Versalzung der Flüsse in Europa: rund die Hälfte des Flussnetzes betroffen, mehr als 23 000 km über 1 mS/cm
Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) hat am 21. August 2026 eine in Nature Communications veröffentlichte Studie vorgestellt: Anhand der elektrischen Leitfähigkeit von Wasser aus 35 Ländern ist rund die Hälfte des europäischen Flussnetzes versalzen, mehr als 23 000 km (etwa 2 %) liegen über 1 mS/cm — oberhalb internationaler Standards zum Schutz aquatischen Lebens.
- Die Versalzung wurde über die elektrische Leitfähigkeit (mS/cm) bewertet, ein verbreitetes Maß für die Salzkonzentration in Süßwasser; die Daten stammen aus der Datenbank GlobSalt, die Messwerte zu Leitfähigkeit, Hauptionen, organischer Substanz und Nährstoffen aus 62 öffentlichen Quellen (u. a. Waterbase der EUA) von 1970 bis 2024 zusammenführt.
- In 28 der 35 Länder gibt es Flüsse, deren Salzgehalt sich gegenüber dem geschätzten natürlichen Hintergrund mehr als verdoppelt hat. Laut JRC sind 26 % des Netzes gering, 14 % mäßig, 9 % stark und 1 % extrem versalzen; Trinkwassergrenzwerte sind in etwa 1 % des Netzes überschritten, Grenzwerte für Bewässerungs- und Industriewasser in etwa 3 %.
- Bekannte Brennpunkte liegen u. a. in Deutschland, Polen und Spanien, bislang wenig beachtete in Rumänien und Ungarn. Laut Artikel wurden die höchsten Versalzungswerte, bis 9683 µS/cm, in Einzugsgebieten in Deutschland und Polen gemessen; zu den gut untersuchten Fällen zählen die Autoren die Oder.
- Die JRC weist darauf hin, dass 25 Jahre nach Verabschiedung der Wasserrahmenrichtlinie die meisten Staaten keine eigenen Salzstandards haben und die Folgen nicht systematisch überwachen; die Autoren fordern europaweite, mit der Richtlinie abgestimmte Standards.
Quelle: Joint Research Centre — River salinisation is widespread across Europe (21.08.2026)