🔩 Zugeigenschaften von Kunststoffen — Zugmodul bestimmt zwischen 0,05 % und 0,25 % Dehnung

Werkstoffe und ZfP PN-EN ISO 527-1

Kurz gefasst

Der Probekörper wird entlang seiner Längsachse mit konstanter Prüfgeschwindigkeit bis zum Bruch oder bis zum Erreichen eines vorgegebenen Spannungs- oder Längenänderungswertes gedehnt, wobei Kraft und Längenänderung gemessen werden. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 527-1:2020-01; Bereich der Modulbestimmung: Zwischen den Dehnungen 0,05 % und 0,25 %; Sekantenmodul oder Steigung der Ausgleichsgeraden nach der Methode der kleinsten Quadrate. Das Verfahren umfasst 8 Schritte; eingesetzt wird sie unter anderem für: Abnahme und Qualitätskontrolle von Thermoplasten und Duroplasten, Prüfung von Kunststofffolien, -platten, -tafeln und Schichtpressstoffen, Prüfung von glas-, kohlenstoff- und aramidfaserverstärkten Verbundwerkstoffen.

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN ISO 527-1:2020-01
  • Kategorie: Werkstoffe und ZfP
  • Verfahrensschritte: 8
  • Bestimmte Größen: Zugmodul, Zugfestigkeit, Streckspannung und Streckdehnung, Bruchspannung und Bruchdehnung, Spannung bei festgelegter Dehnung
  • Bereich der Modulbestimmung: Zwischen den Dehnungen 0,05 % und 0,25 %; Sekantenmodul oder Steigung der Ausgleichsgeraden nach der Methode der kleinsten Quadrate
  • Genauigkeit der Längenänderung für den Modul: Für Messlängen bis 50 mm — ±1 µm (Änderung in der Ausgabe von 2019)

Übersicht

Die Norm legt die allgemeinen Grundsätze für die Bestimmung der Zugeigenschaften von Kunststoffen und Kunststoff-Verbundwerkstoffen unter festgelegten Bedingungen fest. Es sind mehrere Probekörperarten definiert, die auf verschiedene Werkstoffarten abgestimmt sind; Einzelheiten enthalten die weiteren Teile der Reihe ISO 527. Die Verfahren dienen zur Untersuchung des Zugverhaltens der Probekörper sowie zur Bestimmung der Zugfestigkeit, des Zugmoduls und weiterer Größen, die den Zusammenhang zwischen Spannung und Dehnung beschreiben.

Die Verfahren eignen sich ausgewählt für: steife und halbsteife thermoplastische Spritzgieß-, Extrusions- und Gießwerkstoffe einschließlich gefüllter und verstärkter Formmassen sowie Tafeln und Folien aus diesen Werkstoffen; steife und halbsteife duroplastische Formmassen einschließlich gefüllter und verstärkter Formmassen sowie Tafeln und Schichtpressstoffe; faserverstärkte duroplastische und thermoplastische Verbundwerkstoffe mit unidirektionalen und nicht unidirektionalen Verstärkungen wie Matten, Geweben, Rovinggeweben, Schnittfasern, kombinierten und hybriden Verstärkungen, Rovings und gemahlenen Fasern sowie Tafeln aus vorimprägnierten Werkstoffen (Prepregs); sowie thermotrope flüssigkristalline Polymere. Die Verfahren sind in der Regel nicht geeignet für harte Schaumstoffe, für die ISO 1926 gilt, sowie für Sandwichstrukturen mit Schaumstoffen.

Die einzelnen Teile der Reihe legen besondere Bedingungen fest: Teil 2 — für Form- und Extrusionsmassen, Teil 3 — für Folien und Tafeln mit einer Dicke unter 1 mm, Teil 4 — für isotrop und orthotrop faserverstärkte Verbundwerkstoffe, Teil 5 — für unidirektional faserverstärkte Verbundwerkstoffe. Eine Prüfung umfasst mindestens fünf Probekörper, und das Endergebnis der bestimmten Eigenschaft ist deren Mittelwert. In der Ausgabe ISO 527-1:2019 wurde eine Unstimmigkeit hinsichtlich der Genauigkeit der zur Modulberechnung verwendeten Längenänderung beseitigt: Für eine Messlänge von höchstens 50 mm wurde die Genauigkeit auf ±1 µm festgelegt.

