🔩 Biegeprüfung von Schweißverbindungen — Querbiegung mit Decklage im Zug, mit Wurzel im Zug und Seitenbiegung
Kurz gefasst
Eine aus der Verbindung herausgetrennte Probe wird durch Biegen ohne Richtungsumkehr plastisch verformt, so dass eine der Oberflächen oder einer der Querschnitte der Verbindung auf Zug beansprucht wird; dies macht Unregelmäßigkeiten an oder nahe der Oberfläche sichtbar und erlaubt die Beurteilung der Verformungsfähigkeit. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 5173:2023-06; Prüfarten: Querbiegung mit Decklage im Zug, mit Wurzel im Zug und Seitenbiegung; bei Auftragschweißungen auch Prüfungen mit der Auftragschicht im Zug. Das Verfahren umfasst 8 Schritte; eingesetzt wird sie unter anderem für: Qualifizierung von Schweißverfahren und Schweißerprüfung (Prüfung von Prüfstücken), Beurteilung der Verformungsfähigkeit der Verbindung und Sichtbarmachen von Oberflächenunregelmäßigkeiten: Risse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung, Prüfung von Stumpfnähten, Nähten in plattierten Blechen und Auftragschweißungen.
Auf einen Blick
- Norm: PN-EN ISO 5173:2023-06
- Kategorie: Werkstoffe und ZfP
- Verfahrensschritte: 8
- Prüfarten: Querbiegung mit Decklage im Zug, mit Wurzel im Zug und Seitenbiegung; bei Auftragschweißungen auch Prüfungen mit der Auftragschicht im Zug
- Probenkurzzeichen: TFBB — Querbiegeprobe mit Decklage im Zug für eine Stumpfnaht; Biegeprobe mit Wurzel im Zug — Wurzel auf Zug
- Probenmaße: b — Breite, Lt — Gesamtlänge, ts — Probendicke, r — Kantenradius, t — Werkstoffdicke
Übersicht
Die Norm legt ein Verfahren zur Durchführung von Querbiegeprüfungen mit der Wurzel im Zug, mit der Decklage im Zug sowie von Seitenbiegeprüfungen an Proben fest, die aus Stumpfnähten, Stumpfnähten mit Plattierung (Nähte in plattierten Blechen und Auftragschweißungen) sowie aus Auftragschweißungen ohne Stumpfnaht entnommen werden — um Unregelmäßigkeiten an oder nahe der Oberfläche der Probe sichtbar zu machen, die beim Biegen auf Zug beansprucht wird, und um die Verformungsfähigkeit zu beurteilen. Die Norm gibt außerdem die Probenmaße an.
Zusätzlich legt sie Verfahren fest, die anstelle von Querbiegeprüfungen mit Biegedorn für Schweißverbindungen anzuwenden sind, bei denen sich Grundwerkstoffe, Wärmeeinflusszonen oder Schweißgut hinsichtlich ihrer physikalischen und mechanischen Eigenschaften beim Biegen erheblich unterscheiden. Die Norm gilt für metallische Werkstoffe in allen Erzeugnisformen mit Verbindungen, die nach beliebigen Schweißprozessen hergestellt wurden. Die dritte Ausgabe ISO 5173:2023 hat die Ausgabe von 2009 ersetzt.
Die Probenarten haben eigene Kurzzeichen, u. a. TFBB — Querbiegeprobe mit Decklage im Zug für eine Stumpfnaht (Decklage auf Zug) und die Biegeprobe mit Wurzel im Zug (Wurzel auf Zug). Die Maße werden durch Symbole beschrieben: b — Probenbreite, Lt — Gesamtlänge der Probe, ts — Probendicke, t — Werkstoffdicke, d — Durchmesser des Biegedorns oder der inneren Rolle, l — Abstand zwischen den Rollen, R — Rollenradius, α — Biegewinkel. Die Biegeprüfung gehört zum Standardumfang der Prüfungen an Prüfstücken: In der Präsentation der Technischen Universität Lublin sind für eine Stumpfnaht 4 Querbiegeproben vorgesehen.
