahrhunderte sichern. Die Konferenz beruft sich auf einen Workshop des Beratenden Komitees für Zeit und Frequenz (CCTF) und des IERS vom März 2025: Die Wahrscheinlichkeit der ersten negativen Schaltsekunde überhaupt werde rasch steigen und bis 2035 30 % erreichen — eine solche Korrektur wurde noch nie angewendet. Seit 1972 wurden 27 Schaltsekunden eingefügt, die letzte Ende 2016.
- Das Internationale Büro für Maß und Gewicht (BIPM) soll mit ITU, IAU, IUGG, IERS und weiteren Organisationen zusammenarbeiten, um die Nutzer zu informieren und die Umsetzung zu unterstützen, die Differenz UT1−UTC überwachen und modellieren und ihren Trend regelmäßig dem Internationalen Komitee für Maß und Gewicht (CIPM) berichten sowie gemeinsam mit den regionalen Metrologieorganisationen, nationalen Metrologieinstituten und Nutzern die kontinuierliche UTC und ihre zeitnahe Bereitstellung fördern.
- Resolution 4 („Über die künftige Definition der Sekunde“) beauftragt das CIPM, einen Vorschlag für die neue Definition der Sekunde für die 29. Tagung der CGPM im Jahr 2030 auszuarbeiten, zusammen mit einem Vorschlag für den Zeitpunkt ihrer Einführung, und ermutigt die Mitgliedstaaten, Personal und Mittel zur Erfüllung der verbindlichen Kriterien bereitzustellen. Laut Präambel sind einige Kriterien — etwa der Beitrag optischer Frequenznormale zur Kalibrierung der TAI — noch nicht erfüllt, könnten aber realistischerweise bis 2030 erfüllt werden.
- Resolution 6 betrifft eine internationale lunare Referenzzeitskala und ihre Rückführung auf UTC: Ausgangspunkt ist die von der Internationalen Astronomischen Union 2024 definierte Lunare Koordinatenzeit (TCL); Raumfahrtagenturen sollen beim Vergleich einer Realisierung der Mondzeit mit UTC das relativistische Modell, die Ephemeriden und die Unsicherheiten vollständig beschreiben. Resolution 3 ermutigt das CIPM, den SI Reference Point zu einem umfassenden und maßgeblichen digitalen Rahmen für die SI-Einheiten auszubauen, und lädt nationale Metrologieinstitute und weitere Beteiligte ein, maschinenverwertbare digitale Informationen und fortgeschrittene digitale Zertifikate voranzubringen. Die übrigen Resolutionen betreffen die Dotation des BIPM für 2028–2031, den weltweiten Beitritt zur Meterkonvention und die Geschäftsordnung der CGPM.
Quelle: BIPM — 28th meeting of the CGPM (13–15 October 2026), Resolutions 1–7