🧲 Magnetpulverprüfung (MT)

Bauwesen PN-EN ISO 9934-1

Kurz gefasst

Nachweis von Oberflächen- und oberflächennahen Ungänzen in ferromagnetischen Werkstoffen (Stähle, Gusseisen) mittels Magnetpulver im äußeren Magnetfeld. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 9934-1:2016-12; Werkstoffe: Ausschließlich ferromagnetisch (Kohlenstoffstähle, niedriglegierte Stähle, Gusseisen). Das Verfahren umfasst 10 Schritte (insgesamt rund 43 Min.–1 Std. 18 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Kontrolle von Schweißverbindungen aus Kohlenstoff- und niedriglegierten Stählen (EN ISO 17638), Prüfung von Schmiedestücken und geschmiedeten Bauteilen (Kurbelwellen, Zahnräder), Kontrolle von Stahl- und Gusseisengussteilen.

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN ISO 9934-1:2016-12
  • Kategorie: Bauwesen
  • Verfahrensschritte: 10
  • Gesamtdauer der Schritte: 43 Min.–1 Std. 18 Min.
  • Werkstoffe: Ausschließlich ferromagnetisch (Kohlenstoffstähle, niedriglegierte Stähle, Gusseisen)
  • Nachweistiefe: Oberflächen- + oberflächennah (bis ~3 mm bei DC)
  • Feldstärke: 2–6 kA/m (Stähle, nach ISO 9934-1)

Übersicht

Die Magnetpulverprüfung (MT — Magnetic Particle Testing) ist eine Methode der zerstörungsfreien Prüfung, die den Nachweis von Oberflächen- und oberflächennahen Ungänzen (bis zu einer Tiefe von ~3 mm) in ferromagnetischen Werkstoffen ermöglicht. Die Norm PN-EN ISO 9934-1 legt die allgemeinen Grundsätze der Methode, Magnetisierungstechniken, Prüfmittel und die Ergebnisbewertung fest.

Das Funktionsprinzip basiert auf der Verzerrung der Magnetfeldlinien durch eine Ungänze — an der Fehlstelle entsteht ein Streufeld, das feine Magnetpartikel (Eisenpulver) anzieht, die auf die Oberfläche aufgetragen werden. Die Partikelanhäufung bildet eine sichtbare Anzeige, die Lage und Form der Ungänze wiedergibt.

Die Methode ist ausschließlich für ferromagnetische Werkstoffe (Kohlenstoffstähle, niedrig legierte Stähle, Gusseisen) geeignet — sie ist nicht anwendbar auf austenitische Stähle, Aluminium, Kupfer oder nichtmetallische Werkstoffe. Für diese Werkstoffe wird die Eindringprüfung (PT) eingesetzt.

Die Magnetisierung erfolgt mit Elektromagneten (Joche), Spulen, Stromdurchflutung (Kontaktmethode) oder Induktionsstrom. Es werden trockenes Pulver (schwarz oder fluoreszierend) oder Magnetpulversuspension (in Wasser oder Öl) verwendet. Die höchste Empfindlichkeit bietet die Kombination: Wechselstrom AC + fluoreszierendes Pulver + UV-A-Betrachtung.

Das ZfP-Personal muss über Qualifikationen nach PN-EN ISO 9712 (Stufe 1, 2 oder 3) verfügen. MT-Prüfungen werden von Schweißnormen (EN ISO 17638), der Druckgeräterichtlinie PED und industriellen Qualitätsstandards gefordert.

