💧 Wassergehalt nach Karl-Fischer-Methode

Petrochemie PN-EN ISO 12937

Bestimmung des Wassers in Mineralölerzeugnissen durch coulometrische Karl-Fischer-Titration im Bereich 0,003–0,100% (m/m).

Übersicht

Wasser ist eine der unerwünschtesten Verunreinigungen in Mineralölerzeugnissen. Selbst kleine Wassermengen (einige Dutzend ppm) können Korrosion von Metallkomponenten, Abbau von Leistungsadditiven, erhöhtes mikrobiologisches Wachstum, Verschlechterung der Ölschmierfähigkeit und Beschädigung von Präzisionselementen von Motoreinspritzsystemen verursachen.

Die Karl-Fischer-Methode ist der Goldstandard zur Wasserbestimmung in Mineralölerzeugnissen. In der coulometrischen Variante wird das für die Reaktion mit Wasser benötigte Jod elektrochemisch an der Anode erzeugt — es wird nicht aus einer Bürette zugegeben wie in der volumetrischen Variante. Dies macht die coulometrische Methode viel empfindlicher und geeignet zur Bestimmung sehr kleiner Wassermengen (ab 10 µg, d.h. ca. 10 ppm).

Die Methodenbasis ist die Karl-Fischer-Reaktion: I₂ + SO₂ + H₂O → 2HI + SO₃, in Gegenwart von Base (Imidazol) und Alkohol (Methanol). Ein Mol Jod reagiert stöchiometrisch mit einem Mol Wasser. Jod wird coulometrisch nach dem Faraday-Gesetz erzeugt — die Wassermenge ist proportional zur gesamten elektrischen Ladung (1 mg H₂O = 10,71 Coulomb). Das Titrationsende wird elektrometrisch erfasst (biamperometrische Detektion von überschüssigem freiem Jod).

Die Methode ist nicht geeignet für Produkte, die Ketone enthalten (reagieren mit KF-Reagenz) oder schwere Rückstandskraftstoffe. Interferenzen können durch Schwefelwasserstoff und Mercaptane verursacht werden, bei Konzentrationen unter 0,003% (m/m) als Schwefel beeinflussen sie das Ergebnis jedoch nicht wesentlich.

Prinzip der Methode

Gewogene Probe wird in Reaktionsgefäß mit Karl-Fischer-Anolyt-Reagenz (Lösung von SO₂, Imidazol und Methanol) eingebracht. Jod wird elektrochemisch an Platinanode erzeugt. Erzeugtes Jod reagiert sofort mit in Probe vorhandenem Wasser gemäß Reaktion: I₂ + SO₂ + 3C₅H₅N + CH₃OH + H₂O → 2C₅H₅NH·I + C₅H₅NH·SO₄CH₃. Wenn alles Wasser gebunden ist, erscheint überschüssiges freies Jod, das durch biamperometrischen Endpunktdetektor (Doppel-Platinelektrode) erfasst wird. Wassermenge wird aus gesamter elektrischer Ladung zur Joderzeugung gemäß Faraday-Gesetz berechnet.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Messbereich0,003–0,100% (m/m), d.h. 30–1000 mg/kg
Empfindlichkeit~10 µg H₂O (0,001 mg)
Wiederholbarkeit±0,0005% (m/m) oder ±5 mg/kg
Vergleichbarkeit±0,0020% (m/m) oder ±20 mg/kg
Probenvolumen0,1–5 g (abhängig vom Wassergehalt)
Bestimmungszeit3–10 min pro Probe

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 12937:2005
Titel (PL)
Przetwory naftowe — Oznaczanie wody — Metoda miareczkowania kulometrycznego Karla Fischera
Title (EN)
Petroleum products — Determination of water — Coulometric Karl Fischer titration method

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Gerätevorbereitung

Messzelle mit frischem Anolyt-Reagenz füllen (und Katholyt bei Zelle mit Diaphragma). Generator und Detektor einschalten. Reagenz vorläufig bis zum wasserfreien Zustand trocknen.

