Wasserstoffleitungen: BAM eröffnete die Testplattform ModuH2Pipe — Druckwechsel zwischen 10 und 85 bar, Rohrabschnitte bis 1400 mm Nenndurchmesser und Versagensprüfungen bei 900 bar
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) eröffnete am 2. Juli 2026 auf ihrem Testgelände Technische Sicherheit die Plattform ModuH2Pipe für Prüfungen von Wasserstoff- und Wasserstoff-Erdgas-Leitungen im Realmaßstab. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie förderte den Aufbau mit 3,8 Mio. Euro.
- Hintergrund: Deutschland plant bis 2032 ein Wasserstoffkernnetz von mehr als 9.000 km, großenteils durch Umstellung bestehender Erdgasleitungen; es soll Teil des europäischen Wasserstoffnetzes werden, das bis 2040 rund 50.000 km umfassen soll. Unklar ist teils, wie gut die über Jahrzehnte verwendeten Werkstoffe, vor allem Stähle, für den Wasserstofftransport geeignet sind und ob die Infrastruktur selbst die Reinheit des Wasserstoffs beeinflusst.
- Das Modul „H2Compatibility and Quality“ hat zwei frei konfigurierbare, 5 m lange Rohrabschnitte mit Nenndurchmessern bis 1400 mm. Rohre werden wiederholt Drücken zwischen 10 und 85 bar ausgesetzt, um Lastwechsel im Netzbetrieb nachzustellen, Bauteile (Dichtungen, Ventile) werden thermisch und zyklisch belastet, um sie beschleunigt zu altern; Verunreinigungen lassen sich gezielt beimischen. Anschließend führt die BAM material- und gasanalytische Untersuchungen durch, auch zur Wasserstoffreinheit.
- Das Modul „H2Safety“ erlaubt es, Pipelinesegmente und Armaturen mit Drücken bis 900 bar — weit über den Betriebsgrenzen — bis zum Versagen zu belasten und die Auswirkungen zu analysieren, um Schutzmaßnahmen zu verbessern. Auf der Plattform sollen außerdem Fertigungs-, Schweiß- und Reparaturverfahren sowie zerstörungsfreie Prüfverfahren unter realen Bedingungen erprobt werden.
- Gasnetzbetreiber, Hersteller und Forschungseinrichtungen können die Plattform nutzen und die BAM mit material- und gasanalytischen Untersuchungen beauftragen. Die Ergebnisse sollen in Werkzeuge zur Bewertung von Restlebensdauer und Wartungszyklen sowie in die Weiterentwicklung von Regelwerken und Normen für die Wasserstoffinfrastruktur einfließen. Die Plattform gehört zum Wasserstoff-Kompetenzzentrum H2Safety@BAM.
Quelle: BAM — BAM eröffnet europaweit einzigartiges Reallabor für sichere Wasserstoffnetze (02.07.2026)