Prinzip der Methode
Eine quer oder längs aus einer Schweißverbindung entnommene Probe wird durch Biegen ohne Umkehr der Biegerichtung plastisch so verformt, dass eine der Oberflächen oder einer der Querschnitte der Verbindung auf Zug beansprucht wird. Die Temperatur, bei der die Prüfung durchgeführt wird, wird im Prüfbericht angegeben; die Prüfgeschwindigkeit sollte konstant sein und — sofern bekannt — ebenfalls angegeben werden. Die Prüfung erfolgt nach einem der in Abschnitt 7 der Norm beschriebenen Verfahren (u. a. Biegen mit Biegedorn sowie alternative Verfahren für Verbindungen mit großem Unterschied der Eigenschaften der Zonen). Die Proben werden so vorbereitet, dass die Vorbereitung weder den Grundwerkstoff noch das Schweißgut beeinflusst.
Anwendungen
- Qualifizierung von Schweißverfahren und Schweißerprüfung (Prüfung von Prüfstücken)
- Beurteilung der Verformungsfähigkeit der Verbindung und Sichtbarmachen von Oberflächenunregelmäßigkeiten: Risse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung
- Prüfung von Stumpfnähten, Nähten in plattierten Blechen und Auftragschweißungen
- Abnahmeprüfung geschweißter Konstruktionen und Rohrleitungen
- Beurteilung von Verbindungen aus Werkstoffen mit unterschiedlichen Eigenschaften der Zonen (alternative Verfahren zum Biegen mit Biegedorn)
Schlüsselparameter
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Prüfarten | Querbiegung mit Decklage im Zug, mit Wurzel im Zug und Seitenbiegung; bei Auftragschweißungen auch Prüfungen mit der Auftragschicht im Zug |
| Probenkurzzeichen | TFBB — Querbiegeprobe mit Decklage im Zug für eine Stumpfnaht; Biegeprobe mit Wurzel im Zug — Wurzel auf Zug |
| Probenmaße | b — Breite, Lt — Gesamtlänge, ts — Probendicke, r — Kantenradius, t — Werkstoffdicke |
| Biegeparameter | d — Durchmesser des Biegedorns oder der inneren Rolle, l — Abstand zwischen den Rollen, R — Rollenradius, α — Biegewinkel |
| Prüfbedingungen | Biegen ohne Richtungsumkehr; Prüftemperatur wird angegeben, Geschwindigkeit konstant und angegeben, sofern bekannt |
| Anzahl der Proben (Beispiel) | Für eine Stumpfnaht bei Prüfungen an Prüfstücken — 4 Querbiegeproben (Unterlagen der Technischen Universität Lublin) |
Norm
- Normnummer
- PN-EN ISO 5173:2023-06
- Titel (PL)
- Badania niszczące spoin w materiałach metalowych — Badanie na zginanie
- Title (EN)
- Destructive tests on welds in metallic materials — Bend tests
Schritt-für-Schritt-Verfahren
-
Probenentnahme
Proben quer oder längs aus einer Stumpfnaht, einer Verbindung mit Plattierung oder aus einer Auftragschweißung entnehmen; die Probenart (Decklage, Wurzel, Seite) nach Prüfzweck und Werkstoffdicke wählen.
-
Probenvorbereitung
Die Proben so vorbereiten, dass die Vorbereitung weder den Grundwerkstoff noch das Schweißgut beeinflusst; Maße und Kantenradien gemäß den Bildern und Tabellen der Norm einhalten.
-
Wahl des Verfahrens
Das Prüfverfahren unter den in Abschnitt 7 der Norm beschriebenen wählen — Biegen mit Biegedorn oder ein alternatives Verfahren, wenn sich Grundwerkstoffe, WEZ oder Schweißgut in ihren Biegeeigenschaften erheblich unterscheiden.
-
Einrichten der Vorrichtung
Durchmesser des Biegedorns oder der inneren Rolle d, Rollenabstand l und Rollenradius R gemäß den Anforderungen für den geprüften Werkstoff und die Dicke wählen.
-
Biegen
Die Probe ohne Umkehr der Biegerichtung biegen, bis eine der Oberflächen oder einer der Querschnitte der Verbindung auf den geforderten Winkel α gedehnt ist; die Prüfgeschwindigkeit konstant halten.
-
Aufzeichnung der Bedingungen
Die Prüftemperatur und — sofern bekannt — die Prüfgeschwindigkeit aufzeichnen (Anforderung von Abschnitt 9 der Norm).
-
Beurteilung
Die auf Zug beanspruchte Oberfläche der Probe besichtigen und sichtbar gewordene Unregelmäßigkeiten (Risse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung) mit Lage und Größe festhalten.
-
Prüfbericht
Identifikation der Verbindung und der Proben, Prüfart, Biegeparameter (d, l, R, α), Prüftemperatur und -geschwindigkeit sowie das Ergebnis der Beurteilung angeben.
