🫧 Gelöster Sauerstoff — Winkler-Methode (jodometrisch)
Kurz gefasst
Klassische jodometrische Methode (Winkler) zur Bestimmung des gelösten Sauerstoffs im Wasser. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 5813:2006; Messbereich: 0,2–20 mg O₂/L. Das Verfahren umfasst 11 Schritte (insgesamt rund 56 Min.–1 Std. 1 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: DO-Bestimmung im BSB5-Test (Tag 0 und Tag 5), Kalibrierung und Überprüfung von Sauerstoffsonden (elektrochemisch und optisch), Überwachung der Oberflächenwasserqualität — Sauerstoffzustand von Flüssen und Seen.
Auf einen Blick
- Norm: PN-EN ISO 5813:2006
- Kategorie: Physikochemie
- Verfahrensschritte: 11
- Gesamtdauer der Schritte: 56 Min.–1 Std. 1 Min.
- Messbereich: 0,2–20 mg O₂/L
- Bestimmungsgrenze (LOQ): 0,2 mg O₂/L
- Genauigkeit: ±0,05 mg O₂/L (bei sorgfältiger Arbeit)
Übersicht
Gelöster Sauerstoff (DO — Dissolved Oxygen) ist einer der wichtigsten Wasserqualitätsparameter, der die Lebensmöglichkeiten aerober Organismen (Fische, wirbellose Tiere, aerobe Bakterien) bestimmt. Die DO-Sättigungskonzentration im Wasser beträgt ~8,5 mg/L O₂ bei 20°C und Atmosphärendruck. Ein Abfall des DO unter 4 mg/L verursacht Sauerstoffstress, unter 2 mg/L — anaerobe Bedingungen (Fischsterben, Fäulnisprozesse).
Die Winkler-Methode, 1888 vom ungarischen Chemiker Lajos Winkler entwickelt, ist die älteste und genaueste chemische Methode zur DO-Bestimmung. Sie beruht auf der Bindung von Sauerstoff durch Mn²⁺-Ionen im alkalischen Medium und der anschließenden Freisetzung von Jod (I₂) im sauren Medium in einer dem Sauerstoffgehalt stöchiometrisch äquivalenten Menge. Das freigesetzte Jod wird mit Natriumthiosulfat (Na₂S₂O₃) titriert, wobei Stärke als Indikator dient (Umschlag von blau nach farblos).
Die Azid-Modifikation (mit NaN₃) eliminiert die Interferenz von Nitriten (NO₂⁻), die häufig in biologisch gereinigtem Abwasser und manchen Oberflächengewässern vorkommen. Dies ist die am häufigsten verwendete Variante der Winkler-Methode.
Trotz der weit verbreiteten Verwendung von Sauerstoffsonden (elektrochemisch und optisch) bleibt die Winkler-Methode die Referenzmethode zur Kalibrierung von Sonden und zur Klärung analytischer Streitfälle. Sie ist für die DO₀- und DO₅-Bestimmung im BSB5-Test erforderlich.
Prinzip der Methode
Im stark alkalischen Medium oxidiert der im Wasser gelöste Sauerstoff Mangan(II)-hydroxid Mn(OH)₂ (weißer Niederschlag) zu Manganat(IV) MnO(OH)₂ (brauner Niederschlag):
2 Mn(OH)₂ + O₂ → 2 MnO(OH)₂
Nach Ansäuerung mit Schwefelsäure oxidieren Mn⁴⁺-Ionen Kaliumjodid (KI) zu freiem Jod:
MnO(OH)₂ + 2 I⁻ + 4 H⁺ → Mn²⁺ + I₂ + 3 H₂O
Das freigesetzte Jod (I₂) wird mit Natriumthiosulfat titriert:
I₂ + 2 Na₂S₂O₃ → 2 NaI + Na₂S₄O₆
Endpunkt: Verschwinden der Blaufärbung von Stärke mit Jod. Bei der Azid-Modifikation wird Natriumazid (NaN₃) zugesetzt, der Nitrite zersetzt (NO₂⁻ + N₃⁻ → N₂ + NO + N₂O) und deren Interferenz bei der Mn²⁺-Oxidation eliminiert.
