⛽ Benzindampfdruck (DVPE/RVP)
Bestimmung des Benzindampfdrucks nach Reid-Methode (RVP) oder automatischer DVPE-Methode. Kritischer Parameter der Kraftstoffflüchtigkeit und Sicherheit.
Übersicht
Der Dampfdruck ist einer der wichtigsten Qualitätsparameter von Ottokraftstoff und definiert die Neigung des Kraftstoffs zur Verdampfung bei einer bestimmten Temperatur. Dieser Wert hat direkten Einfluss auf Motorstart (besonders Kaltstart), Bildung von Dampfblasen im Kraftstoffsystem, Emission von Kohlenwasserstoffdämpfen in die Atmosphäre sowie Kraftstoffstabilität während Transport und Lagerung.
Die Reid-Methode (RVP — Reid Vapor Pressure) ist das klassische Verfahren zur Dampfdruckmessung bei 37,8°C (100°F) bei einem Luft-zu-Flüssigkeit-Volumenverhältnis von 4:1. Die Norm PN-EN ISO 3007 beschreibt die manuelle Methode mit einer sogenannten Reid-Bombe — einem metallischen Druckbehälter mit Manometer. Das Ergebnis wird in kPa ausgedrückt.
Gegenwärtig wird zunehmend die automatische DVPE-Methode (Dry Vapor Pressure Equivalent) nach ASTM D5191 / EN 13016-1 eingesetzt, die ein kleines Probenvolumen (ca. 1-10 mL) und automatische Druckmessung in einer Messkammer verwendet. Geräte von Grabner Instruments (MiniVap) sind Referenzgeräte, die u.a. von der US EPA anerkannt sind.
Saisonale Anforderungen für Benzin in Polen nach PN-EN 228: Klasse A (Sommer) max. 60 kPa, Klasse E (Winter) 60–90 kPa. Angemessener Dampfdruck gewährleistet ordnungsgemäßen Motorstart bei niedrigen Temperaturen und begrenzt gleichzeitig Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC).
Prinzip der Methode
Reid-Methode: Eine Benzinprobe bei 0–4°C wird in die Flüssigkeitskammer der Reid-Bombe eingeführt und dann mit der auf 37,8°C erwärmten Luftkammer verbunden. Das Verhältnis Luftkammer- zu Flüssigkeitskammervolumen beträgt 4:1. Die gesamte Anordnung wird in ein Wasserbad bei 37,8°C getaucht und periodisch geschüttelt, bis konstanter Druck erreicht ist. Die Manometeranzeige nach Korrektur ergibt den RVP-Wert.
DVPE-Methode (automatisch): Die Kraftstoffprobe wird in die Messkammer des Geräts mit bekanntem Volumen und Temperatur eingeführt. Das Gerät stellt automatisch Flüssig-Dampf-Gleichgewicht bei 37,8°C her und misst den Gesamtdruck. Der DVPE-Wert wird aus dem Gesamtdruck abzüglich Wasserdampfdruck berechnet, was ein der Reid-Methode äquivalentes Ergebnis ergibt.
Anwendungen
- Qualitätskontrolle von Ottokraftstoff nach PN-EN 228 (Saisonklassen A–E)
- Überwachung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) von Tankstellen
- Bewertung der Kraftstoff-Starteigenschaften bei Winterbedingungen
- Qualitätskontrolle in Raffinerien — Optimierung der Benzinmischung
- Prüfung der Kraftstoffstabilität während Transport und Lagerung
- Bestimmung des Rohöldampfdrucks (ISO 3007, ASTM D323)
- Qualitätskontrolle alternativer Kraftstoffe mit Bioethanol-Zusatz (E5, E10, E85)
- Umweltüberwachung — EPA- und EU-Vorschriften bezüglich VOC
Schlüsselparameter
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Messtemperatur | 37,8°C (100°F) |
| V/L-Verhältnis (Reid-Methode) | 4:1 |
| PN-EN 228 Grenzwerte (Sommer) | max. 60 kPa (Klasse A) |
| PN-EN 228 Grenzwerte (Winter) | 60–90 kPa (Klasse E) |
| Wiederholbarkeit (DVPE) | 0,7 kPa |
| Reproduzierbarkeit (DVPE) | 1,2 kPa |
Norm
- Normnummer
- PN-EN ISO 3007:1999
- Titel (PL)
- Przetwory naftowe i ropa naftowa — Oznaczanie preznosci par — Metoda Reida
- Title (EN)
- Petroleum products and crude petroleum — Determination of vapour pressure — Reid method
Schritt-für-Schritt-Verfahren
1. Gerätevorbereitung (DVPE-Methode)
MiniVap / anderen automatischen Tester einschalten. Selbstkalibrierungstest durchführen. Messkammertemperatur prüfen (37,8°C).