⏱ Zeit: 10–15 min

2. Konditionierung

Konditionierung starten — Gerät erzeugt automatisch Jod zum Entfernen von Restwasser aus Reagenz. Auf Driftstabilisierung warten (<10 µg/min).

⏱ Zeit: 5–15 min

3. Verifizierung mit Standard

Bekannte Menge Wasserstandard injizieren (z.B. HYDRANAL Water Standard 1.0). Wiederfindung sollte 98–102% betragen. Falls nicht — Reagenzien oder Elektroden austauschen.

⏱ Zeit: 5 min

4. Probenvorbereitung

Probe auf Analysenwaage wiegen (auf 0,1 mg genau). Typische Einwaage: 0,5–5 g, abhängig vom erwarteten Wassergehalt. Masse aufzeichnen.

5. Probeneinführung

Probe durch Septum mit Spritze in Messzelle injizieren. Kontakt mit feuchter Luft vermeiden. Spritzengewicht vor und nach = Probenmasse.

⏱ Zeit: 1 min

6. Titration

Gerät erzeugt automatisch Jod und titriert Wasser. Titrationsende wird biamperometrisch erfasst. Zeit abhängig von Wassermenge — typisch 3–10 min.

⏱ Zeit: 3–10 min

7. Ergebnisablesung

Gerät zeigt Ergebnis in µg Wasser an. In mg/kg oder % (m/m) umrechnen unter Berücksichtigung der Probenmasse: W [mg/kg] = (µg H₂O) / (Probenmasse [g]).

8. Wiederholungsbestimmung

Mindestens zwei Bestimmungen durchführen. Übereinstimmung der Ergebnisse mit Normwiederholbarkeit prüfen.

9. Qualitätskontrolle

Alle 10 Proben (oder pro Serie) Wasserstandard messen. Shewhart-Kontrollkarte für QC-Ergebnisse führen.

10. Reinigung und Wartung

Nach Serienende Reagenz austauschen, falls verbraucht (Farbänderung). Zelle mit wasserfreiem Methanol reinigen. Elektroden in wasserfreiem Methanol lagern.

⏱ Zeit: 10 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Karl-Fischer-CoulometerMetrohm 899 Coulometer, Mettler Toledo C30S25 000–55 000 PLN
Coulometer mit VerdampfungsofenMetrohm 860 KF Thermoprep + 899, Mettler Toledo C30S + DO30860 000–100 000 PLN
Titrationsgefäß mit ElektrodenGeneratorzelle mit/ohne Diaphragma, Doppel-Pt-Elektrode2 000–5 000 PLN
ProbendosierspritzeGlasspritze 1–10 mL mit Luer-Ventil, Hamilton300–800 PLN
AnalysenwaageMettler Toledo XPR205, Sartorius Quintix 224, Genauigkeit 0,1 mg8 000–25 000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Anolyt-Reagenz (Anolyt)HYDRANAL Coulomat AG (methanolbasiert) oder HYDRANAL Coulomat AG-H (für langkettige Kohlenwasserstoffe), Honeywell/Fluka, 500 mL Flasche
Katholyt-Reagenz (Katholyt)HYDRANAL Coulomat CG, für Kathodenkammer (in Zellen mit Diaphragma), Honeywell/Fluka, 500 mL Flasche
Wasserstandard (CRM)HYDRANAL Water Standard 1.0 oder 0.1, zertifizierter Wassergehalt zur Geräteverifizierung
Wasserfreies Methanol67-56-1Reinheit ≥99,8%, max 0,01% Wasser, zur Zellreinigung und als Lösungsmittel
Chloroform (optional)67-66-3Zum Lösen von Ölproben, die sich schlecht mit Methanol mischen
Trockengas (N₂ oder trockene Luft)7727-37-9Zum Schutz der Zelle vor atmosphärischer Feuchtigkeit, Taupunkt <-40°C

Arbeitsschutz und Sicherheit

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