RASFF 2025: mehr als 5.300 Originalmeldungen im gesamten System, über 700 davon aus Deutschland – Cereulid in Säuglingsnahrung unter den wichtigsten Ereignissen
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) legte am 17. September 2026 die Zahlen des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel (RASFF) für 2025 vor: Im gesamten System wurden mehr als 5.300 Original- und rund 18.000 Folgemeldungen übermittelt. Die Cereulid-Kontamination von Säuglingsnahrung gilt dem BVL als eines der wichtigsten Ereignisse der vergangenen Jahre.
- Cereulid ist ein außergewöhnlich hitzestabiles Toxin, das bestimmte Stämme des Bakteriums Bacillus cereus bilden; es kann innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme Übelkeit und Erbrechen auslösen. Laut ACN-Jahresbericht wurden Ende November 2025 bei routinemäßigen Qualitätskontrollen in einem Werk in den Niederlanden Spuren nachgewiesen; am 10. Dezember informierte der Hersteller die Behörden und die Kommission – der erste Eintrag im RASFF.
- Im Januar 2026 wurde der Säuglingsnahrung zugesetztes Arachidonsäure-Öl als Ursache ermittelt; mit den im RASFF geteilten Informationen ließen sich ein gemeinsamer chinesischer Lieferant und die Betroffenheit von Produkten weiterer Hersteller feststellen. Bis Mai 2026 wurden mehr als 20 Original- und rund 600 Folgemeldungen geteilt, darunter 13 mit deutscher Beteiligung. Laut ACN-Bericht waren über 60 Länder betroffen; im Februar 2026 legte die EFSA eine akute Referenzdosis für Cereulid bei Säuglingen fest, und am 24. Februar erließ die Kommission die Durchführungsverordnung (EU) 2026/459 mit Sofortmaßnahmen für Einfuhren dieses Öls aus China.
- Deutschland übermittelte 2025 mehr als 700 Originalmeldungen, rund 13 % aller Meldungen; mehr hatten nur die Niederlande (817). Als Empfänger potenziell gesundheitsgefährdender Erzeugnisse war Deutschland in 1.145 Meldungen angegeben. Im gesamten System beruhte ein Großteil der Meldungen auf amtlichen Marktkontrollen (1.768; 33 %), Grenzkontrollen (1.650; 31 %) und betrieblichen Eigenkontrollen (1.446; 27 %), seltener auf Hinweisen von Verbrauchern oder anderen Hinweisgebenden (341), Medienbeobachtung (87) und lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen (36).
- Laut ACN-Jahresbericht überschritt die Gesamtzahl der Meldungen im Alert and Cooperation Network (RASFF zusammen mit den Netzwerken für Amtshilfe und Zusammenarbeit, AAC) 2025 die Marke von 10.000 – 10.490, 11 % mehr als 2024; am häufigsten meldeten Deutschland, die Niederlande und Belgien. Warnmeldungen nahmen um 14 % zu, Betrugsmeldungen gingen um fast die Hälfte (46 %) zurück.
Quelle: BVL — Cereulid in Säuglingsnahrung zeigt Bedeutung des Schnellwarnsystems (17.09.2026)