Vegetationsbrände im Realmaßstab: BAM maß im Kiefernwald über 500 °C und bis zu 238 ppm CO, auf dem Stoppelfeld eine Feuerfront bis 2 m/s — Daten für Modelle und fluorfreie Brandbekämpfung
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) stellte am 21. Juli 2026 Ergebnisse kontrollierter Brand- und Löschversuche im EU-Projekt TREEADS vor: in einem Kiefernwald in Sachsen-Anhalt und auf einem Stoppelfeld in Brandenburg. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Fire and Materials“.
- Im Wald wurde auf einer Fläche von 16 × 22 m mit Linienzündung gebrannt. Gemessen wurde mit 96 Thermoelementen und zwei Gassensoren an Bäumen, Drohnenvideo und Infrarotaufnahmen sowie einem mobilen FTIR-Spektrometer zur Echtzeitanalyse des Rauchs; ein gepflügter und mit Schaum behandelter Streifen verhinderte eine unkontrollierte Ausbreitung. Bedingungen: 23 °C, leichter Wind, geringe Bodenfeuchte.
- Im Wald dominierten Schwelbrände von Moosen, Gräsern und Totholz mit zeitweiligen Flammen unter 0,5 m Höhe und starker Rauchentwicklung; die Spitzentemperaturen lagen über 500 °C, die CO-Konzentration erreichte 238 ppm. Die Autoren weisen darauf hin, dass Windturbulenzen die Gasprobenahme erschwerten. Auf dem Stoppelfeld breitete sich das Feuer als schnelle, windgetriebene Front aus — laut BAM mit bis zu 2 m/s; drei Minuten nach der Zündung waren rund 700 m² erfasst.
- Die BAM betont, dass Schwelbrände auch nach dem Abklingen sichtbarer Flammen lange aktiv bleiben und weiter viel Rauch freisetzen — das erhöht das Risiko von Wiederentzündungen und die Belastung der Einsatzkräfte durch Rauchgase. Getestet wurden auch Löschtechniken und tensidbasierte Löschwasserzusätze, die frei von Fluor und PFAS sind.
- Die Daten sollen physikalische und numerische Modelle der Ausbreitung von Vegetationsbränden unter mitteleuropäischen Brennstoff- und Wetterbedingungen sowie Strategien für den Sensoreinsatz verbessern. Handlungsempfehlungen für Feuerwehren flossen u. a. in das vfdb-Merkblatt „Einsatz von Löschwasserzusätzen bei Vegetationsbränden“ ein. An TREEADS, gefördert aus Horizont 2020, sind über 40 Institutionen aus Europa und Taiwan beteiligt.
Quelle: BAM — BAM-Freilandversuche liefern neue Daten für die Vegetationsbrandbekämpfung (21.07.2026)