Europäische Kommission schlägt eine neue Normungsverordnung anstelle der Verordnung 1025/2012 vor: klarere Fristen für von der Kommission beauftragte Normen, kostenloser Zugang zu auf Grundlage des EU-Rechts erarbeiteten Normen und — nach Schätzung der Kommission — vier statt sechs Jahre für die Erarbeitung einer Norm
Die Europäische Kommission hat am 6. Oktober 2026 einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur europäischen Normung angenommen, die die Verordnung (EU) Nr. 1025/2012 aufheben soll (COM(2026)780, mit Folgenabschätzung SWD(2026)786). Der Vorschlag soll die Erarbeitung von Normen beschleunigen, kleine und mittlere Unternehmen stärker vertreten und die strategischen Interessen der EU besser unterstützen; nun befassen sich das Europäische Parlament und der Rat der EU damit.
- Schneller: Der Vorschlag führt klarere Fristen für die Erarbeitung von der Kommission beauftragter Normen ein und präzisiert die Nutzung gemeinsamer Spezifikationen als gezielte Rückfalllösung. Unter festgelegten Bedingungen und mit Schutzvorkehrungen erlaubt er eine stärkere Nutzung externer technischer Spezifikationen, lässt Zwischendokumente zur Unterstützung des Konformitätsnachweises zu, bevor eine vollständige Norm vorliegt, und ermöglicht anderen Normungsorganisationen die Mitarbeit an der technischen Arbeit bei dringendem oder hochspezialisiertem Bedarf. Nach Schätzung der Kommission würde die durchschnittliche Dauer der Erarbeitung einer Norm von sechs auf vier Jahre sinken.
- Zugang zu Normen: Im Anschluss an jüngste Urteile des Gerichtshofs der EU schlägt die Kommission vor, die Regeln zu kodifizieren, die den kostenlosen Zugang zu auf Grundlage des EU-Rechts erarbeiteten Normen sicherstellen — über eigens dafür geschaffene Repositorien —, damit Normen für Unternehmen, Behörden, Zivilgesellschaft und Bürger leichter zugänglich werden. Harmonisierte europäische Normen dienen Unternehmen zum Nachweis der Einhaltung des EU-Rechts.
- Beteiligung und Transparenz: Der Vorschlag verschärft die Pflichten europäischer und nationaler Normungsorganisationen, eine wirksame Beteiligung und Vertretung von KMU, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Behörden sicherzustellen, und führt Transparenz- und Rechenschaftspflichten ein. Er soll außerdem die EU-Koordinierung in der internationalen Normung im Einklang mit den WTO-Grundsätzen stärken und ein Expertenzentrum für europäische Normung (Expert Centre on European Standardisation) für strategische Steuerung und politikübergreifende Koordinierung schaffen.
- Hintergrund: Das System beruht heute auf der Zusammenarbeit der anerkannten europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI mit nationalen Normungsorganisationen, Industrie, Behörden, Verbrauchervertretern, Gewerkschaften und Umweltorganisationen. Der Vorschlag baut auf der Normungsstrategie von 2021 und der Bewertung der Verordnung (EU) Nr. 1025/2012 von 2025 auf; bevor die Maßnahmen angenommen werden und in Kraft treten, befassen sich das Europäische Parlament und der Rat der EU damit.