Anwendungen
- DO-Bestimmung im BSB5-Test (Tag 0 und Tag 5)
- Kalibrierung und Überprüfung von Sauerstoffsonden (elektrochemisch und optisch)
- Überwachung der Oberflächenwasserqualität — Sauerstoffzustand von Flüssen und Seen
- Trinkwasseruntersuchung — Kontrolle der Belüftung
- Kontrolle von Abwasserbehandlungsprozessen — Belüftung des Belebtschlamms
- Limnologische Untersuchungen — Sauerstoffprofil eines Sees
- Bewertung der Selbstreinigungsfähigkeit von Flüssen
- Aquakultur — Sauerstoffkontrolle in der Fischzucht
Schlüsselparameter
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Messbereich | 0,2–20 mg O₂/L |
| Bestimmungsgrenze (LOQ) | 0,2 mg O₂/L |
| Genauigkeit | ±0,05 mg O₂/L (bei sorgfältiger Arbeit) |
| DO-Sättigung (20°C, 1 atm) | ~8,84 mg O₂/L (Reinstwasser) |
| Winkler-Flaschenvolumen | 250–300 mL |
| Interferenzen | NO₂⁻ (durch NaN₃ eliminiert), Fe²⁺/Fe³⁺, freies Cl₂, S²⁻ |
Norm
- Normnummer
- PN-EN ISO 5813:2006
- Titel (PL)
- Jakość wody — Oznaczanie tlenu rozpuszczonego — Metoda jodometryczna
- Title (EN)
- Water quality — Determination of dissolved oxygen — Iodometric method
Schritt-für-Schritt-Verfahren
-
Probenahme
Winkler-Flasche (300 mL) mit Wasserprobe füllen — Flasche untertauchen oder Silikonschlauch verwenden. Nicht belüften! Mit dem 3-fachen Volumen spülen. Luftblasenfrei verschließen.
-
Fixierung — MnSO₄
2 mL MnSO₄-Lösung mit Pipette unterhalb der Wasseroberfläche zugeben. Pipette herausziehen.
-
Fixierung — alkalisch-jodidisches Reagenz
2 mL alkalisch-jodidisches Reagenz mit NaN₃ mit eingetauchter Pipette zugeben. Flasche mit Stopfen verschließen (ohne Luftblasen). Durch mehrfaches Umdrehen mischen. Es entsteht ein weißer (kein O₂) oder brauner (O₂ vorhanden) Niederschlag.
-
Niederschlagssedimentation
Flasche stehen lassen bis Niederschlag sedimentiert (min. 5 min). Erneut mischen und wieder sedimentieren lassen. Niederschlag sollte unter die Flaschenhälfte absinken.
-
Ansäuerung
2 mL konzentrierte H₂SO₄ zugeben. Verschließen und durch Umdrehen mischen bis zur vollständigen Auflösung des Niederschlags. Die Lösung wird gelbbraun (Jod).
-
Aliquot-Entnahme
203 mL abmessen (entspricht 200 mL der Originalprobe nach Abzug des Reagenzvolumens) in einen Erlenmeyerkolben.
-
Titration mit Thiosulfat
Mit Na₂S₂O₃ 0,025 M aus Bürette bis zur blassgelben Färbung titrieren. 1 mL Stärkelösung zugeben (Blaufärbung). Titration bis zum Verschwinden der Blaufärbung fortsetzen.
-
Volumenablesung
Verbrauchtes Volumen Na₂S₂O₃ mit Genauigkeit ±0,05 mL ablesen.
