🧫 Gesamtkeimzahl bei 36°C

Mikrobiologie PN-EN ISO 6222

Kurz gefasst

Bestimmung der Gesamtkoloniezahl von Mikroorganismen, die bei 36±2°C nach 44±4 h wachsen, mittels Gussplattenverfahren in Hefeextrakt-Agar. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 6222:2004; Ergebnis: KBE/1 mL (koloniebildende Einheiten). Das Verfahren umfasst 10 Schritte (insgesamt rund 5 Std. 20 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Kontrolle der Trinkwasserqualität (Indikatorparameter gem. Gesundheitsministerium-Verordnung), Bewertung des hygienischen Risikos — Nachweis mesophiler Bakterien, Überwachung der Wirksamkeit der Wasserdesinfektion (Chlorierung, UV).

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN ISO 6222:2004
  • Kategorie: Mikrobiologie
  • Verfahrensschritte: 10
  • Gesamtdauer der Schritte: 5 Std. 20 Min.
  • Ergebnis: KBE/1 mL (koloniebildende Einheiten)
  • Kriterium (Trinkwasser): Keine abnormalen Veränderungen (praktisch: <20 KBE/mL)
  • Inkubationstemperatur: 36 ± 2°C

Übersicht

Die Gesamtkeimzahl bei 36°C (HPC 36 — Heterotrophic Plate Count bei 36°C) ist ein ergänzender Parameter zur Bestimmung bei 22°C und liefert andere diagnostische Informationen. Mikroorganismen, die bei einer Temperatur von 36±2°C (nahe der Körpertemperatur) wachsen, sind Organismen, die potenziell menschlichen oder tierischen Ursprungs sind und sich besser an die Bedingungen warmblütiger Wirte anpassen. Ihr Vorhandensein im Trinkwasser hat eine größere hygienische Bedeutung als Mikroorganismen bei 22°C.

Eine erhöhte Koloniezahl bei 36°C im Vergleich zu 22°C kann auf frische Kontamination des Wassers mit biologischem Material menschlichen oder tierischen Ursprungs, unwirksame Desinfektion oder Kontamination des Wasserversorgungsnetzes hindeuten. Das Ergebnis wird zusammen mit der Bestimmung bei 22°C interpretiert — das Verhältnis HPC 36°C / HPC 22°C liefert wertvolle Informationen über die Art der Kontamination.

Das Analyseverfahren ist identisch mit der Bestimmung bei 22°C — Gussplattenverfahren auf YEA-Agar — mit dem Unterschied, dass die Inkubation bei einer Temperatur von 36±2°C für 44±4 Stunden (ca. 2 Tage) durchgeführt wird. Die kürzere Inkubationszeit ergibt sich aus dem schnelleren Wachstum mesophiler Bakterien bei ihrer optimalen Temperatur.

Der Parameter ist bei der Trinkwasseruntersuchung gemäß Gesundheitsministerium-Verordnung obligatorisch. Normwert: „keine abnormalen Veränderungen". In der Laborpraxis Referenzwert: <20 KBE/mL in aufbereitetem Wasser, bis zu 100 KBE/mL im Netz.

Prinzip der Methode

Identisches Prinzip wie bei der Bestimmung bei 22°C (Gussplatte): 1 mL Wasserprobe wird in eine sterile Petrischale gemessen, mit 15–20 mL geschmolzenem und auf 44–47°C abgekühltem Hefeextrakt-Agar (YEA) übergossen. Nach Erstarren wird bei 36±2°C für 44±4 h inkubiert. Die Temperatur von 36°C liegt nahe der menschlichen Körpertemperatur, was das Wachstum mesophiler Bakterien — potenziell pathogener oder indikativer — begünstigt. Kolonien werden auf der Oberfläche und innerhalb des Agars gezählt.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
ErgebnisKBE/1 mL (koloniebildende Einheiten)
Kriterium (Trinkwasser)Keine abnormalen Veränderungen (praktisch: <20 KBE/mL)
Inkubationstemperatur36 ± 2°C
Inkubationszeit44 ± 4 Stunden (ca. 2 Tage)
Probenvolumen1 mL (Gussplatte)
MediumHefeextrakt-Agar (YEA)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 6222:2004
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie ilościowe mikroorganizmów zdolnych do wzrostu — Oznaczanie ogólnej liczby kolonii metodą posiewu w agarze odżywczym
Title (EN)
Water quality — Enumeration of culturable micro-organisms — Colony count by inoculation in a nutrient agar culture medium

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. YEA-Medium-Herstellung

    YEA-Agar gemäß Herstelleranleitung lösen. Im Autoklav bei 121°C/15 min sterilisieren. Im Wasserbad bei 44–47°C halten (max. 4 Stunden).

    ⏱ Zeit: 30 min • 🌡 Temperatur: 121°C

  2. Probenvorbereitung

    Probe vorsichtig mischen (25 Umkehrungen der Flasche). Chlor bei Vorhandensein mit Natriumthiosulfat neutralisieren.

    ⏱ Zeit: 5 min

  3. Gussplattenausstrich

    1 mL Probe mit Pipette in sterile Petrischale messen (Doppelbestimmung). Bei Proben mit vermuteter hoher Kontamination: Verdünnungen 10⁻¹, 10⁻² herstellen.

    ⏱ Zeit: 3 min

  4. Übergießen mit YEA-Agar

    Sofort mit 15–20 mL geschmolzenem YEA (44–47°C) übergießen. Durch vorsichtige Drehbewegung mischen (Achterfigur). Keine Blasen erzeugen.