Prinzip der Methode

Der Probekörper wird entlang seiner Hauptlängsachse mit konstanter Prüfgeschwindigkeit gedehnt, bis er bricht oder bis die Spannung (Belastung) oder die Dehnung (Längenänderung) einen vorgegebenen Wert erreicht. Während der Prüfung werden die vom Probekörper aufgenommene Kraft und seine Längenänderung gemessen. Die Spannung ist definiert als Normalkraft bezogen auf die Anfangsquerschnittsfläche innerhalb der Messlänge, wobei der Querschnitt das Produkt aus Anfangsbreite und -dicke des mittleren Probekörperteils ist; zur Unterscheidung von der wahren Spannung, die auf den momentanen Querschnitt bezogen ist, wird sie mitunter als technische Spannung bezeichnet. Die Prüfgeschwindigkeit ist die Traversengeschwindigkeit (Geschwindigkeit, mit der sich die Klemmen voneinander entfernen). Der Zugmodul ist die Steigung der Spannungs-Dehnungs-Kurve im Intervall zwischen den Dehnungen 0,05 % und 0,25 %; er kann als Sekantenmodul oder als Steigung einer nach der Methode der kleinsten Quadrate angepassten Geraden berechnet werden.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Bestimmte GrößenZugmodul, Zugfestigkeit, Streckspannung und Streckdehnung, Bruchspannung und Bruchdehnung, Spannung bei festgelegter Dehnung
Bereich der ModulbestimmungZwischen den Dehnungen 0,05 % und 0,25 %; Sekantenmodul oder Steigung der Ausgleichsgeraden nach der Methode der kleinsten Quadrate
Genauigkeit der Längenänderung für den ModulFür Messlängen bis 50 mm — ±1 µm (Änderung in der Ausgabe von 2019)
Anzahl der ProbekörperMindestens fünf je Prüfung; Endergebnis ist der Mittelwert
Geometrische GrößenL0 — Messlänge, b — Breite, h — Dicke, A = b·h — Anfangsquerschnitt
PrüfgeschwindigkeitTraversengeschwindigkeit in mm/min; während der Prüfung konstant
AusschlüsseDie Verfahren sind in der Regel nicht geeignet für harte Schaumstoffe (ISO 1926) sowie für Sandwichstrukturen mit Schaumstoffen

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 527-1:2020-01
Titel (PL)
Tworzywa sztuczne — Oznaczanie właściwości mechanicznych przy statycznym rozciąganiu — Część 1: Zasady ogólne
Title (EN)
Plastics — Determination of tensile properties — Part 1: General principles

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. Herstellung der Probekörper

    Probekörper auf die gewählten Maße formen oder aus Fertig- und Halbzeugen bearbeiten, ausschneiden oder ausstanzen: Formteile, Schichtpressstoffe, Folien sowie extrudierte oder gegossene Tafeln. Probekörperarten und ihre Herstellung legen die zutreffenden Teile der Reihe ISO 527 fest, gewählt nach der Werkstoffart.

  2. Messung der Abmessungen

    Breite b und Dicke h im mittleren Teil des Probekörpers nach ISO 16012 messen und den Anfangsquerschnitt A = b·h berechnen. Die Messlänge L0 festlegen — den Abstand zwischen den Messmarken im mittleren Teil des Probekörpers; die für die einzelnen Probekörpertypen angegebenen Werte sind maximale Messlängen.

  3. Konditionierung

    Probekörper im Normalklima nach ISO 291 konditionieren; für gummiähnliche Werkstoffe werden die Vorbereitungs- und Konditionierungsverfahren nach ISO 23529 angewendet.

  4. Prüfbedingungen

    Die Prüfung im Prüfklima nach ISO 291 durchführen. Die Kalibrierung des Kraftmesssystems (ISO 7500-1) und des Extensometers (ISO 9513) prüfen und bei der Modulbestimmung die Kalibrieranforderungen von Anhang C der Norm erfüllen.

  5. Einspannen und Wahl der Geschwindigkeit

    Den Probekörper axial, ohne Vorspannung und ohne Rutschen einspannen. Die Prüfgeschwindigkeit nach dem zutreffenden Teil der Reihe und der Art der zu bestimmenden Größe wählen; für die Modulbestimmung werden geringere Geschwindigkeiten verwendet als für die Festigkeitsbestimmung.

  6. Dehnen

    Den Probekörper mit konstanter Geschwindigkeit entlang der Längsachse dehnen, bis er bricht oder der vorgegebene Spannungs- oder Längenänderungswert erreicht ist, und dabei Kraft und Längenänderung aufzeichnen.