2. Probenkühlung
Benzinprobe im Kühlschrank auf 0–4°C kühlen (min. 30 min). Niedrige Temperatur bis zur Dosierung beibehalten.
3. Geräteverifizierung
Referenzprobe mit bekanntem DVPE-Wert messen. Ergebnis sollte im zertifizierten Wert ± Unsicherheit liegen.
4. Probendosierung
Gekühlte Probe schnell in Geräte-Messkammer mittels Spritze oder Dosiersystem einführen (ca. 1–10 mL, je nach Modell).
5. Automatische Messung
Gerät thermostatisiert Probe automatisch auf 37,8°C, stellt Flüssig-Dampf-Gleichgewicht her und misst Druck. DVPE-Ergebnis nach Zyklusabschluss angezeigt.
6. Reid-Methode — Bombenfüllung
Flüssigkeitskammer mit gekühlter Probe füllen. Mit auf 37,8°C erwärmter Luftkammer verbinden. Luftvolumen / Flüssigkeitsvolumen-Verhältnis = 4:1.
7. Reid-Methode — Thermostatisierung
Bombe in 37,8°C Bad tauchen. Alle 2 min schütteln. Fortsetzen bis konstante Druckanzeige erreicht ist (ca. 30–60 min).
8. Ergebnisablesung
Druck vom Manometer (Reid-Methode) oder vom Gerätedisplay (DVPE) ablesen. Ergebnis in kPa aufzeichnen.
9. Gerätereinigung
Nach jeder Messung Messkammer mit Heptan oder Aceton spülen. Bei Reid-Methode Bombe zerlegen und mit Heptan waschen.
10. Qualitätskontrolle und Berichterstattung
Ergebnis mit PN-EN 228 Anforderungen (entsprechende Saisonklasse) vergleichen. Informationen über Datum und Probensaisonklasse beifügen.
Erforderliche Geräte und Apparatur
| Gerät | Beispiel | Richtpreis |
|---|---|---|
| Automatischer Dampfdrucktester | Grabner MiniVap VPXpert, Grabner MiniVap VP Vision | 60.000–120.000 PLN |
| Reid-Bombe (manuelle Methode) | Koehler K11500, Normalab NRA 440 (Vollstahlkammer) | 8.000–20.000 PLN |
| Thermostatisches Wasserbad | Julabo CORIO CD-300F, Huber CC-304B (37,8 ± 0,1°C) | 6.000–15.000 PLN |
| Referenzthermometer | Flüssigkeitsthermometer oder zertifiziertes Pt100-Thermometer, 0–50°C | 300–1.500 PLN |
| Kühlschrank / Gefrierschrank für Probenkühlung | Probe auf 0–4°C kühlen vor Test | 2.000–5.000 PLN |
| Manometer (Reid-Methode) | Rohrfedermanometer 0–300 kPa, Genauigkeitsklasse 0,6 | 500–2.000 PLN |
Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien
| Reagenz | CAS | Details |
|---|---|---|
| Referenzbenzin (CRM) | — | Referenzkraftstoff mit zertifiziertem RVP/DVPE-Wert zur Geräteverifizierung |
| Destilliertes Wasser | 7732-18-5 | Zum Füllen des thermostatischen Bades |
| Aceton | 67-64-1 | Zum Reinigen der Messkammer, Reinheit min. 99% |
| n-Heptan | 142-82-5 | Lösungsmittel zum Spülen von Geräteelementen |
Arbeitsschutz und Sicherheit
- Benzin — extrem entzündlich (H224), Dämpfe bilden explosive Gemische mit Luft
- Benzindämpfe — giftig, ausschließlich unter Abzug oder in gut belüftetem Raum arbeiten
- Reid-Bombe — Innendruck, Explosionsgefahr bei Beschädigung, regelmäßige Inspektionen
- Probenkühlung — Erfrierungsgefahr bei längerem Kontakt mit gefrorener Probe
- Aceton und Heptan — leicht entzündlich, Zündquellen vermeiden
- Handschuhe, Schutzbrille, Schutzkittel verwenden; in EX-Zone arbeiten