    ⏱ Zeit: 2 min • 🌡 Temperatur: 44–47°C

  5. Erstarrung

    Schalen auf ebener Fläche bis zum Erstarren stehen lassen (15–20 min). Schalen vor dem Erstarren nicht bewegen.

    ⏱ Zeit: 20 min

  6. Inkubation 36°C

    Umgedrehte Schalen im Brutschrank bei 36±2°C aufstellen. 44±4 Stunden inkubieren (ca. 2 Tage).

    ⏱ Zeit: 44 ± 4 h • 🌡 Temperatur: 36 ± 2°C

  7. Ergebnisablesung

    Alle Kolonien (Oberflächen- und Tiefenkolonien) mit Lupe oder automatischem Zähler zählen. Optimaler Bereich: 15–300 Kolonien pro Schale.

    ⏱ Zeit: 10 min

  8. Ergebnisberechnung

    Ergebnis = Mittelwert aus Doppelbestimmungen × Verdünnungsfaktor. Angabe in KBE/1 mL. Auf 2 signifikante Stellen runden. Z. B. 127 → 130 KBE/mL.

  9. Diagnostische Interpretation

    Ergebnis mit HPC bei 22°C vergleichen. Verhältnis HPC 36°C / HPC 22°C > 1 deutet auf frische Kontamination von außen hin. HPC 36°C / HPC 22°C < 1 — typisch für Vermehrung der natürlichen Wasserflora.

  10. Qualitätskontrolle und Entsorgung

    Negativkontrolle: Schale nur mit Agar. Temperaturkontrolle: Registriergerät im Brutschrank. Schalen nach Ablesung autoklavieren 121°C/30 min.

    ⏱ Zeit: 10 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Brutschrank 36°CBinder BD 56, Memmert IN30, Pol-Eko CLN 325 000–15 000 PLN
Wasserbad 44–47°CMemmert WNB 7, Julabo TW23 000–8 000 PLN
AutoklavTuttnauer ELV 2540, Systec VX-4020 000–45 000 PLN
Automatische Pipetten 1 mLEppendorf Research Plus 100–1000 µL, Gilson Pipetman L800–2 500 PLN/Stk.
Sterile Petrischalen 90 mmPolystyrol, Einweg, steril. Citotest, Gosselin150–300 PLN/Packung (500 Stk.)
Lupe / KolonienzählerStuart SC6+, Interscience Scan 5001 500–25 000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Hefeextrakt-Agar (YEA)Yeast Extract Agar: Pepton 5 g/L, Hefeextrakt 2,5 g/L, Glucose 1 g/L, Agar 9–18 g/L. Hersteller: Merck, Oxoid, Biokar
Natriumthiosulfat (Na₂S₂O₃)7772-98-7Zur Neutralisierung von Chlor in Leitungswasserproben, 1,8 %-Tabletten
Gepuffertes PeptonwasserZur Verdünnung von Proben, sterile 9-mL-Röhrchen, 0,1 % Pepton + 0,85 % NaCl

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 6222:2004 — „Water quality — Enumeration of culturable micro-organisms — Colony count by inoculation in a nutrient agar culture medium“.

Wie funktioniert diese Methode?

Identisches Prinzip wie bei der Bestimmung bei 22°C (Gussplatte): 1 mL Wasserprobe wird in eine sterile Petrischale gemessen, mit 15–20 mL geschmolzenem und auf 44–47°C abgekühltem Hefeextrakt-Agar (YEA) übergossen. Nach Erstarren wird bei 36±2°C für 44±4 h inkubiert.

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Ergebnis: KBE/1 mL (koloniebildende Einheiten); Kriterium (Trinkwasser): Keine abnormalen Veränderungen (praktisch: <20 KBE/mL); Inkubationstemperatur: 36 ± 2°C; Inkubationszeit: 44 ± 4 Stunden (ca. 2 Tage).

Wie lange dauert die Prüfung?

Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 5 Std. 20 Min. Das Verfahren umfasst 10 Schritte.

Welche Geräte werden benötigt?

Brutschrank 36°C, Wasserbad 44–47°C, Autoklav, Automatische Pipetten 1 mL, Sterile Petrischalen 90 mm, Lupe / Kolonienzähler. Richtpreis für das Kerngerät (Brutschrank 36°C): 5 000–15 000 PLN.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Kontrolle der Trinkwasserqualität (Indikatorparameter gem. Gesundheitsministerium-Verordnung); Bewertung des hygienischen Risikos — Nachweis mesophiler Bakterien; Überwachung der Wirksamkeit der Wasserdesinfektion (Chlorierung, UV); Kontrolle von Flaschenwasser — Veränderungen während der Lagerung; Untersuchung von Wasser in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen; Überwachung von Schwimmbadwasser; Vergleich mit dem Verhältnis HPC 36°C / HPC 22°C — Diagnostik der Kontaminationsquelle.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Wasserproben können mesophile Krankheitserreger enthalten — Nitrilhandschuhe, Laborkittel, Schutzbrille; Geschmolzener Agar (44–47°C) — Verbrennungsgefahr beim Gießen der Schalen; Mesophile Kolonien können opportunistische Krankheitserreger enthalten — vor Entsorgung autoklavieren; Vorsicht bei der Arbeit mit Bunsenbrenner — offene Flamme im Labor.

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 6222.

🔍 Labor finden, das diese Prüfung durchführt