  7. Berechnungen

    Die Spannung als Quotient aus Kraft und Anfangsquerschnitt und die auf die Messlänge bezogene Dehnung berechnen. Den Zugmodul aus dem Dehnungsintervall von 0,05 % bis 0,25 % bestimmen, außerdem die Zugfestigkeit (Spannung im ersten lokalen Maximum), Streckspannung und Streckdehnung sowie Bruchspannung und Bruchdehnung.

  8. Ergebnis und Prüfbericht

    Mindestens fünf Probekörper prüfen und den Mittelwert angeben; den Vertrauensbereich des Mittelwerts nach ISO 2602 abschätzen. Im Prüfbericht Art und Typ des Probekörpers, Konditionierungs- und Prüfbedingungen, Prüfgeschwindigkeit sowie die bestimmten Größen angeben.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
ZugprüfmaschineMit nach ISO 7500-1 kalibriertem Kraftmesssystem, mit konstanter, einstellbarer Traversengeschwindigkeit—
ExtensometerLängenänderungs-Messsystem kalibriert nach ISO 9513; die Kalibrieranforderungen für die Modulbestimmung enthält Anhang C der Norm—
KlemmenHalten den Probekörper ohne Rutschen und ohne Beschädigung im Einspannbereich—
Messmittel für AbmessungenBestimmung der linearen Abmessungen der Probekörper nach ISO 16012—
Klimakammer zur KonditionierungNormalklimate für Konditionierung und Prüfung nach ISO 291—
Schneidwerkzeug oder Werkzeugmaschine für ProbekörperZum Ausstanzen, Ausschneiden oder Bearbeiten von Probekörpern aus Fertig- und Halbzeugen—

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 527-1:2020-01 — „Plastics — Determination of tensile properties — Part 1: General principles“.

Wie funktioniert diese Methode?

Der Probekörper wird entlang seiner Hauptlängsachse mit konstanter Prüfgeschwindigkeit gedehnt, bis er bricht oder bis die Spannung (Belastung) oder die Dehnung (Längenänderung) einen vorgegebenen Wert erreicht. Während der Prüfung werden die vom Probekörper aufgenommene Kraft und seine Längenänderung gemessen.

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Bestimmte Größen: Zugmodul, Zugfestigkeit, Streckspannung und Streckdehnung, Bruchspannung und Bruchdehnung, Spannung bei festgelegter Dehnung; Bereich der Modulbestimmung: Zwischen den Dehnungen 0,05 % und 0,25 %; Sekantenmodul oder Steigung der Ausgleichsgeraden nach der Methode der kleinsten Quadrate; Genauigkeit der Längenänderung für den Modul: Für Messlängen bis 50 mm — ±1 µm (Änderung in der Ausgabe von 2019); Anzahl der Probekörper: Mindestens fünf je Prüfung; Endergebnis ist der Mittelwert.

Wie lange dauert die Prüfung?

Das Verfahren umfasst 8 Schritte. Die Norm gibt nicht für jeden Schritt eine Dauer an — maßgeblich ist das Verfahren des Labors.

Welche Geräte werden benötigt?

Zugprüfmaschine, Extensometer, Klemmen, Messmittel für Abmessungen, Klimakammer zur Konditionierung, Schneidwerkzeug oder Werkzeugmaschine für Probekörper.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Abnahme und Qualitätskontrolle von Thermoplasten und Duroplasten; Prüfung von Kunststofffolien, -platten, -tafeln und Schichtpressstoffen; Prüfung von glas-, kohlenstoff- und aramidfaserverstärkten Verbundwerkstoffen; Vergleich von Rohstoffchargen und Beurteilung des Einflusses von Füllstoffen und Verstärkungen; Eingangsdaten für Festigkeitsberechnungen und Werkstoffdokumentation.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Der Bruch des Probekörpers setzt elastische Energie frei — Schutzabdeckung des Arbeitsraums der Maschine, Schutzbrille; Splitter beim Bruch faserverstärkter Verbundwerkstoffe — Schutzabdeckung, Kontakt mit Faserbruchstücken vermeiden; Ausstanzen und Bearbeiten der Probekörper — Werkzeugschutz, Absaugung von Kunststoff- und Verbundwerkstoffstaub; Staub aus Glas- und Kohlenstoffverbundwerkstoffen reizt Haut und Atemwege — Handschuhe, Maske, Absaugung; Bewegliche Klemmen der Maschine — während der Prüfung nicht zwischen die Klemmen greifen.

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 527-1.

🔍 Labor finden, das diese Prüfung durchführt