🔊 Ultraschallprüfung (UT)

Bauwesen PN-EN ISO 16810

Nachweis und Dimensionierung von inneren und oberflächlichen Fehlern in metallischen Werkstoffen mittels Ultraschallwellen. Ermöglicht die Prüfung des gesamten Materialvolumens — einschließlich Schweißnähte, Schmiedestücke und Bleche.

Übersicht

Die Ultraschallprüfung (UT — Ultrasonic Testing) ist eine der wichtigsten und am häufigsten eingesetzten Methoden der zerstörungsfreien Prüfung, die den Nachweis innerer Ungänzen (Risse, Bindefehler, Einschlüsse, Porosität) sowie äußerer Ungänzen in metallischen und nichtmetallischen Werkstoffen ermöglicht. Die Norm PN-EN ISO 16810 legt die allgemeinen Grundsätze der UT-Prüfung fest, und die Norm PN-EN ISO 17640 — die spezifischen Anforderungen für die Prüfung von Schweißnähten.

Die Methode basiert auf der Ausbreitung von Ultraschallwellen (typisch 1–10 MHz) im Werkstoff. Die von einem piezoelektrischen Prüfkopf emittierte Welle breitet sich im Werkstoff aus und wird an Ungänzen oder der gegenüberliegenden Wand reflektiert. Aus der Laufzeit und der Echoamplitude werden Tiefe, Lage und Größe des Fehlers bestimmt. UT-Prüfungen sind besonders wirksam beim Nachweis flacher Fehler (Risse, Bindefehler) — die mit anderen Methoden schwer nachweisbar sind.

Neben der konventionellen UT werden heute fortschrittliche Techniken eingesetzt: Phased Array UT (PAUT) — Gruppenstrahlertechnik mit elektronischer Strahlsteuerung, TOFD (Time of Flight Diffraction) — Beugungstechnik zur präzisen Fehlerdimensionierung, sowie Full Matrix Capture (FMC/TFM) — neueste Technik zur Volumenabbildung.

UT-Prüfungen erfordern qualifiziertes ZfP-Personal nach PN-EN ISO 9712 (Stufe 2 oder 3 für die Bewertung). Die Methode wird im Stahlbau (EN 1090), in der Energietechnik, in der Erdölindustrie (API), im Schiffbau und in der Luftfahrt eingesetzt.

Prinzip der Methode

Der Ultraschallprüfkopf (piezoelektrischer Wandler) sendet einen Ultraschallimpuls in das Prüfmaterial. Die Welle breitet sich mit einer werkstoffcharakteristischen Geschwindigkeit aus (z.B. ~5 900 m/s in Stahl — Longitudinalwelle). An Grenzflächen mit unterschiedlicher akustischer Impedanz (Ungänze, Rückwand) wird die Welle reflektiert. Das reflektierte Echo wird vom Prüfkopf registriert und auf dem Bildschirm als A-Bild (Amplitude vs. Zeit) dargestellt. Die Reflektortiefe wird berechnet: d = v × t / 2, seine Größe wird anhand der Echoamplitude im Vergleich zu einem Bezugsreflektor (z.B. Flachbodenbohrung — DAC) bewertet.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Frequenzbereich1–10 MHz (typisch 2–5 MHz für Stahl)
Dickenbereich1 mm – mehrere Meter (abhängig von Werkstoff und Frequenz)
Schallgeschwindigkeit in Stahl5 900 m/s (Longitudinal), 3 250 m/s (Transversal)
Einschallwinkel0° (Senkrechtprüfkopf), 45°/60°/70° (Winkelprüfkopf)
EmpfindlichkeitNachweis von Reflektoren ≥ 1,5 mm (FBH) in Stahl
Ortungsgenauigkeit±1 mm (Tiefe), ±2 mm (Position entlang der Naht)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 16810:2014-02
Titel (PL)
Badania nieniszczące — Badania ultradźwiękowe — Zasady ogólne
Title (EN)
Non-destructive testing — Ultrasonic testing — General principles

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Oberflächenvorbereitung

Prüffläche reinigen und glätten. Unebenheiten, Farbe, Rost, Schweißspritzer entfernen. Rauheit ≤ 6,3 µm Ra.

