🔬 Selen im Wasser (ICP-OES)

Physikochemie PN-EN ISO 11885

Bestimmung von Selen in Trinkwasser, Oberflächenwasser und Abwasser mittels optischer Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-OES). Selen ist ein essentielles, aber in höheren Konzentrationen toxisches Element.

Übersicht

Selen (Se) ist ein Spurenelement, das in kleinen Mengen eine wichtige biologische Rolle spielt (Bestandteil von Selenocystein, antioxidative Enzyme), während es in höheren Konzentrationen stark toxisch wirkt. Die zulässige Selenkonzentration in Trinkwasser beträgt 10 µg/L gemäß der polnischen Verordnung des Gesundheitsministeriums und der EU-Richtlinie 2020/2184. Eine Überschreitung dieses Grenzwertes kann zu Selenose führen (Haarausfall, Nagelschäden, neurologische Störungen).

Die ICP-OES-Methode nach der Norm PN-EN ISO 11885 ermöglicht die multielementare Bestimmung von Selen zusammen mit 32 weiteren Elementen (As, Cd, Pb, Hg, Cr, Cu, Zn u.a.) in einem einzigen Analysezyklus. Das Argonplasma bei einer Temperatur von 6 000–10 000 K atomisiert und regt die Selenatome an, die charakteristische Strahlung emittieren. Die am häufigsten verwendete Emissionslinie von Se ist 196,026 nm.

Eine Herausforderung bei der Selenbestimmung mittels ICP-OES ist die relativ schwache Emission, weshalb für niedrige Konzentrationen (<10 µg/L) die Hydridgenerierungstechnik (HG-ICP-OES) empfohlen wird, bei der Se mit NaBH₄ zum flüchtigen SeH₂ reduziert wird, was die Empfindlichkeit um das 10- bis 100-fache erhöht.

Die Methode wird in der routinemäßigen Trinkwasserüberwachung, bei der Kontrolle industrieller Abwässer (Hüttenwesen, Energiewirtschaft, Glasindustrie) sowie bei der Untersuchung von Grundwasser in landwirtschaftlichen Gebieten (Selendünger) eingesetzt.

Prinzip der Methode

Die mit Salpetersäure angesäuerte Wasserprobe wird in der Nebuliserkammer zerstäubt und in das induktiv gekoppelte Argonplasma (27,12 MHz) eingeführt. Bei Temperaturen von 6 000–10 000 K werden die Selenatome angeregt und emittieren Strahlung bei charakteristischen Wellenlängen (196,026 nm — Hauptlinie, 203,985 nm — Alternativlinie). Die emittierte Strahlung wird durch einen Polychromator (Echelle- oder Czerny-Turner-Optik) aufgelöst und mit einem CCD/SCD-Detektor registriert. Die Selenkonzentration wird aus der Kalibrierkurve berechnet. Bei der HG-ICP-OES-Technik wird die Probe mit NaBH₄ in HCl-Medium gemischt, wobei flüchtiges SeH₂ erzeugt wird, das mit Trägergas (Ar) in das Plasma transportiert wird.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Emissionslinie Se196,026 nm (Haupt-), 203,985 nm (Alt.)
Nachweisgrenze (ICP-OES)~10–50 µg/L (konventionell)
Nachweisgrenze (HG-ICP-OES)0,5–2 µg/L
Zulässige Konzentration (Trinkwasser)10 µg/L
Präzision (VK)3–10% (konzentrationsabhängig)
Linearer Bereich1–10 000 µg/L

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 11885:2009
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie wybranych pierwiastków metodą optycznej spektrometrii emisyjnej z plazmą indukcyjnie sprzężoną (ICP-OES)
Title (EN)
Water quality — Determination of selected elements by inductively coupled plasma optical emission spectrometry (ICP-OES)

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Probenahme und Konservierung

Probe in PP/HDPE-Flasche nehmen. Mit 1 mL konz. HNO₃ pro 100 mL Probe ansäuern (pH < 2). Bei 4°C max. 14 Tage lagern.

