Lenacil bis 30. Juni 2040 erneuert und von der Liste der Substitutionskandidaten gestrichen; EFSA — DFG S19 mit HPLC-MS/MS (LOQ 0,01 mg/kg), Luftmethode nach Senkung des AOEL nicht mehr empfindlich genug, Metabolit IN-KF313 im Grundwasser bis 0,214 µg/L
Die Durchführungsverordnung (EU) 2025/833 der Kommission, veröffentlicht am 6. Mai 2025, erneuert vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2040 die Genehmigung des Herbizids Lenacil (repräsentative Anwendungen: Zucker- und Futterrüben). Lenacil stand als persistent und toxisch auf der Liste der Substitutionskandidaten; die Bewertung ergab, dass es die Kriterien für Bioakkumulation und Toxizität aus Anhang II nicht erfüllt, daher wurde es aus der Verordnung (EU) 2015/408 gestrichen. Grundlage ist die EFSA-Schlussfolgerung vom 11. Juni 2024, nach der Lenacil keine endokrinschädlichen Eigenschaften hat.
- Anhang: Lenacil, 3-Cyclohexyl-6,7-dihydro-1H-cyclopenta[d]pyrimidin-2,4(3H,5H)-dion, CIPAC 163, Reinheit 975 g/kg; die EFSA ergänzt, dass die Produktionsdaten eine höhere Mindestreinheit zuließen und zwei nicht signifikante Verunreinigungen nicht in die Spezifikation aufgenommen werden müssen. Die Mitgliedstaaten müssen den möglichen Bedarf an zusätzlichen Feldversuchen mit Folgekulturen und einer Expositionsbewertung für Nutztiere berücksichtigen; der Antragsteller legt diese Versuche (mit bekannten und neuen Metaboliten) bis 25. März 2027 vor.
- Methoden (EFSA): Lebens- und Futtermittel pflanzlichen Ursprungs — Multimethode DFG S19 mit HPLC-MS/MS, LOQ 0,01 mg/kg; tierische Erzeugnisse — HPLC-MS/MS nach QuEChERS, 0,01 mg/kg (Rückstandsdefinition dafür offen); Boden 1 µg/kg, Oberflächen- und Trinkwasser 0,1 µg/L; Körperflüssigkeiten 0,05 mg/L, Gewebe 0,01 mg/kg. Die Luftmethode hat eine LOQ von 0,1 mg/m³, nach dem neuen AOEL sind aber 0,036 mg/m³ nötig — Datenlücke; zudem fehlt eine Methode für die Metaboliten IN-KD304 und IN-KQ961 in Körperflüssigkeiten.
- Toxikologie (EFSA): Einstufung Carc. 2 (H351) wegen Milchdrüsentumoren bei weiblichen Ratten, Wirkmechanismus ungeklärt; Genotoxizität unwahrscheinlich. ADI 0,12 mg/kg KG pro Tag (unverändert), AOEL 0,12 mg/kg KG pro Tag statt bisher 0,4; ARfD und AAOEL nicht erforderlich. Wirkungen auf Milz und Thymus — Datenlücke: Immuntoxizitätsstudie (Frage nicht abgeschlossen). Für die Überwachung in Pflanzen — nur Lenacil; es fehlen 8 Feldversuche mit Folgekulturen (4 NEU, 4 SEU, OECD TG 504) mit hydroxylierten und oxidierten Metaboliten.
- Umwelt (EFSA): der Metabolit IN-KF313 (ein Keton) überschreitet im Grundwasser in drei von neun FOCUS-Szenarien 0,1 µg/L, höchstens 0,214 µg/L (Chateaudun, Zuckerrüben, 4 × 125 g/ha); ohne eigene Bewertung gilt er wegen der Einstufung der Muttersubstanz als toxikologisch relevant — Datenlücke: Studie zur biologischen Aktivität. In einer vierjährigen Lysimeterstudie überschritten weder Lenacil noch IN-KF313 im Sickerwasser 0,05 µg/L. Lenacil erfüllt nicht die Kriterien für einen endokrinen Disruptor.