EFSA kann die Sicherheit von sprühgetrocknetem Heimchenpulver nicht bestätigen: MOAH über 1 mg/kg, hohe Bacillus-cereus-Zahlen und abweichende Chitinergebnisse je nach Methode
Die EFSA veröffentlichte am 25. September 2026 die Stellungnahme des NDA-Gremiums zu sprühgetrocknetem Pulver aus dem Heimchen (Acheta domesticus) als neuartigem Lebensmittel. Das Gremium kam zu dem Schluss, dass die Sicherheit bei den vorgeschlagenen Verwendungen nicht festgestellt werden kann, und verwies u. a. auf aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe, Phthalate und die mikrobiologische Qualität.
- Der MOAH-Gehalt (Kettenlängen bis C50, als 1-Methylnaphthalin-Äquivalente) überschreitet den von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Grenzwert von 1 mg/kg, was das Gremium als Sicherheitsbedenken wertet. Die Phthalate DIBP, DBP, DEHP, DINP und DIDP wurden in 5 Chargen mit einer hausinternen GC-MS/MS-Methode bestimmt — alle unter 2 mg/kg —, ihre Quelle lässt sich aber nicht bestimmen.
- In 10 Chargen wurden Salmonella spp., Listeria monocytogenes, Campylobacter spp., Staphylococcus aureus und Escherichia coli nicht nachgewiesen, die Gesamtkeimzahlen schwankten jedoch stark, und präsumtive Bacillus cereus erreichten 1,3 × 10⁴ KbE/g. Der Antragsteller schlug einen Grenzwert unter 10⁵ KbE/g vor; das Gremium hält einen deutlich strengeren, z. B. unter 10² KbE/g, für nötig.
- Der mit drei Methoden bestimmte Chitingehalt lag bei denselben Chargen zwischen etwa 2,5 und 10,3 g/100 g; nur die UPLC-ESI-MS-Methode lieferte Werte innerhalb der vorgeschlagenen Spezifikation von 4–8 %, die gravimetrische Methode dagegen nicht konforme Werte. Das Gremium fordert, die Methode in der Spezifikation ausdrücklich anzugeben.
- Zum Vergleich legt die Durchführungsverordnung (EU) 2023/5, die teilweise entfettetes Acheta-domesticus-Pulver zuließ, u. a. eine aerobe Gesamtkeimzahl ≤ 10⁵ KbE/g, Hefen und Schimmelpilze ≤ 100 KbE/g, präsumtive Bacillus cereus ≤ 100 KbE/g sowie Abwesenheit von Salmonella und Listeria monocytogenes in 25 g fest.