-
Berechnung
DO [mg O₂/L] = V(Na₂S₂O₃) × M(Na₂S₂O₃) × 8000 / V_Probe. Für Na₂S₂O₃ 0,025 M und 200 mL Probe: 1 mL Thiosulfat ≈ 1 mg O₂/L.
-
Überprüfung des Thiosulfat-Titers
Thiosulfat gegen K₂Cr₂O₇ 0,025 M + KI in H₂SO₄-Medium einstellen (Dunkelheit, 5 min). Wie Probe titrieren. Korrekturfaktor: f = V_theor/V_real.
-
Qualitätskontrolle
Gesättigtes deionisiertes Wasser (1 h bei 20°C belüftet) — DO ≈ 8,8 mg/L (±0,3). Duplikat: Differenz < 0,2 mg/L.
Erforderliche Geräte und Apparatur
| Gerät | Beispiel | Richtpreis |
|---|---|---|
| Winkler-Flaschen 250–300 mL | Glasflaschen mit Schliffstopfen und Wasserkragen, DURAN | 30–60 PLN/Stk. |
| Bürette 25 mL Klasse A | Glasbürette mit PTFE-Hahn, Teilung 0,05 mL | 150–400 PLN |
| Automatische Pipetten | Eppendorf Research Plus 1–5 mL, Brand Transferpette | 800–2 000 PLN |
| Erlenmeyerkolben 250 mL | Borosilikat DURAN, zum Titrieren | 15–30 PLN/Stk. |
| Magnetrührer | IKA C-MAG MS 4 (optional, zum Titrieren) | 1 500–4 000 PLN |
| Laborthermometer | Glasthermometer oder digital, Genauigkeit ±0,1°C | 50–500 PLN |
Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien
| Reagenz | CAS | Details |
|---|---|---|
| Mangansulfat (MnSO₄·H₂O) | 10034-96-5 | Lösung 480 g/L MnSO₄·4H₂O in Wasser, alkalisches Reagenz |
| Alkalisch-jodidisches Reagenz mit Azid | — | NaOH 500 g + NaI 135 g + NaN₃ (CAS 26628-22-8) 10 g pro 1 L Wasser. ACHTUNG: NaN₃ stark toxisch! |
| Schwefelsäure (H₂SO₄) konzentriert | 7664-93-9 | Zum Ansäuern der Probe — Auflösung des Niederschlags und Freisetzung von I₂ |
| Natriumthiosulfat (Na₂S₂O₃) 0,025 M | 7772-98-7 | Eingestellte Lösung zur Titration, stabilisiert mit NaOH (0,4 g/L) |
| Lösliche Stärke (Indikator) | 9005-25-8 | 1%-Lösung in Wasser (aufkochen), Endpunktindikator (blau → farblos) |
| Kaliumdichromat (K₂Cr₂O₇) | 7778-50-9 | 0,025 M, zur Überprüfung des Thiosulfat-Titers |
| Kaliumjodid (KI) | 7681-11-0 | Zur Überprüfung des Thiosulfat-Titers, p.a., jodatfrei |
| Natriumazid (NaN₃) | 26628-22-8 | Eliminierung der Nitrit-Interferenz — STARK TOXISCH, tödlich bei Verschlucken |
Arbeitsschutz und Sicherheit
- Natriumazid (NaN₃) — STARK TOXISCH, tödlich bei Verschlucken (LD50 ~27 mg/kg), reagiert mit Säuren unter Freisetzung von giftigem HN₃!
- Konzentrierte Schwefelsäure — stark ätzend, schwere Verätzungen, vorsichtig zum Wasser zugeben
- NaOH-Lösung (alkalisches Reagenz) — ätzend, chemische Verätzungen von Haut und Augen
- Freigesetztes Jod — reizend, verfärbt Haut, Einatmen der Dämpfe vermeiden
- Kaliumdichromat — karzinogen (Cr⁶⁺), unter Abzug verwenden, Handschuhe
- Schutzbrille, Laborkittel und Nitrilhandschuhe bei JEDEM Schritt OBLIGATORISCH
Häufige Fragen
Welche Norm beschreibt diese Prüfung?
Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 5813:2006 — „Water quality — Determination of dissolved oxygen — Iodometric method“.
Wie funktioniert diese Methode?
Im stark alkalischen Medium oxidiert der im Wasser gelöste Sauerstoff Mangan(II)-hydroxid Mn(OH)₂ (weißer Niederschlag) zu Manganat(IV) MnO(OH)₂ (brauner Niederschlag): 2 Mn(OH)₂ + O₂ → 2 MnO(OH)₂ Nach Ansäuerung mit Schwefelsäure oxidieren Mn⁴⁺-Ionen Kaliumjodid (KI) zu freiem Jod: MnO(OH)₂ + 2 I⁻ + 4 H⁺ → Mn²⁺ + I₂ + 3 H₂O Das freigesetzte Jod (I₂) wird mit Natriumthiosulfat titriert: I₂ + 2 Na₂S₂O₃ → 2 NaI + Na₂S₄O₆ Endpunkt: Verschwinden der Blaufärbung von Stärke mit Jod. Bei der Azid-Modifikation wird Natriumazid (NaN₃) zugesetzt, der Nitrite zersetzt (NO₂⁻ + N₃⁻ → N₂ + NO + N₂O) und deren Interferenz bei der Mn²⁺-Oxidation eliminiert.
Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?
Messbereich: 0,2–20 mg O₂/L; Bestimmungsgrenze (LOQ): 0,2 mg O₂/L; Genauigkeit: ±0,05 mg O₂/L (bei sorgfältiger Arbeit); DO-Sättigung (20°C, 1 atm): ~8,84 mg O₂/L (Reinstwasser).
Wie lange dauert die Prüfung?
Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 56 Min.–1 Std. 1 Min. Das Verfahren umfasst 11 Schritte.
Welche Geräte werden benötigt?
Winkler-Flaschen 250–300 mL, Bürette 25 mL Klasse A, Automatische Pipetten, Erlenmeyerkolben 250 mL, Magnetrührer, Laborthermometer. Richtpreis für das Kerngerät (Winkler-Flaschen 250–300 mL): 30–60 PLN/Stk.
Wo wird diese Prüfung eingesetzt?
DO-Bestimmung im BSB5-Test (Tag 0 und Tag 5); Kalibrierung und Überprüfung von Sauerstoffsonden (elektrochemisch und optisch); Überwachung der Oberflächenwasserqualität — Sauerstoffzustand von Flüssen und Seen; Trinkwasseruntersuchung — Kontrolle der Belüftung; Kontrolle von Abwasserbehandlungsprozessen — Belüftung des Belebtschlamms; Limnologische Untersuchungen — Sauerstoffprofil eines Sees; Bewertung der Selbstreinigungsfähigkeit von Flüssen; Aquakultur — Sauerstoffkontrolle in der Fischzucht.
Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?
Natriumazid (NaN₃) — STARK TOXISCH, tödlich bei Verschlucken (LD50 ~27 mg/kg), reagiert mit Säuren unter Freisetzung von giftigem HN₃!; Konzentrierte Schwefelsäure — stark ätzend, schwere Verätzungen, vorsichtig zum Wasser zugeben; NaOH-Lösung (alkalisches Reagenz) — ätzend, chemische Verätzungen von Haut und Augen; Freigesetztes Jod — reizend, verfärbt Haut, Einatmen der Dämpfe vermeiden; Kaliumdichromat — karzinogen (Cr⁶⁺), unter Abzug verwenden, Handschuhe; Schutzbrille, Laborkittel und Nitrilhandschuhe bei JEDEM Schritt OBLIGATORISCH.
Welches Labor führt diese Prüfung durch?
Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 5813.