Prinzip der Methode

Ein ferromagnetischer Werkstoff wird in einem Magnetfeld magnetisiert — die Feldlinien verlaufen im Inneren des Materials. Befindet sich eine Ungänze (Riss, Porosität) im Verlauf der Feldlinien, werden diese verzerrt und teilweise an die Oberfläche gedrängt — es entsteht ein lokales Streufeld. Feine Magnetpartikel (Eisenpulver), die auf die Oberfläche aufgetragen werden, werden vom Streufeld angezogen und sammeln sich über der Ungänze, wodurch eine sichtbare Anzeige entsteht. Die Nachweiseffektivität ist am höchsten, wenn die Ungänze senkrecht zur Magnetfeldrichtung verläuft.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
WerkstoffeAusschließlich ferromagnetisch (Kohlenstoffstähle, niedriglegierte Stähle, Gusseisen)
NachweistiefeOberflächen- + oberflächennah (bis ~3 mm bei DC)
Feldstärke2–6 kA/m (Stähle, nach ISO 9934-1)
MagnetisierungstechnikenJoch AC/DC, Spule, Stromdurchflutung (AC/DC/HWDC)
PrüfmittelTrockenpulver (schwarz/fluoreszierend) / Magnetpulversuspension (Wasser/Öl)
UV-A-Beleuchtung (Fluoreszenz)≥ 1000 µW/cm² bei 365 nm, Dunkelheit < 20 lx

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 9934-1:2016-12
Titel (PL)
Badania nieniszczące — Badania magnetyczno-proszkowe — Część 1: Zasady ogólne
Title (EN)
Non-destructive testing — Magnetic particle testing — Part 1: General principles

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. Oberflächenvorbereitung

    Oberfläche von Verunreinigungen, Farbe, Rost, Zunder reinigen. Oberfläche trocken und sauber. Weiße Kontrastfarbe auftragen (bei schwarzem Pulver).

    ⏱ Zeit: 15–30 min

  2. Auswahl der Magnetisierungstechnik

    Technik wählen, die ein Feld senkrecht zu den erwarteten Fehlern gewährleistet. Bei Fehlern unbekannter Orientierung — Magnetisierung in zwei senkrechten Richtungen.

  3. Prüfung des Magnetfeldes

    Feldstärke mit Gaussmeter oder Referenzstreifen (Burmester) verifizieren. Tangentielfeldstärke 2–6 kA/m.

    ⏱ Zeit: 5 min

  4. Auftragen des Prüfmittels

    Trockenpulver (Puder) auftragen oder Oberfläche mit Magnetpulversuspension übergießen. Bei der Durchflussmethode — WÄHREND der Magnetisierung auftragen.

    ⏱ Zeit: 3 min

  5. Magnetisierung

    Elektromagnet/Stromdurchflutung einschalten. Mind. 3 × 1 s (impulsweise) oder im Dauermodus mit gleichzeitigem Auftragen des Prüfmittels magnetisieren.

    ⏱ Zeit: 5 min

  6. Entfernen des Überschusses

    Überschüssiges Pulver / Suspension vorsichtig entfernen (leichter Luftstrom, Abtropfen). Nicht zu aggressiv entfernen — Anzeigen werden zerstört.

  7. Inspektion und Bewertung

    Anzeigen bewerten: bei schwarzem Pulver — weißes Licht > 500 lx. Bei fluoreszierendem — UV-A ≥ 1000 µW/cm², Dunkelheit < 20 lx. Anzeigen klassifizieren (linienförmig/rund).

    ⏱ Zeit: 10–30 min

  8. Dokumentation

    Bericht erstellen: Teilidentifikation, Magnetisierungstechnik, Prüfmittel, Ergebnisse, Anzeigenkarte, Bewertung nach Kriterien (z.B. EN ISO 23278).

  9. Entmagnetisierung

    Bauteil mit Entmagnetisierungsspule entmagnetisieren. Restmagnetismus mit Gaussmeter prüfen (< 0,3 mT für mechanische Bauteile).

