Seine-Mündung: Gewitter und Hochwasser erhöhen zeitweise die Wasserbelastung – Ergebnisse des Projekts TARANIS (227 Pestizide und 92 Arzneistoffe im Wasser untersucht)
Das französische Meeresforschungsinstitut Ifremer stellte am 17. September 2026 die Ergebnisse des Projekts TARANIS vor, das mit der Universität Reims im Programm Seine-Aval durchgeführt wurde. In 10 Feldkampagnen 2023–2024 wurden bei Gewittern und Hochwasser Proben genommen; intensive Wetterereignisse verstärken den Eintrag von Schadstoffen aus dem Einzugsgebiet in die Seine und ihre Mündung, mit messbaren Folgen für Wasserqualität und Wasserorganismen.
- Eingesetzt wurden mehrere sich ergänzende Methoden: Passivsammler zur Erfassung mittlerer Schadstoffgehalte im Wasser, Zebramuscheln (Dreissena polymorpha) als Indikatororganismen für Bioakkumulation, fäkale virale Belastung und Toxizitätsbiomarker sowie Partikelfallen zur Untersuchung der Schwebstoffe und ihrer Ökotoxizität. Von 227 im Wasser untersuchten Pestiziden lieferten 84 quantifizierbare Ergebnisse, von 92 Arzneistoffen 60.
- Nach dem ersten untersuchten Gewitter im Raum Rouen im Juni 2023 erreichte die Summe der Spurenmetalle (Cadmium, Kobalt, Kupfer, Eisen, Mangan, Nickel, Blei, Zink) fast 40 µg/l, nahezu das Doppelte des einige Wochen später gemessenen Hintergrundwerts. Nach Gewittern stiegen die summierten Konzentrationen von Metaboliten, Herbiziden und nicht für die Landwirtschaft zugelassenen Stoffen um 36–98 %, und an der Station Petit-Couronne lagen Ketoprofen bis zu 45-fach und Paracetamol bis zu 32-fach über den Werten der folgenden Kampagne.
- In Zebramuscheln der Station Rouen erreichten nach dem Gewitter 2023 F-spezifische RNA-Bakteriophagen – ein Indikator für fäkale Verschmutzung – bis zu 200 plaquebildende Einheiten pro Gramm, zehnmal mehr als oberhalb der wichtigsten Regenüberläufe. Während der Hochwasser von November bis April 2023–2024 stieg Chlortoluron auf das 30-Fache des Hintergrundwerts und überschritt seinen Umweltreferenzwert; in den Schwebstoffen überschritten 7 Metalle, 10 PAK, 5 PCB und Tributylzinn (TBT) Referenzwerte.
- Das Team benannte Stoffe für ein vorrangiges Monitoring, darunter Fipronil, Imidacloprid, Metolachlor, Chlortoluron, Metazachlor, Nicosulfuron, Metconazol, Tebuconazol, Tetraconazol, Oxazepam, Sulfamethoxazol und Desethylatrazin; Glyphosat und AMPA überschritten nach Gewittern systematisch ihren Referenzwert. Die Autoren fordern, Überwachung und Stofflisten der Wasserrahmenrichtlinie an Ausnahmeereignisse anzupassen; der Forschungsbericht (F. Menet, A. Geffard, 2026) umfasst 111 Seiten.