Erforderliche Geräte und Apparatur
| Gerät | Beispiel | Richtpreis |
|---|---|---|
| Prüfmaschine oder Biegepresse | Ermöglicht Biegen mit konstanter Geschwindigkeit und Messung des Biegewinkels | — |
| Vorrichtung mit Biegedorn und Rollen | Biegedorn (oder innere Rolle) mit Durchmesser d, Rollen mit Radius R, Abstand l | — |
| Trennmaschine und Fräsmaschine | Zum Heraustrennen und Bearbeiten der Proben ohne Beeinflussung von Grundwerkstoff und Schweißgut | — |
| Messmittel | Zur Prüfung von Breite, Dicke und Kantenradius der Probe sowie des Biegewinkels | — |
| Lupe zur Oberflächenbeurteilung | Zur Besichtigung der auf Zug beanspruchten Oberfläche nach dem Biegen | — |
Arbeitsschutz und Sicherheit
- Hohe Biegekräfte und möglicher Bruch der Probe — Schutzabdeckung des Arbeitsbereichs, Schutzbrille
- Herausschleudern von Bruchstücken bei spröden Verbindungen — nicht in der Biegeachse stehen
- Scharfe Kanten der Proben nach dem Trennen — Handschuhe, Kanten gemäß der Anforderung an den Radius r abrunden
- Trennen und Fräsen der Proben — Schutzeinrichtungen, Kühlung, Späneabsaugung
Häufige Fragen
Welche Norm beschreibt diese Prüfung?
Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 5173:2023-06 — „Destructive tests on welds in metallic materials — Bend tests“.
Wie funktioniert diese Methode?
Eine quer oder längs aus einer Schweißverbindung entnommene Probe wird durch Biegen ohne Umkehr der Biegerichtung plastisch so verformt, dass eine der Oberflächen oder einer der Querschnitte der Verbindung auf Zug beansprucht wird. Die Temperatur, bei der die Prüfung durchgeführt wird, wird im Prüfbericht angegeben; die Prüfgeschwindigkeit sollte konstant sein und — sofern bekannt — ebenfalls angegeben werden.
Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?
Prüfarten: Querbiegung mit Decklage im Zug, mit Wurzel im Zug und Seitenbiegung; bei Auftragschweißungen auch Prüfungen mit der Auftragschicht im Zug; Probenkurzzeichen: TFBB — Querbiegeprobe mit Decklage im Zug für eine Stumpfnaht; Biegeprobe mit Wurzel im Zug — Wurzel auf Zug; Probenmaße: b — Breite, Lt — Gesamtlänge, ts — Probendicke, r — Kantenradius, t — Werkstoffdicke; Biegeparameter: d — Durchmesser des Biegedorns oder der inneren Rolle, l — Abstand zwischen den Rollen, R — Rollenradius, α — Biegewinkel.
Wie lange dauert die Prüfung?
Das Verfahren umfasst 8 Schritte. Die Norm gibt nicht für jeden Schritt eine Dauer an — maßgeblich ist das Verfahren des Labors.
Welche Geräte werden benötigt?
Prüfmaschine oder Biegepresse, Vorrichtung mit Biegedorn und Rollen, Trennmaschine und Fräsmaschine, Messmittel, Lupe zur Oberflächenbeurteilung.
Wo wird diese Prüfung eingesetzt?
Qualifizierung von Schweißverfahren und Schweißerprüfung (Prüfung von Prüfstücken); Beurteilung der Verformungsfähigkeit der Verbindung und Sichtbarmachen von Oberflächenunregelmäßigkeiten: Risse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung; Prüfung von Stumpfnähten, Nähten in plattierten Blechen und Auftragschweißungen; Abnahmeprüfung geschweißter Konstruktionen und Rohrleitungen; Beurteilung von Verbindungen aus Werkstoffen mit unterschiedlichen Eigenschaften der Zonen (alternative Verfahren zum Biegen mit Biegedorn).
Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?
Hohe Biegekräfte und möglicher Bruch der Probe — Schutzabdeckung des Arbeitsbereichs, Schutzbrille; Herausschleudern von Bruchstücken bei spröden Verbindungen — nicht in der Biegeachse stehen; Scharfe Kanten der Proben nach dem Trennen — Handschuhe, Kanten gemäß der Anforderung an den Radius r abrunden; Trennen und Fräsen der Proben — Schutzeinrichtungen, Kühlung, Späneabsaugung.
Welches Labor führt diese Prüfung durch?
Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 5173.