    ⏱ Zeit: 5 min

  10. Endreinigung

    Kontrastfarbe und Prüfmittelreste entfernen. Korrosionsschutz auftragen.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Elektromagnet-Joch (AC-Joch)Magnaflux Y-7, Parker DA-400, Helling FA 4003 000–15 000 PLN
Stationärer MagnetisierungstischMagnaflux Magnavis, Tiede LY-Serie50 000–200 000 PLN
Fluoreszierende MagnetpulversuspensionMagnaflux 14A (fluoreszierendes Trockenpulver), 14HF (Suspension)150–400 PLN / Liter oder kg
UV-A-Lampe (365 nm)Magnaflux ZB-100F, Labino Compact UV, Helling UV-Inspector3 000–15 000 PLN
FeldstärkemessgerätHirst GM08 (Gaussmeter), Hall-Sonde, Berthold-Indikator2 000–8 000 PLN
ReferenzprobenBurmester-Streifen Typ 1/2, Streifen A1/A2 nach ISO 9934-2200–500 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Schwarzes Magnetpulver (trocken)Eisenpulver Fe₃O₄ mit Körnung 5–150 µm, für helle Oberflächen
Fluoreszierendes MagnetpulverPartikel mit fluoreszierendem Pigment beschichtet — höchste Empfindlichkeit unter UV-A 365 nm
Suspensionsträger (Wasser/Öl)Wasser mit Korrosionsinhibitor oder leichtes Mineralöl — Pulverkonzentration 0,1–0,4 mL/100 mL (Birnentest)
Weiße KontrastfarbeDünne weiße Schicht unter schwarzem Pulver — verbessert den Kontrast der Anzeigen (nicht mit fluoreszierendem Pulver verwenden)
EntmagnetisierungsspuleEntmagnetisierungsspule zum Entfernen des Restmagnetismus nach der Prüfung

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 9934-1:2016-12 — „Non-destructive testing — Magnetic particle testing — Part 1: General principles“.

Wie funktioniert diese Methode?

Ein ferromagnetischer Werkstoff wird in einem Magnetfeld magnetisiert — die Feldlinien verlaufen im Inneren des Materials. Befindet sich eine Ungänze (Riss, Porosität) im Verlauf der Feldlinien, werden diese verzerrt und teilweise an die Oberfläche gedrängt — es entsteht ein lokales Streufeld.

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Werkstoffe: Ausschließlich ferromagnetisch (Kohlenstoffstähle, niedriglegierte Stähle, Gusseisen); Nachweistiefe: Oberflächen- + oberflächennah (bis ~3 mm bei DC); Feldstärke: 2–6 kA/m (Stähle, nach ISO 9934-1); Magnetisierungstechniken: Joch AC/DC, Spule, Stromdurchflutung (AC/DC/HWDC).

Wie lange dauert die Prüfung?

Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 43 Min.–1 Std. 18 Min. Das Verfahren umfasst 10 Schritte.

Welche Geräte werden benötigt?

Elektromagnet-Joch (AC-Joch), Stationärer Magnetisierungstisch, Fluoreszierende Magnetpulversuspension, UV-A-Lampe (365 nm), Feldstärkemessgerät, Referenzproben. Richtpreis für das Kerngerät (Elektromagnet-Joch (AC-Joch)): 3 000–15 000 PLN.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Kontrolle von Schweißverbindungen aus Kohlenstoff- und niedriglegierten Stählen (EN ISO 17638); Prüfung von Schmiedestücken und geschmiedeten Bauteilen (Kurbelwellen, Zahnräder); Kontrolle von Stahl- und Gusseisengussteilen; Betriebsbegleitende Prüfung ermüdungsbeanspruchter Bauteile (Brücken, Krane, Druckgeräte); Kontrolle von Eisenbahnschienen (Nachweis von Ermüdungsrissen); Prüfung geschliffener Oberflächen (Schleifrisse).

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Magnetisierungsstrom (AC/DC) — Stromschlaggefahr, Elektroden während des Betriebs nicht berühren; Elektromagnet-Joch — starkes Magnetfeld, Verbot für Personen mit Herzschrittmacher; Magnetpulver — Einatmen vermeiden (Staubmaske), Augenkontakt vermeiden; UV-A-Lampe — nicht direkt hineinsehen, Schutzbrille; Ölbasierte Suspensionen — entzündlich, Belüftung, kein offenes Feuer.

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 9934-1.

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