⛽ Erdölkohlenwasserstoffe im Wasser
Bestimmung des Mineralölindex (C₁₀–C₄₀) im Wasser mittels Lösungsmittelextraktion, Florisil-Reinigung und Gaschromatographie GC-FID.
Übersicht
Der Kohlenwasserstoff-Ölindex (HOI) ist ein Schlüsselparameter zur Bewertung der Wasserverschmutzung mit Erdölkohlenwasserstoffen. Die ISO 9377-2-Methode misst die Summe unpolarer Kohlenwasserstoffe mit Ketten von n-Decan (C₁₀) bis n-Tetracontan (C₄₀) und deckt eine breite Palette von Erdölsubstanzen ab: Benzin, Diesel, Schmierstoffe, Maschinenöle, Heizöl.
Dieser Standard ist einer der am häufigsten verwendeten Standards in der Umweltanalytik in Europa. Der HOI-Index ist ein obligatorischer Parameter bei der Überwachung von Abwässern aus Erdölindustrieanlagen, Tankstellen, Autowerkstätten, Häfen sowie bei der Bewertung von Grundwasserverschmutzung mit Erdölsubstanzen.
Die Methode umfasst die Extraktion von Kohlenwasserstoffen aus Wasser mit organischem Lösungsmittel (n-Pentan, n-Hexan oder deren Gemische), Reinigung des Extrakts auf Florisil (Magnesiumsilikat-Adsorbens) zur Entfernung polarer Substanzen (Fette, Fettsäuren, Harze) und anschließende GC-FID-chromatographische Analyse.
Prinzip der Methode
Die Methode besteht aus drei Stufen: (1) Extraktion, (2) Florisil-Reinigung, (3) GC-FID-Analyse.
1. Extraktion: Wasserprobe wird mit Kohlenwasserstofflösungsmittel (Siedebereich 36–69°C, z.B. n-Pentan oder n-Hexan) extrahiert. Erdölkohlenwasserstoffe gehen in die organische Phase über.
2. Florisil-Reinigung: Extrakt wird durch Florisil-Säule (MgSiO₃, 150–250 µm, aktiviert bei 140°C/16h) geleitet. Florisil hält polare Verbindungen (Fette, Ester, Säuren) zurück und lässt unpolare Kohlenwasserstoffe durch.
3. GC-FID-Analyse: Gereinigter Extrakt wird auf kapillare GC-Säule mit unpolarer Phase (z.B. DB-1 oder HP-5) injiziert. Flammenionisationsdetektor (FID) registriert Signal proportional zur Masse der im H₂/Luft-Flamme verbrannten Kohlenwasserstoffe. Die Gesamtpeakfläche wird zwischen Retentionszeiten von n-Decan (C₁₀) und n-Tetracontan (C₄₀) integriert.
HOI [mg/L] = (Probenfläche − Blankfläche) × Kalibrierfaktor / Probenvolumen
Anwendungen
- Überwachung von Abwässern aus Raffinerien und petrochemischen Anlagen
- Kontrolle von Grundwasser (Kraftstoffkontamination aus undichten Tanks)
- Untersuchung von Oberflächenwässern (Ölverschmutzung, ökologische Katastrophen)
- Überwachung von Regenwasser von Tankstellen und Parkplätzen
- Kontrolle von Abwässern aus Autowerkstätten und Waschanlagen
- Bewertung der Sanierung von mit Erdölsubstanzen kontaminierten Standorten
Schlüsselparameter
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Kohlenwasserstoffbereich | C₁₀ (n-Decan) bis C₄₀ (n-Tetracontan) |
| Bestimmungsgrenze | 0,1 mg/L |
| Arbeitsbereich | 0,1–100+ mg/L (mit Verdünnung) |
| Detektor | FID (Flame Ionization Detector) |
| GC-Säule | Kapillar, unpolare Phase (DB-1, HP-5), 10–30 m |
| GC-Analysezeit | 5–20 min (mit Ofenkühlung) |
Norm
- Normnummer
- PN-EN ISO 9377-2:2003
- Titel (PL)
- Jakość wody — Oznaczanie indeksu oleju mineralnego — Część 2: Metoda z zastosowaniem ekstrakcji rozpuszczalnikiem i chromatografii gazowej
- Title (EN)
- Water quality — Determination of hydrocarbon oil index — Part 2: Method using solvent extraction and gas chromatography
Schritt-für-Schritt-Verfahren
1. Probenvorbereitung
Probe in 1–2 L Glasflasche sammeln (nicht PE/PP — adsorbieren Kohlenwasserstoffe). Mit HCl auf pH 2 ansäuern. Nicht filtrieren. Analyse innerhalb 7 Tagen, bei 4°C lagern.
