🔴 Nachweis von Listeria monocytogenes

Mikrobiologie PN-EN ISO 11290-1

Kurz gefasst

Zweistufige selektive Anreicherung und Ausstrich auf chromogenen Nährböden zum Nachweis von Listeria monocytogenes in Lebensmitteln. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 11290-1:2017; Ergebnis: Nachgewiesen / Nicht nachgewiesen in 25 g. Das Verfahren umfasst 12 Schritte (insgesamt rund 3 Tage 5 Min.–4 Tage 2 Std. 5 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Verzehrfertige Lebensmittel — Weichkäse, Aufschnitt, Räucherfisch, Säuglingsnahrung und Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, Fleisch und Fleischerzeugnisse (Geflügel, Schwein).

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN ISO 11290-1:2017
  • Kategorie: Mikrobiologie
  • Verfahrensschritte: 12
  • Gesamtdauer der Schritte: 3 Tage 5 Min.–4 Tage 2 Std. 5 Min.
  • Ergebnis: Nachgewiesen / Nicht nachgewiesen in 25 g
  • Probenmenge: 25 g (Standard)
  • Zeitdauer bis zum Ergebnis: 5–7 Arbeitstage

Übersicht

Listeria monocytogenes ist ein grampositives Stäbchenbakterium und einer der gefährlichsten lebensmittelbedingten Krankheitserreger. Es verursacht Listeriose — eine Erkrankung mit einer Letalität von 20–30% (die höchste unter den lebensmittelbedingten Erkrankungen). Besonders gefährdet sind Schwangere (Fehlgeburten, Neugeboreneninfektionen), ältere Menschen und immungeschwächte Personen.

L. monocytogenes ist besonders gefährlich, weil es: sich bei Kühlschranktemperaturen (2–4°C) vermehrt, hohe Salzkonzentrationen (bis 10% NaCl) toleriert und in einem breiten pH-Bereich (4,4–9,6) überlebt. Es bildet Biofilme auf Oberflächen von Lebensmittelproduktionsbetrieben, was seine Eliminierung erschwert.

Die Norm PN-EN ISO 11290-1 ist die Referenzmethode zum Nachweis von L. monocytogenes in allen Arten von Lebensmitteln und Futtermitteln. Gefordert durch Verordnung (EG) 2073/2005 — Sicherheitskriterium: in 25 g nicht nachweisbar für verzehrfertige Lebensmittel für Säuglinge und für medizinische Zwecke, sowie ≤100 KBE/g in verzehrfertigen Lebensmitteln während der Haltbarkeitsdauer.

Prinzip der Methode

Methode der zweistufigen selektiven Anreicherung:

1. **Primäre Anreicherung (Half Fraser)** — 25 g Probe + 225 mL Half-Fraser-Bouillon (halbe Konzentration von Acriflavin und Nalidixinsäure). Inkubation 30°C / 24–26 h. Milde Selektion, die die Regeneration geschädigter Zellen ermöglicht. 2. **Sekundäre Anreicherung (Fraser komplett)** — 0,1 mL → 10 mL Fraser-Bouillon (volle Inhibitorkonzentration). Inkubation 37°C / 24–48 h. Dunkelfärbung der Bouillon (Äsculinhydrolyse → schwarzer Niederschlag) deutet auf Listeria hin. 3. **Ausstrich auf Selektivnährböden** — ALOA (chromogen) und Oxford/PALCAM. L. monocytogenes-Kolonien auf ALOA: blaugrün mit opakem Hof (Phosphatidylinositol-spezifische Phospholipase C, PI-PLC). 4. **Bestätigung** — Hämolyse auf Blutagar, CAMP-Test, Beweglichkeit bei 25°C (Regenschirmmuster), Zuckerfermentation (Rhamnose+, Xylose–).

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
ErgebnisNachgewiesen / Nicht nachgewiesen in 25 g
Probenmenge25 g (Standard)
Zeitdauer bis zum Ergebnis5–7 Arbeitstage
Anreicherung I Temperatur30 ± 1°C (Half Fraser)
Anreicherung II Temperatur37 ± 1°C (Fraser)
Nachweisgrenze1 Zelle / 25 g

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 11290-1:2017
Titel (PL)
Mikrobiologia łańcucha żywnościowego — Horyzontalna metoda wykrywania i oznaczania liczby Listeria monocytogenes i Listeria spp. — Część 1: Metoda wykrywania
Title (EN)
Microbiology of the food chain — Horizontal method for the detection and enumeration of Listeria monocytogenes and of Listeria spp. — Part 1: Detection method

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. Probenvorbereitung

    25 g Probe in einen Stomacher-Beutel einwiegen. 225 mL Half-Fraser-Bouillon zugeben. 1–2 Min. homogenisieren.

    ⏱ Zeit: 5 Min.

  2. Anreicherung I — Half Fraser

    Beutel mit Probe bei 30±1°C für 24–26 Stunden inkubieren. Nach Inkubation Bouillon beobachten — Dunkelfärbung deutet auf Äsculinhydrolyse hin (Anwesenheit von Listeria spp.).

    ⏱ Zeit: 24–26 h • 🌡 Temperatur: 30°C

  3. Anreicherung II — Fraser komplett

    0,1 mL der Half-Fraser-Anreicherung in 10 mL Fraser-Bouillon (komplett) überführen. Bei 37±1°C / 24 Stunden (erste Ablesung) und bis 48 Stunden (zweite Ablesung) inkubieren.

    ⏱ Zeit: 24–48 h • 🌡 Temperatur: 37°C

  4. Ausstrich von Half Fraser (24 h)

    Aus der Half-Fraser-Anreicherung mit der Impföse auf ALOA-Agar und einen zweiten Nährboden (Oxford oder PALCAM) ausstreichen. Bei 37°C / 24–48 h inkubieren.

