JRC: Der Ausbau der Wasserstofferzeugung in der EU dürfte die meisten Süßwasserressourcen kaum überlasten — die Elektrolyse verbraucht 18–22 Liter Wasser je Kilogramm Wasserstoff, und in pessimistischen Klimaszenarien könnte nur jede zehnte Anlage spürbar um Wasser konkurrieren
Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) hat am 8. Oktober 2026 einen Bericht darüber vorgelegt, wie der Ausbau der Wasserstofferzeugung den Druck auf die Süßwasserressourcen in Europa erhöhen könnte, insbesondere in Regionen mit Wasserknappheit wie der Iberischen Halbinsel. Modelliert wurde der Wasserbedarf der Wasserstofferzeugung aus fossilen Quellen und durch Elektrolyse bis 2030 und 2050, unter der Annahme, dass der gesamte Bedarf mit Süßwasser gedeckt wird.
- Ergebnisse des Berichts: Die meisten Anlagen werden in Einzugsgebieten mit geringem bis mäßigem Wasserstress betrieben; in pessimistischen Klimaszenarien könnte nur jede zehnte Anlage spürbar mit landwirtschaftlichen, kommunalen oder industriellen Nutzern um Süßwasser konkurrieren. Das höchste Risiko besteht in Südeuropa — Spanien, Italien und Portugal. Die JRC sieht einen vorsichtig optimistischen Ausblick, empfiehlt aber, in Regionen mit Wasserknappheit vorausschauend ein sorgfältiges Wassermanagement einzuführen.
- Laut Zusammenfassung des Berichts würde das Ziel für 2030 etwa 0,24 % des 2017 in Europa verbrauchten Süßwassers erfordern, bis 2050 bis zu 1,65 %. Die Elektrolyse (Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mit elektrischem Strom) verbraucht etwa 18–22 Liter Wasser je Kilogramm Wasserstoff; zum Vergleich nennt die JRC etwa 1000 Liter je Kilogramm Mandeln. Bedeutend wird der Bedarf, wenn er sich in Industriezentren mit Anlagen zur Wasserstofferzeugung konzentriert.
- Empfehlungen der JRC: wo möglich alternative Wasserquellen nutzen, vor allem entsalztes Meerwasser in Küstenregionen, und die Nutzung von Abwasser und Brackwasser ausbauen; das neue EU-Ziel, die Effizienz der Wassernutzung bis 2030 um 10 % zu verbessern, in die Planung von Wasserstoffprojekten einbeziehen; Standorte der Zentren anhand der Wasserverfügbarkeit auf Einzugsgebietsebene bewerten, um Wasserkonflikten vorzubeugen.
- Nächste Schritte laut JRC: konsistente Daten für die verschiedenen Erzeugungspfade auf Basis realer Betriebszeiten und Kapazitäten, Wasserentnahme und Kühlprozesse; Investitionen in Infrastruktur zur Wasserwiederverwendung in Industrieclustern; Überwachung des saisonalen Wasserstresses, um die Erzeugung anzupassen; Bewertung der Umweltauswirkungen von Entsalzung und direkter Meerwasserelektrolyse. Die JRC betont, dass weitere Forschung nötig ist; eine Aktualisierung der EU-Wasserstoffstrategie wird vorbereitet.
Quelle: Joint Research Centre — EU hydrogen expansion unlikely to strain most water supplies (8.10.2026)