🔊 Ultraschallprüfung (UT)

Bauwesen PN-EN ISO 16810

Kurz gefasst

Nachweis und Dimensionierung von inneren und oberflächlichen Fehlern in metallischen Werkstoffen mittels Ultraschallwellen. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 16810:2014-02; Frequenzbereich: 1–10 MHz (typisch 2–5 MHz für Stahl). Das Verfahren umfasst 10 Schritte (insgesamt rund 1 Std. 2 Min.–3 Std. 2 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Prüfung von Schweißverbindungen in Stahlkonstruktionen (EN ISO 17640), Kontrolle von Blechen und Hüttenprodukten (EN 10160 — Bleche, EN 10228 — Schmiedestücke), Prüfung von Erdöl- und Gasleitungen (API 5L, ASME B31.3).

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN ISO 16810:2014-02
  • Kategorie: Bauwesen
  • Verfahrensschritte: 10
  • Gesamtdauer der Schritte: 1 Std. 2 Min.–3 Std. 2 Min.
  • Frequenzbereich: 1–10 MHz (typisch 2–5 MHz für Stahl)
  • Dickenbereich: 1 mm – mehrere Meter (abhängig von Werkstoff und Frequenz)
  • Schallgeschwindigkeit in Stahl: 5 900 m/s (Longitudinal), 3 250 m/s (Transversal)

Übersicht

Die Ultraschallprüfung (UT — Ultrasonic Testing) ist eine der wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Methoden der zerstörungsfreien Prüfung, die den Nachweis innerer Ungänzen (Risse, Bindefehler, Einschlüsse, Porosität) sowie äußerer Ungänzen in metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen ermöglicht. Die Norm PN-EN ISO 16810 legt die allgemeinen Grundsätze der UT-Prüfung fest, und die Norm PN-EN ISO 17640 — die spezifischen Anforderungen für die Prüfung von Schweißnähten.

Die Methode basiert auf der Ausbreitung von Ultraschallwellen (typisch 1–10 MHz) im Werkstoff. Die von einem piezoelektrischen Prüfkopf emittierte Welle breitet sich im Werkstoff aus und wird an Ungänzen oder der gegenüberliegenden Wand reflektiert. Aus der Laufzeit und der Echoamplitude werden Tiefe, Lage und Größe des Fehlers bestimmt. UT-Prüfungen sind besonders wirksam beim Nachweis flacher Fehler (Risse, Bindefehler) — die mit anderen Methoden schwer nachweisbar sind.

Neben der konventionellen UT werden heute fortschrittliche Techniken eingesetzt: Phased Array UT (PAUT) — Gruppenstrahlertechnik mit elektronischer Strahlsteuerung, TOFD (Time of Flight Diffraction) — Beugungstechnik zur präzisen Fehlerdimensionierung, sowie Full Matrix Capture (FMC/TFM) — neueste Technik zur Volumenabbildung.

UT-Prüfungen erfordern qualifiziertes ZfP-Personal nach PN-EN ISO 9712 (Stufe 2 oder 3 für die Bewertung). Die Methode wird im Stahlbau (EN 1090), in der Energietechnik, in der Erdölindustrie (API), im Schiffbau und in der Luftfahrt eingesetzt.

Prinzip der Methode

Der Ultraschallprüfkopf (piezoelektrischer Wandler) sendet einen Ultraschallimpuls in das Prüfmaterial. Die Welle breitet sich mit einer werkstoffcharakteristischen Geschwindigkeit aus (z.B. ~5 900 m/s in Stahl — Longitudinalwelle). An Grenzflächen mit unterschiedlicher akustischer Impedanz (Ungänze, Rückwand) wird die Welle reflektiert. Das reflektierte Echo wird vom Prüfkopf registriert und auf dem Bildschirm als A-Bild (Amplitude vs. Zeit) dargestellt. Die Reflektortiefe wird berechnet: d = v × t / 2, seine Größe wird anhand der Echoamplitude im Vergleich zu einem Bezugsreflektor (z.B. Flachbodenbohrung — DAC) bewertet.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Frequenzbereich1–10 MHz (typisch 2–5 MHz für Stahl)
Dickenbereich1 mm – mehrere Meter (abhängig von Werkstoff und Frequenz)
Schallgeschwindigkeit in Stahl5 900 m/s (Longitudinal), 3 250 m/s (Transversal)
Einschallwinkel0° (Senkrechtprüfkopf), 45°/60°/70° (Winkelprüfkopf)
EmpfindlichkeitNachweis von Reflektoren ≥ 1,5 mm (FBH) in Stahl
Ortungsgenauigkeit±1 mm (Tiefe), ±2 mm (Position entlang der Naht)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 16810:2014-02
Titel (PL)
Badania nieniszczące — Badania ultradźwiękowe — Zasady ogólne
Title (EN)
Non-destructive testing — Ultrasonic testing — General principles

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. Oberflächenvorbereitung

    Prüffläche reinigen und glätten. Unebenheiten, Farbe, Rost, Schweißspritzer entfernen. Rauheit ≤ 6,3 µm Ra.

    ⏱ Zeit: 15–30 min

  2. Bereichskalibrierung

    Am Kalibrierkörper V1 den Darstellungsbereich einstellen (z.B. 100 mm, 250 mm). Schallgeschwindigkeit im Werkstoff prüfen.

    ⏱ Zeit: 5 min

  3. Winkel- und Austrittsindexkalibrierung

    Am Kalibrierkörper V1/V2 den Einschallwinkel und Austrittsindex des Winkelprüfkopfs prüfen. Korrektur bei Abweichung > 2°.