⏱ Zeit: 5 min • 🌡 Temperatur: 4°C

2. Aufschluss (optional)

Für Proben mit Schwebstoffen: Mikrowellenaufschluss — 5 mL HNO₃ + 1 mL H₂O₂, Programm: Rampe auf 180°C/20 min, Haltezeit 15 min.

⏱ Zeit: 45 min • 🌡 Temperatur: 180°C

3. Standardvorbereitung

Kalibrierreihe Se vorbereiten: 0, 5, 10, 25, 50, 100 µg/L in 1% HNO₃. Bei Bedarf internen Standard (Y, Sc) zugeben.

⏱ Zeit: 20 min

4. ICP-OES-Start

Argonplasma zünden. System stabilisieren (15–30 min). Plasmaleistung an Kontrolllösung Mn 257,610 nm überprüfen.

⏱ Zeit: 30 min

5. Gerätekalibrierung

Kalibrierstandards messen. Linearität prüfen (R² > 0,999). Empfindlichkeit verifizieren — Steigung der Kurve sollte der Spezifikation entsprechen.

⏱ Zeit: 30 min

6. Probenmessung

Proben in Sequenz messen: Blindprobe → Kontrollstandard → Proben (max 10) → Blindprobe → Kontrollstandard. Se-Linie 196,026 nm beobachten.

⏱ Zeit: 3–5 min/Probe

7. HG-Technik (für niedrige Konzentrationen)

HG-Modul anschließen. Probe in 5 M HCl online mit 0,5% NaBH₄ mischen. Flüchtiges SeH₂ mit Argon in das Plasma transportieren. LOD ~0,5 µg/L.

⏱ Zeit: 5 min/Probe

8. Qualitätskontrolle

CRM analysieren (z.B. SPS-WW2), Spike (Wiederfindung 90–110%), Duplikat alle 10 Proben. Blindprobe < 3× LOD.

⏱ Zeit: 15 min

9. Berechnung und Berichterstattung

Konzentrationen aus Kalibrierkurve ablesen. Verdünnung und Probenvolumen berücksichtigen. Ergebnis in µg/L mit erweiterter Messunsicherheit (k=2).

⏱ Zeit: 10 min

10. Abschaltung und Wartung

System mit 1% HNO₃ spülen (5 min), dann mit Wasser (5 min). Plasma ausschalten. Verschleiß von Brenner und Nebuliser prüfen.

⏱ Zeit: 15 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
ICP-OES-SpektrometerThermo iCAP 7400, Agilent 5800 VDV, PerkinElmer Avio 220 Max, Spectro Arcos II350 000–700 000 PLN
Hydridgenerierungssystem (HG)PerkinElmer FIAS 400, Thermo VP100 CHGS40 000–80 000 PLN
AutosamplerThermo ASX-560, Agilent SPS 4, CETAC ASX-52025 000–60 000 PLN
Probenvorbereitung (Mikrowellenaufschluss)Anton Paar Multiwave 5000, CEM Mars 6, Milestone Ethos UP150 000–300 000 PLN
Argonflasche 5.0Argon 99,999%, 50-L-Flasche, Verbrauch ~15 L/min400–800 PLN/Flasche
PP/PTFE-AufschlussgefäßePTFE-Gefäße für Mikrowellenaufschluss500–2 000 PLN/Stk.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Selen-Standardlösung (Se)7782-49-2Zertifiziertes CRM 1 000 mg/L Se in 2% HNO₃, z.B. Merck CertiPUR
Salpetersäure (HNO₃) 65% suprapur7697-37-2Spurenanalysenqualität, zum Ansäuern der Proben und Herstellen der Standards
Salzsäure (HCl) 30% suprapur7647-01-0Für HG-Technik — Reaktionsmedium mit NaBH₄
Natriumborhydrid (NaBH₄)16940-66-2Reduktionsmittel in HG-Technik, 0,5%-Lösung in 0,5% NaOH
Natriumhydroxid (NaOH)1310-73-2Stabilisator der NaBH₄-Lösung
Argon 5.07440-37-1Plasma- und Trägergas, Reinheit 99,999%
Ultrareines WasserWiderstand >18,2 MΩ·cm (Milli-Q), für Verdünnungen und Blindproben

Arbeitsschutz und Sicherheit

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