⏱ Zeit: 15–30 min

2. Bereichskalibrierung

Am Kalibrierkörper V1 den Darstellungsbereich einstellen (z.B. 100 mm, 250 mm). Schallgeschwindigkeit im Werkstoff prüfen.

⏱ Zeit: 5 min

3. Winkel- und Austrittsindexkalibrierung

Am Kalibrierkörper V1/V2 den Einschallwinkel und Austrittsindex des Winkelprüfkopfs prüfen. Korrektur bei Abweichung > 2°.

⏱ Zeit: 5 min

4. Empfindlichkeitseinstellung

DAC-Kurve (Distance Amplitude Correction) oder TCG (Time Corrected Gain) an Referenzreflektoren einstellen. Bewertungsschwelle nach ISO 11666.

⏱ Zeit: 10 min

5. Auftragen des Koppelmittels

Koppelgel auf die Prüffläche auftragen. Durchgängigen Kontakt des Prüfkopfs mit dem Werkstoff gewährleisten.

⏱ Zeit: 2 min

6. Abtastung

Prüfkopf mit einer Geschwindigkeit ≤ 150 mm/s über die Oberfläche führen. In zwei zueinander senkrechten Richtungen abtasten. Spurüberlappung mind. 10%.

⏱ Zeit: 15–120 min

7. Identifizierung von Anzeigen

Anzeigen oberhalb der Registrierschwelle aufzeichnen. Bestimmen: Tiefe, Position, Amplitude, Länge.

⏱ Zeit: 10 min

8. Fehlerdimensionierung

Anzeigen mit 6-dB-Drop-Technik (Länge) und Amplitudentechnik (Höhe) dimensionieren. Bei TOFD — direkte Zeitmessung der Beugungssignale.

9. Ergebnisbewertung

Anzeigen mit Akzeptanzkriterien vergleichen (z.B. EN ISO 11666 — Akzeptanzstufen 1/2/3). Fehler klassifizieren.

10. Bericht

Prüfbericht erstellen: Teilidentifikation, UT-Technik, Parameter, Anzeigenkarte, Bewertung nach Norm.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Ultraschall-FehlerprüfgerätOlympus EPOCH 650, Krautkrämer USM 100, GE USM Go+25 000–80 000 PLN
PAUT / TOFD-PrüfgerätOlympus OmniScan X3, Zetec TOPAZ 64, Sonatest Veo+80 000–250 000 PLN
Senkrechtprüfkopf (0°)Olympus V106 (2,25 MHz), V109 (5 MHz), Durchmesser 24 mm500–2 000 PLN
WinkelprüfkopfOlympus A545S-SB (45°), A560S-SB (60°), A570S-SB (70°)800–3 000 PLN
KalibrierkörperKalibrierkörper V1 (EN ISO 2400), V2 (EN ISO 7963), Stufenkörper1 000–5 000 PLN
KoppelmittelUltraschall-Gel Olympus Couplant D, Glycerin, Zellulosepaste30–100 PLN / Liter

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
KoppelgelGewährleistet die Schallübertragung vom Prüfkopf in den Werkstoff — beseitigt die Luftschicht, Glycerin oder Wassergel
Kalibrierkörper V1 (EN ISO 2400)Stahlkörper mit Schlitzen — zur Kalibrierung von Bereich, Winkel und Empfindlichkeit, mit Zertifikat
Kalibrierkörper V2 (EN ISO 7963)Kleiner Taschenkörper — zur schnellen Kontrolle von Winkel und Austrittsindex des Winkelprüfkopfs
DAC-ReferenzkörperProben mit Flachbodenbohrungen (FBH) oder Nuten (Notch) — DAC-Kurve / TCG

Arbeitsschutz und Sicherheit

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