JRC: Digitale RT-PCR unterscheidet im Abwasser das Vogelgrippevirus H5N1 (Klade 2.3.4.4b) von der saisonalen Grippe — Methode aus zwei Duplex-Assays, beschrieben in „Emerging Infectious Diseases“
Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) stellte am 21. Oktober 2026 eine Labormethode vor, die in Abwasserproben saisonale Influenzaviren von der hochpathogenen Vogelgrippe H5N1 der Klade 2.3.4.4b unterscheidet. Die Methode kombiniert in der digitalen RT-PCR zwei Duplex-Assays: die Influenza-A- und -B-Assays des CDC-Panels Flu SC2 und den 2025 von der JRC entwickelten Duplex JRC-HA/JRC-MP.
- Der Assay JRC-HA erfasst einen konservierten Abschnitt des Hämagglutinin-Gens von H5N1-Viren der Klade 2.3.4.4b, JRC-MP einen konservierten Abschnitt des Matrix-Gens, der das Vorhandensein von Influenza-A-Viren bestätigt; beide Assays des JRC-Duplex laufen gleichzeitig. Laut JRC lassen sich so in derselben Probe die saisonale Grippe nachweisen und das Vogelgrippevirus auch bei sehr niedrigen Konzentrationen erkennen.
- Die Methode wurde in der Zeitschrift „Emerging Infectious Diseases“ veröffentlicht (Bd. 32, Nr. 11, November 2026, DOI 10.3201/eid3211.261234). Untersucht wurden 10 Proben von H5N1-Viren der Klade 2.3.4.4b von Wildvögeln und Geflügel aus Norditalien (Oktober–Dezember 2025) sowie RNA-Extrakte aus influenzafreiem Abwasser, die mit definierten RNA-Mengen versetzt wurden. Die Nachweisgrenze lag bei 5 Kopien pro Reaktion.
- Bei 10 oder 20 Kopien/µl H5N1-RNA vor einem Hintergrund von 35 Kopien/µl RNA saisonaler Influenza A wiesen JRC-HA und JRC-MP selektiv H5N1 nach, während der Influenza-A-Assay des CDC beide Viren ohne Unterscheidung erfasste. Vor einem Hintergrund von 3500 Kopien/µl saisonaler Grippe wies JRC-HA H5N1 weiterhin ohne Kreuzreaktivität nach. Die Autoren schlagen einen zweistufigen Einsatz vor: den CDC-Duplex für die routinemäßige Überwachung von Influenza A und B, den JRC-Duplex zur Erkennung der Klade 2.3.4.4b und zur Frühwarnung — und weisen darauf hin, dass eine Bewertung im Feld und in verschiedenen Abwassermatrices noch aussteht.
- Nach Angaben der JRC wird die Methode bereits in der Abwasserüberwachung in der Lombardei eingesetzt; Partner waren das EU-Referenzlabor für Aviäre Influenza und Newcastle-Krankheit, das Istituto Superiore di Sanità und die Universität Mailand-Bicocca. Die neugefasste Kommunalabwasserrichtlinie (EU) 2024/3019 verpflichtet die Mitgliedstaaten, über ihre nationalen Überwachungssysteme ausgewählte Krankheitserreger zu überwachen, darunter Influenzaviren.