2. Extraktion
1 L Probe in 2 L Scheidetrichter überführen. 30 mL n-Pentan zugeben. 5 min schütteln. Phasen trennen. 2× mit 20 mL wiederholen. Pentanextrakte vereinen.
3. Florisil-Reinigung
Extrakt durch Säule mit 2 g Florisil (mit Lösungsmittel gesättigt) leiten. Mit 20 mL Lösungsmittel eluieren. Florisil hält polare Verunreinigungen zurück.
4. Konzentrierung (optional)
Falls Konzentration niedrig: Extrakt mit N₂-Strom auf ~1 mL konzentrieren (T < 40°C). Nicht zur Trockne eindampfen (Verlust flüchtiger Kohlenwasserstoffe!).
5. GC-FID-Analyse
1–2 µL auf Kapillarsäule injizieren. Temperaturprogramm: 40°C (1 min) → 10°C/min → 320°C (5 min). FID-Detektor 350°C. Gase: H₂ 40 mL/min, Luft 400 mL/min.
6. Integration und Berechnungen
C₁₀–C₄₀-Retentionsfenster basierend auf n-Alkan-Standards bestimmen. Gesamtpeakfläche in diesem Fenster integrieren. HOI von Kalibrierkurve berechnen.
7. Qualitätskontrolle
Blindprobe (dest. Wasser durch gesamtes Verfahren). Kontrollstandard alle 10 Proben. CRM. Duplikat alle 20 Proben. Wiederfindung aus fortifizierter Probe 70–120%.
Erforderliche Geräte und Apparatur
| Gerät | Beispiel | Richtpreis |
|---|---|---|
| Gaschromatograph mit FID | Agilent 8890, Shimadzu GC-2030, Thermo TRACE 1310 | 120 000–300 000 PLN |
| Kapillar-GC-Säule | Agilent DB-1 / DB-5, Restek Rtx-1, 10–30 m × 0,25 mm × 0,25 µm | 1 500–3 000 PLN |
| Autosampler | Agilent 7693A, Shimadzu AOC-20i | 40 000–80 000 PLN |
| Extraktionssystem | 2 L Scheidetrichter oder automatisiertes Flüssig-Flüssig-Extraktionssystem | 200–500 PLN (Trichter) / 30 000–80 000 PLN (automatisiert) |
| Florisil-Säule | Glassäule 10 mm × 200 mm, Florisil 150–250 µm (60–100 mesh) | 100–500 PLN (Säule) + 300–800 PLN/kg (Florisil) |
| Verdampfer (optional) | N₂-Blowdown-System oder Kuderna-Danish zur Extraktkonzentrierung | 3 000–15 000 PLN |
Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien
| Reagenz | CAS | Details |
|---|---|---|
| n-Pentan oder n-Hexan | 109-66-0 / 110-54-3 | Reinheit für Kohlenwasserstoffanalyse (pesticides/GC grade). Extraktionslösungsmittel, Siedebereich 36–69°C |
| Florisil | 1343-88-0 | 150–250 µm (60–100 mesh). Bei 140°C 16h aktivieren. Zur Extraktreinigung von polaren Substanzen |
| n-Alkan-Standards (C₁₀, C₄₀) | — | Zur Bestimmung des Retentionsfensters. n-Decan (C₁₀) und n-Tetracontan (C₄₀) in Lösungsmittel |
| HOI-Kalibrierstandard | — | Mineralölmischung (z.B. Typ B nach ISO 9377-2) in Lösungsmittel, zertifizierte Konzentration |
| Wasserfreies Natriumsulfat (Na₂SO₄) | 7757-82-6 | Kalziniert (400°C, 4h). Zum Trocknen der organischen Phase |
| Wasserstoff und synthetische Luft | — | Gase für FID-Detektor. H₂ 5.0, synthetische Luft (kohlenwasserstofffrei) |
Arbeitsschutz und Sicherheit
- n-Pentan/n-Hexan — extrem brennbar! Flammpunkt < -20°C. Von Zündquellen fernhalten, Abzug
- n-Hexan — neurotoxisch bei chronischer Exposition. In gut belüftetem Raum arbeiten
- Wasserstoff (H₂) — extrem brennbar und explosiv. GC-Installationsdichtheit prüfen
- Florisil — reizender Staub für Atemwege. Staubmaske beim Umfüllen
- Pentan-/Hexanabfall — brennbarer organischer Abfall, separat sammeln
- CO₂- oder Pulverlöscher in der Nähe der GC-Station verfügbar