BAM koordiniert das Projekt HYDRO-QP: Wie Wasserstoff und Verunreinigungen aus Recyclingstahl wie Zinn und Kupfer hochfeste Q&P-Stähle für Fahrzeugbauteile beeinflussen — 1,8 Millionen Euro aus dem RFCS, bis Februar 2030
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat am 16. September 2026 den Start des von ihr koordinierten europäischen Forschungsprojekts HYDRO-QP bekanntgegeben. Forschende aus Industrie und Wissenschaft aus vier Ländern untersuchen, wie Wasserstoff und Verunreinigungen aus dem Recycling die Leistungsfähigkeit moderner hochfester Stähle beeinflussen — und wie sich Automobilstähle klimafreundlicher herstellen lassen, ohne Kompromisse bei Sicherheit und Zuverlässigkeit.
- Hintergrund: Um ihre CO₂-Emissionen zu senken, muss die Stahlindustrie den Einsatz von Recyclingstahl deutlich ausweiten; mit dem Recycling gelangen jedoch unerwünschte Elemente wie Zinn oder Kupfer als Verunreinigungen in den Werkstoff, deren Einfluss auf Stähle für besonders anspruchsvolle Anwendungen laut BAM bislang wenig bekannt ist. Im Mittelpunkt stehen Quench-and-Partitioning-Stähle (Q&P) — sie zählen zu den modernsten hochfesten Stählen und werden zunehmend für sicherheitsrelevante Fahrzeugbauteile eingesetzt, weil sie durch hohe Festigkeit und gute Umformbarkeit leichtere Fahrzeugstrukturen ermöglichen.
- Q&P-Stähle reagieren empfindlich auf Wasserstoff, der während der Herstellung oder später im Betrieb in den Stahl eindringen kann — bereits geringe Mengen können die Rissbildung begünstigen und die Lebensdauer von Bauteilen beeinträchtigen. Die Forschenden stellen Modellstähle mit unterschiedlichen Gehalten an recyclingbedingten Elementen her und analysieren deren Verformungsverhalten unter Wasserstoffeinfluss mit hochauflösender Mikroskopie, Röntgenanalysen und mechanischen Belastungstests, ergänzt durch Multiskalensimulationen bis auf die atomare Ebene.
- Das Projekt verknüpft experimentelle Werkstoffforschung, datengetriebene Simulationsverfahren und maschinelles Lernen; die gewonnenen Daten fließen in digitale Modelle ein, die künftig die Entwicklung neuer Werkstoffe beschleunigen und Materialeigenschaften besser vorhersagen sollen. Die BAM bringt Expertise in Materialinformatik und Materialdesign, Materialsimulationen und der Analyse von Degradationsmechanismen ein, außerdem ist das Wasserstoff-Kompetenzzentrum H2Safety@BAM eingebunden.
- Partner sind thyssenkrupp Steel Europe, voestalpine Stahl, ArcelorMittal Maizières Research, das Materials Center Leoben, die Universität Gent und das Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien in Bremen. Das Projekt läuft bis Februar 2030, wird im Rahmen des Forschungsfonds für Kohle und Stahl (RFCS) der EU durchgeführt und mit 1,8 Millionen Euro gefördert. Laut BAM können die Ergebnisse dazu beitragen, den Anteil von Recyclingmaterial in hochwertigen Stahlanwendungen zu erhöhen.