🫧 Gelöster Sauerstoff — Winkler-Methode (jodometrisch)

Physikochemie PN-EN ISO 5813

Klassische jodometrische Methode (Winkler) zur Bestimmung des gelösten Sauerstoffs im Wasser. Basiert auf der Oxidation von Mn(II) zu Mn(IV) durch Sauerstoff, Jodfreisetzung und Titration mit Natriumthiosulfat. Referenzmethode seit 1888.

Übersicht

Gelöster Sauerstoff (DO — Dissolved Oxygen) ist einer der wichtigsten Wasserqualitätsparameter, der die Lebensmöglichkeiten aerober Organismen (Fische, wirbellose Tiere, aerobe Bakterien) bestimmt. Die DO-Sättigungskonzentration im Wasser beträgt ~8,5 mg/L O₂ bei 20°C und Atmosphärendruck. Ein Abfall des DO unter 4 mg/L verursacht Sauerstoffstress, unter 2 mg/L — anaerobe Bedingungen (Fischsterben, Fäulnisprozesse).

Die Winkler-Methode, 1888 vom ungarischen Chemiker Lajos Winkler entwickelt, ist die älteste und genaueste chemische Methode zur DO-Bestimmung. Sie beruht auf der Bindung von Sauerstoff durch Mn²⁺-Ionen im alkalischen Medium und der anschließenden Freisetzung von Jod (I₂) im sauren Medium in einer dem Sauerstoffgehalt stöchiometrisch äquivalenten Menge. Das freigesetzte Jod wird mit Natriumthiosulfat (Na₂S₂O₃) titriert, wobei Stärke als Indikator dient (Umschlag von blau nach farblos).

Die Azid-Modifikation (mit NaN₃) eliminiert die Interferenz von Nitriten (NO₂⁻), die häufig in biologisch gereinigtem Abwasser und manchen Oberflächengewässern vorkommen. Dies ist die am häufigsten verwendete Variante der Winkler-Methode.

Trotz der weit verbreiteten Verwendung von Sauerstoffsonden (elektrochemisch und optisch) bleibt die Winkler-Methode die Referenzmethode zur Kalibrierung von Sonden und zur Klärung analytischer Streitfälle. Sie ist für die DO₀- und DO₅-Bestimmung im BSB5-Test erforderlich.

Prinzip der Methode

Im stark alkalischen Medium oxidiert der im Wasser gelöste Sauerstoff Mangan(II)-hydroxid Mn(OH)₂ (weißer Niederschlag) zu Manganat(IV) MnO(OH)₂ (brauner Niederschlag):

2 Mn(OH)₂ + O₂ → 2 MnO(OH)₂

Nach Ansäuerung mit Schwefelsäure oxidieren Mn⁴⁺-Ionen Kaliumjodid (KI) zu freiem Jod:

MnO(OH)₂ + 2 I⁻ + 4 H⁺ → Mn²⁺ + I₂ + 3 H₂O

Das freigesetzte Jod (I₂) wird mit Natriumthiosulfat titriert:

I₂ + 2 Na₂S₂O₃ → 2 NaI + Na₂S₄O₆

Endpunkt: Verschwinden der Blaufärbung von Stärke mit Jod. Bei der Azid-Modifikation wird Natriumazid (NaN₃) zugesetzt, der Nitrite zersetzt (NO₂⁻ + N₃⁻ → N₂ + NO + N₂O) und deren Interferenz bei der Mn²⁺-Oxidation eliminiert.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Messbereich0,2–20 mg O₂/L
Bestimmungsgrenze (LOQ)0,2 mg O₂/L
Genauigkeit±0,05 mg O₂/L (bei sorgfältiger Arbeit)
DO-Sättigung (20°C, 1 atm)~8,84 mg O₂/L (Reinstwasser)
Winkler-Flaschenvolumen250–300 mL
InterferenzenNO₂⁻ (durch NaN₃ eliminiert), Fe²⁺/Fe³⁺, freies Cl₂, S²⁻

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 5813:2006
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie tlenu rozpuszczonego — Metoda jodometryczna
Title (EN)
Water quality — Determination of dissolved oxygen — Iodometric method

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Probenahme

Winkler-Flasche (300 mL) mit Wasserprobe füllen — Flasche untertauchen oder Silikonschlauch verwenden. Nicht belüften! Mit dem 3-fachen Volumen spülen. Luftblasenfrei verschließen.

⏱ Zeit: 3 min

2. Fixierung — MnSO₄

2 mL MnSO₄-Lösung mit Pipette unterhalb der Wasseroberfläche zugeben. Pipette herausziehen.