    ⏱ Zeit: 5 min

  4. Empfindlichkeitseinstellung

    DAC-Kurve (Distance Amplitude Correction) oder TCG (Time Corrected Gain) an Referenzreflektoren einstellen. Bewertungsschwelle nach ISO 11666.

    ⏱ Zeit: 10 min

  5. Auftragen des Koppelmittels

    Koppelgel auf die Prüffläche auftragen. Durchgängigen Kontakt des Prüfkopfs mit dem Werkstoff gewährleisten.

    ⏱ Zeit: 2 min

  6. Abtastung

    Prüfkopf mit einer Geschwindigkeit ≤ 150 mm/s über die Oberfläche führen. In zwei zueinander senkrechten Richtungen abtasten. Spurüberlappung mind. 10%.

    ⏱ Zeit: 15–120 min

  7. Identifizierung von Anzeigen

    Anzeigen oberhalb der Registrierschwelle aufzeichnen. Bestimmen: Tiefe, Position, Amplitude, Länge.

    ⏱ Zeit: 10 min

  8. Fehlerdimensionierung

    Anzeigen mit 6-dB-Drop-Technik (Länge) und Amplitudentechnik (Höhe) dimensionieren. Bei TOFD — direkte Zeitmessung der Beugungssignale.

  9. Ergebnisbewertung

    Anzeigen mit Akzeptanzkriterien vergleichen (z.B. EN ISO 11666 — Akzeptanzstufen 1/2/3). Fehler klassifizieren.

  10. Bericht

    Prüfbericht erstellen: Teilidentifikation, UT-Technik, Parameter, Anzeigenkarte, Bewertung nach Norm.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Ultraschall-FehlerprüfgerätOlympus EPOCH 650, Krautkrämer USM 100, GE USM Go+25 000–80 000 PLN
PAUT / TOFD-PrüfgerätOlympus OmniScan X3, Zetec TOPAZ 64, Sonatest Veo+80 000–250 000 PLN
Senkrechtprüfkopf (0°)Olympus V106 (2,25 MHz), V109 (5 MHz), Durchmesser 24 mm500–2 000 PLN
WinkelprüfkopfOlympus A545S-SB (45°), A560S-SB (60°), A570S-SB (70°)800–3 000 PLN
KalibrierkörperKalibrierkörper V1 (EN ISO 2400), V2 (EN ISO 7963), Stufenkörper1 000–5 000 PLN
KoppelmittelUltraschall-Gel Olympus Couplant D, Glycerin, Zellulosepaste30–100 PLN / Liter

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
KoppelgelGewährleistet die Schallübertragung vom Prüfkopf in den Werkstoff — beseitigt die Luftschicht, Glycerin oder Wassergel
Kalibrierkörper V1 (EN ISO 2400)Stahlkörper mit Schlitzen — zur Kalibrierung von Bereich, Winkel und Empfindlichkeit, mit Zertifikat
Kalibrierkörper V2 (EN ISO 7963)Kleiner Taschenkörper — zur schnellen Kontrolle von Winkel und Austrittsindex des Winkelprüfkopfs
DAC-ReferenzkörperProben mit Flachbodenbohrungen (FBH) oder Nuten (Notch) — DAC-Kurve / TCG

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 16810:2014-02 — „Non-destructive testing — Ultrasonic testing — General principles“.

Wie funktioniert diese Methode?

Der Ultraschallprüfkopf (piezoelektrischer Wandler) sendet einen Ultraschallimpuls in das Prüfmaterial. Die Welle breitet sich mit einer werkstoffcharakteristischen Geschwindigkeit aus (z.

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Frequenzbereich: 1–10 MHz (typisch 2–5 MHz für Stahl); Dickenbereich: 1 mm – mehrere Meter (abhängig von Werkstoff und Frequenz); Schallgeschwindigkeit in Stahl: 5 900 m/s (Longitudinal), 3 250 m/s (Transversal); Einschallwinkel: 0° (Senkrechtprüfkopf), 45°/60°/70° (Winkelprüfkopf).

Wie lange dauert die Prüfung?

Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 1 Std. 2 Min.–3 Std. 2 Min. Das Verfahren umfasst 10 Schritte.

Welche Geräte werden benötigt?

Ultraschall-Fehlerprüfgerät, PAUT / TOFD-Prüfgerät, Senkrechtprüfkopf (0°), Winkelprüfkopf, Kalibrierkörper, Koppelmittel. Richtpreis für das Kerngerät (Ultraschall-Fehlerprüfgerät): 25 000–80 000 PLN.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Prüfung von Schweißverbindungen in Stahlkonstruktionen (EN ISO 17640); Kontrolle von Blechen und Hüttenprodukten (EN 10160 — Bleche, EN 10228 — Schmiedestücke); Prüfung von Erdöl- und Gasleitungen (API 5L, ASME B31.3); Wanddickenmessung (Korrosion, Erosion) — ohne Demontage der Anlage; Prüfung von Gussteilen (Lunker, Porosität); Kontrolle von Eisenbahnschienen und Wagenrädern; Prüfung von Luftfahrtkomponenten (CFK-Verbundwerkstoffe — Immersionstechnik).

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Arbeiten in der Höhe (Stahlkonstruktionen) — Auffanggurt, Helm, Absturzsicherung; Koppelgel — rutschig, Ausrutschgefahr auf dem Boden; Arbeiten im Lärm (z.B. Produktionshallen) — Gehörschutz; Heiße Bauteile (in-situ) — Thermoschutzhandschuhe, Hochtemperatur-Prüfköpfe (bis 500°C).

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 16810.

🔍 Labor finden, das diese Prüfung durchführt