JRC: biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe machen rund 0,5 % der weltweiten Kunststoffproduktion aus — Kapazität von 2,3 Mio. t soll bis 2030 auf rund 4,7 Mio. t steigen, Herstellung 1,5- bis 2-mal teurer
Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) stellte am 3. März 2026 ihr Policy Brief „Bio-based plastics in a sustainable and circular bioeconomy“ vor. Danach machten biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe 2025 rund 0,5 % der weltweiten Kunststoffproduktion von über 431 Mio. t pro Jahr aus; ihre Verbreitung bremsen technologische Reife, Kosten und nachhaltige Rohstoffbeschaffung.
- Die JRC teilt biobasierte Kunststoffe nach dem Produktionsschritt, an dem Biomasse den fossilen Rohstoff ersetzt, in drei Gruppen: zugeordnete (zertifizierte) — Biomasse wird in bestehende Prozesse eingespeist; Drop-in — chemisch identisch mit fossilen Kunststoffen und mit dem heutigen Recycling kompatibel; dedizierte — direkt aus Biomasse hergestellt, oft mit neuen Eigenschaften wie biologischer Abbaubarkeit.
- Biobasiert heißt nicht biologisch abbaubar: Manche fossilen Kunststoffe sind abbaubar, manche biobasierten nicht. Der Ersatz fossiler Rohstoffe senkt meist die Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus, in anderen Wirkungskategorien wie Flächennutzung und Eutrophierung kann es jedoch Zielkonflikte geben. Heute stammen die meisten biobasierten Kunststoffe aus Zucker, Stärke und Pflanzenölen.
- Die weltweite Produktionskapazität für biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe liegt bei rund 2,3 Mio. t und soll nach angekündigten Erweiterungen bis 2030 rund 4,7 Mio. t erreichen. Der europäische Sektor für Gummi und biobasierte Kunststoffe erbringt im Jahresdurchschnitt 3,2 Mrd. Euro Wertschöpfung und 57 000 Arbeitsplätze; die Herstellung ist meist 1,5- bis 2-mal teurer als die fossiler Kunststoffe.
- Als mögliche Maßnahmen nennt die JRC verbindliche Anteile biobasierter Kunststoffe in fossilen Produkten, Zielvorgaben für biobasierte und Rezyklatanteile, Verbote oder Beschränkungen fossiler Kunststoffe in bestimmten Sektoren sowie Verbraucherkennzeichnung. Als Wissenslücken nennt sie bessere Daten zu Umweltwirkungen sowie zu Markt- und Wertschöpfungskettendynamik.
Quelle: JRC — Bio-based plastics: technology readiness and high cost key barriers to wide use (3.03.2026)