⏱ Zeit: 1 min

3. Fixierung — alkalisch-jodidisches Reagenz

2 mL alkalisch-jodidisches Reagenz mit NaN₃ mit eingetauchter Pipette zugeben. Flasche mit Stopfen verschließen (ohne Luftblasen). Durch mehrfaches Umdrehen mischen. Es entsteht ein weißer (kein O₂) oder brauner (O₂ vorhanden) Niederschlag.

⏱ Zeit: 2 min

4. Niederschlagssedimentation

Flasche stehen lassen bis Niederschlag sedimentiert (min. 5 min). Erneut mischen und wieder sedimentieren lassen. Niederschlag sollte unter die Flaschenhälfte absinken.

⏱ Zeit: 10 min

5. Ansäuerung

2 mL konzentrierte H₂SO₄ zugeben. Verschließen und durch Umdrehen mischen bis zur vollständigen Auflösung des Niederschlags. Die Lösung wird gelbbraun (Jod).

⏱ Zeit: 2 min

6. Aliquot-Entnahme

203 mL abmessen (entspricht 200 mL der Originalprobe nach Abzug des Reagenzvolumens) in einen Erlenmeyerkolben.

⏱ Zeit: 2 min

7. Titration mit Thiosulfat

Mit Na₂S₂O₃ 0,025 M aus Bürette bis zur blassgelben Färbung titrieren. 1 mL Stärkelösung zugeben (Blaufärbung). Titration bis zum Verschwinden der Blaufärbung fortsetzen.

⏱ Zeit: 5–10 min

8. Volumenablesung

Verbrauchtes Volumen Na₂S₂O₃ mit Genauigkeit ±0,05 mL ablesen.

⏱ Zeit: 1 min

9. Berechnung

DO [mg O₂/L] = V(Na₂S₂O₃) × M(Na₂S₂O₃) × 8000 / V_Probe. Für Na₂S₂O₃ 0,025 M und 200 mL Probe: 1 mL Thiosulfat ≈ 1 mg O₂/L.

⏱ Zeit: 5 min

10. Überprüfung des Thiosulfat-Titers

Thiosulfat gegen K₂Cr₂O₇ 0,025 M + KI in H₂SO₄-Medium einstellen (Dunkelheit, 5 min). Wie Probe titrieren. Korrekturfaktor: f = V_theor/V_real.

⏱ Zeit: 15 min

11. Qualitätskontrolle

Gesättigtes deionisiertes Wasser (1 h bei 20°C belüftet) — DO ≈ 8,8 mg/L (±0,3). Duplikat: Differenz < 0,2 mg/L.

⏱ Zeit: 10 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Winkler-Flaschen 250–300 mLGlasflaschen mit Schliffstopfen und Wasserkragen, DURAN30–60 PLN/Stk.
Bürette 25 mL Klasse AGlasbürette mit PTFE-Hahn, Teilung 0,05 mL150–400 PLN
Automatische PipettenEppendorf Research Plus 1–5 mL, Brand Transferpette800–2 000 PLN
Erlenmeyerkolben 250 mLBorosilikat DURAN, zum Titrieren15–30 PLN/Stk.
MagnetrührerIKA C-MAG MS 4 (optional, zum Titrieren)1 500–4 000 PLN
LaborthermometerGlasthermometer oder digital, Genauigkeit ±0,1°C50–500 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Mangansulfat (MnSO₄·H₂O)10034-96-5Lösung 480 g/L MnSO₄·4H₂O in Wasser, alkalisches Reagenz
Alkalisch-jodidisches Reagenz mit AzidNaOH 500 g + NaI 135 g + NaN₃ (CAS 26628-22-8) 10 g pro 1 L Wasser. ACHTUNG: NaN₃ stark toxisch!
Schwefelsäure (H₂SO₄) konzentriert7664-93-9Zum Ansäuern der Probe — Auflösung des Niederschlags und Freisetzung von I₂
Natriumthiosulfat (Na₂S₂O₃) 0,025 M7772-98-7Eingestellte Lösung zur Titration, stabilisiert mit NaOH (0,4 g/L)
Lösliche Stärke (Indikator)9005-25-81%-Lösung in Wasser (aufkochen), Endpunktindikator (blau → farblos)
Kaliumdichromat (K₂Cr₂O₇)7778-50-90,025 M, zur Überprüfung des Thiosulfat-Titers
Kaliumjodid (KI)7681-11-0Zur Überprüfung des Thiosulfat-Titers, p.a., jodatfrei
Natriumazid (NaN₃)26628-22-8Eliminierung der Nitrit-Interferenz — STARK TOXISCH, tödlich bei Verschlucken

Arbeitsschutz und Sicherheit

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