⚙️ Zugversuch von Stahl

Bauwesen PN-EN ISO 6892-1

Statischer Zugversuch metallischer Werkstoffe bei Raumtemperatur. Bestimmung von Streckgrenze, Zugfestigkeit und Bruchdehnung.

Übersicht

Der statische Zugversuch ist die wichtigste und am häufigsten durchgeführte Methode zur Prüfung mechanischer Eigenschaften von Metallen. Er besteht in der einachsigen Zugbeanspruchung einer Probe mit genormten Abmessungen bei konstanter Dehngeschwindigkeit bis zum Bruch. Aus der aufgezeichneten Kraft-Verlängerungs-Kurve werden Schlüsselparameter bestimmt: Streckgrenze (Re oder Rp0,2), Zugfestigkeit (Rm), Bruchdehnung (A) und Brucheinschnürung (Z).

Die Norm PN-EN ISO 6892-1 legt das Prüfverfahren bei Raumtemperatur (10–35°C) fest und definiert drei Geschwindigkeitssteuerungsverfahren: A1 (mit Rückkopplungsschleife auf Dehngeschwindigkeit), A2 (mit konstanter Traversengeschwindigkeit) und B (mit konstanter Spannungsrate im elastischen Bereich). Verfahren A wird als präziser und reproduzierbarer empfohlen.

Die Ergebnisse des Zugversuchs bilden die Grundlage für die Qualifizierung von Stahl in entsprechende Güteklassen (z. B. S235, S355 gem. PN-EN 10025) und die Bewertung der Materialeignung für spezifische Konstruktionsanwendungen. Die Prüfung ist in Werksattesten (Abnahmeprüfzeugnisse 3.1 und 3.2 gem. PN-EN 10204) und bei der Qualitätskontrolle von Bewehrungsstäben (PN-EN 10080), Schrauben, Blechen und Rohren verpflichtend.

Proben können flach (aus Blechen) oder rund (aus Stäben) sein, mit genormten Abmessungen je nach Produkt. Am häufigsten werden proportionale Proben mit Messlänge L₀ = 5,65√S₀ (kurz) oder L₀ = 11,3√S₀ (lang) verwendet.

Prinzip der Methode

Eine Metallprobe mit genormten Abmessungen wird in den Backen einer Prüfmaschine eingespannt und einachsiger Zugbeanspruchung bei kontrollierter Dehngeschwindigkeit ausgesetzt. Die Maschine zeichnet kontinuierlich Kraft (Kraftmessdose) und Verlängerung (Extensometer) auf und erzeugt eine Zugkurve σ-ε. Aus der Kurve werden bestimmt: obere und untere Streckgrenze (ReH, ReL) oder 0,2%-Dehngrenze Rp0,2 (bei 0,2% bleibender Dehnung), Zugfestigkeit Rm (maximale Spannung), Bruchdehnung A (prozentuale Änderung der Messlänge nach Bruch) und Brucheinschnürung Z (prozentuale Änderung der Querschnittsfläche an der Bruchstelle).

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Prüftemperatur10–35°C (Raumtemperatur)
Dehngeschwindigkeit (Verf. A2)0,00007 s⁻¹ (bis Re) → 0,00025 s⁻¹ (nach Re)
ExtensometerklasseKlasse 1 gem. ISO 9513 (Genauigkeit ±1 µm)
Messlänge L₀5,65√S₀ (kurz) oder 11,3√S₀ (lang)
Kraftbereich der Maschine50–600 kN (typisch für Stahlprüfung)
Rm-Wiederholbarkeit±1% (innerhalb desselben Materials)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 6892-1:2020
Titel (PL)
Metale — Próba rozciągania — Część 1: Metoda badania w temperaturze pokojowej
Title (EN)
Metallic materials — Tensile testing — Part 1: Method of test at room temperature

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Probenvorbereitung

Probe aus Produkt gem. Produktnorm entnehmen. Spanend auf genormte Abmessungen bearbeiten. Messlängenmarken L₀ aufbringen.

⏱ Zeit: 30–60 Min.

2. Probenabmessungsmessung

Breite und Dicke (flache Probe) oder Durchmesser (rund) an 3 Stellen messen. Querschnittsfläche S₀ berechnen.

⏱ Zeit: 5 Min.

3. Probeneinspannung

Probe in Prüfmaschinenbacken einspannen. Achsialität sicherstellen (keine Exzentrizität). Extensometer anbringen.

⏱ Zeit: 5 Min.

4. Prüfparametereinstellung

Geschwindigkeitssteuerungsverfahren wählen (A1, A2 oder B). Dehngeschwindigkeit einstellen: 0,00007 s⁻¹ bis Streckgrenze, dann 0,00025 s⁻¹.

⏱ Zeit: 2 Min.

5. Vorlastaufbringung

Kleine Vorlast aufbringen (max. 5% des erwarteten Re) zur Beseitigung von Spiel in den Einspannungen.

⏱ Zeit: 1 Min.

6. Zugbeanspruchung — elastischer Bereich

Zugbeanspruchung mit konstanter Dehngeschwindigkeit beginnen. Kraft und Verlängerung aufzeichnen. Aufgezeichnete σ-ε-Kurve beobachten.

⏱ Zeit: 2–5 Min.

7. Übergang durch Streckgrenze

Fließplateau beobachten (ReH/ReL) oder Rp0,2 aus Kurve bestimmen. Nach Streckgrenze Geschwindigkeit auf 0,00025 s⁻¹ erhöhen.

⏱ Zeit: 1–2 Min.

8. Zugbeanspruchung bis Bruch

Bis zum Probenbruch fortsetzen. Maximale Kraft (→ Rm) und Kraft beim Bruch aufzeichnen.

⏱ Zeit: 2–5 Min.

9. Bruchdehnungsmessung

Beide Probenteile zusammenfügen. Endlänge Lu messen. Berechnen: A = (Lu - L₀)/L₀ × 100%.

⏱ Zeit: 5 Min.

10. Brucheinschnürungsmessung

Querschnittsabmessungen an Bruchstelle messen. Berechnen: Z = (S₀ - Su)/S₀ × 100%.

⏱ Zeit: 3 Min.

11. Berechnungen und Bericht

Re (oder Rp0,2), Rm, A, Z berechnen. Mit Produktnormanforderungen vergleichen. Bericht mit Zugdiagramm erstellen.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Universalprüfmaschine (Zugprüfmaschine)ZwickRoell Z100/Z250, Instron 5985/8802, MTS Criterion C45150 000–600 000 PLN
Kontakt-ExtensometerZwickRoell makroXtens, Instron 2630-series, MTS 63415 000–50 000 PLN
Einspannungen und ProbenhalterKeilförmig hydraulisch oder mechanisch, an Probenquerschnitt angepasst5 000–25 000 PLN/Set
Messschieber / MikrometerMitutoyo 293-240, Genauigkeit 0,001 mm — zur Messung der Probenabmessungen200–2 000 PLN
PrüfsoftwareZwickRoell testXpert III, Instron Bluehill Universal10 000–40 000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Genormte ProbenProportionale flache oder runde Proben, spanend bearbeitet gem. PN-EN ISO 6892-1 Anhang B
Referenzmaterial (CRM)Zertifiziertes Referenzmaterial zur Maschinenverifizierung (z. B. Stahl mit bekanntem Rm)
MarkierungsmediumReißnadel oder Marker zum Aufbringen der Messlängenmarken L₀

Arbeitsschutz und Sicherheit

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