    🌡 Temperatur: 37°C

  5. Ausstrich von Fraser (24 h und 48 h)

    Nach 24 h und 48 h der Fraser-Bouillon mit der Impföse auf ALOA-Agar und einen zweiten Nährboden ausstreichen. Bei 37°C / 24–48 h inkubieren.

    🌡 Temperatur: 37°C

  6. Plattenablesung

    Auf ALOA: L. monocytogenes-Kolonien = blaugrün mit opakem Hof (PI-PLC+). Auf Oxford: schwarze Kolonien mit schwarzem Hof (Äsculin+).

  7. Reinkulturisolierung

    Mind. 5 verdächtige Kolonien auswählen. Auf TSYEA-Agar überimpfen. Bei 37°C / 18–24 h inkubieren. Kolonien beobachten: L. monocytogenes — klein, gräulich, glänzend unter Henry-Beleuchtung (blaugrauer Schimmer).

    ⏱ Zeit: 24 h • 🌡 Temperatur: 37°C

  8. Hämolysetest

    Aus Reinkultur auf 5% Schafblutagar ausstreichen. Bei 37°C/24 h inkubieren. L. monocytogenes: schmale Zone der β-Hämolyse (klarer Hof um die Kolonien).

  9. CAMP-Test

    S. aureus und R. equi senkrecht auf Blutagar aufstreichen. Prüfisolat senkrecht dazu aufstreichen. Bei 37°C/18–24 h inkubieren. L. monocytogenes: verstärkte Hämolyse in der Nähe von S. aureus, keine Verstärkung bei R. equi.

    🌡 Temperatur: 37°C

  10. Beweglichkeitstest

    Halbfestes Medium (0,4% Beweglichkeitsagar) beimpfen. Bei 25°C/48 h inkubieren. L. monocytogenes: „Regenschirm“-Wachstumsmuster 2–5 mm unter der Oberfläche (bei 25°C beweglich, bei 37°C unbeweglich).

    🌡 Temperatur: 25°C

  11. Zuckerfermentation

    Rhamnose: POSITIV (L. monocytogenes). Xylose: NEGATIV. Mannit: NEGATIV. Diese 3 Tests unterscheiden L. monocytogenes von anderen Listeria-Spezies.

  12. Interpretation und Berichterstattung

    Bestätigung = β-Hämolyse + CAMP+ bei S. aureus + Regenschirm-Beweglichkeit + Rhamnose+ Xylose– → „Listeria monocytogenes NACHGEWIESEN in 25 g“. Fehlen = „NICHT NACHGEWIESEN“.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Brutschrank 30±1°CMemmert IN110, Binder BD 1155 000–15 000 PLN
Brutschrank 37±1°CMemmert IN110, POL-EKO ST 25 000–15 000 PLN
Stomacher (Homogenisator)Seward Stomacher 400 Circulator12 000–25 000 PLN
AutoklavTuttnauer 3870ELV, Systec VX-7530 000–80 000 PLN
Sicherheitswerkbank Klasse IIESCO Airstream, Thermo MSC-Advantage25 000–60 000 PLN
Mikroskop mit Henry-BeleuchtungOlympus CX43, zur Beobachtung der Koloniemorphologie8 000–20 000 PLN
Automatische PipettenEppendorf Research Plus 0,1 mL + 1 mL800–1 500 PLN/St.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Half-Fraser-BouillonFraser-Basis + halbe Konzentration von Acriflavin (12,5 mg/L) und Nalidixinsäure (10 mg/L). Merck 1.10398, Oxoid CM0895.
Fraser-Bouillon (komplett)Volle Inhibitorkonzentration: Acriflavin 25 mg/L, Nalidixinsäure 20 mg/L, Lithiumchlorid 3 g/L, Äsculin + Ammoniumeisen(III)-citrat. Merck 1.10399.
ALOA-Agar (chromogen)Chromogener Nährboden: L. monocytogenes = blaugrüne Kolonien mit opakem Hof (PI-PLC+). Andere Listeria = blaugrün OHNE Hof. Merck 1.00427, bioMérieux.
Oxford-AgarMit Supplement (Cycloheximid, Colistin, Acriflavin, Cefotetan, Phosphate). Kolonien: schwarz mit schwarzem Hof (Äsculin). Oxoid CM0856.
TSYEA-AgarTryptic Soy Yeast Extract Agar — zur Reinkulturisolierung. TSA + 0,6% Hefeextrakt.
5% SchafblutagarFür den Hämolysetest — L. monocytogenes bildet eine schmale Zone der β-Hämolyse.
Staphylococcus aureus-Stamm ATCC 25923Für den CAMP-Test — verstärkte Hämolyse in der S. aureus-Zone.
Rhodococcus equi-Stamm ATCC 6939Für den CAMP-Test — keine Verstärkung (Unterscheidung von L. ivanovii).

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 11290-1:2017 — „Microbiology of the food chain — Horizontal method for the detection and enumeration of Listeria monocytogenes and of Listeria spp. — Part 1: Detection method“.

Wie funktioniert diese Methode?

Methode der zweistufigen selektiven Anreicherung: 1. **Primäre Anreicherung (Half Fraser)** — 25 g Probe + 225 mL Half-Fraser-Bouillon (halbe Konzentration von Acriflavin und Nalidixinsäure).

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Ergebnis: Nachgewiesen / Nicht nachgewiesen in 25 g; Probenmenge: 25 g (Standard); Zeitdauer bis zum Ergebnis: 5–7 Arbeitstage; Anreicherung I Temperatur: 30 ± 1°C (Half Fraser).

Wie lange dauert die Prüfung?

Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 3 Tage 5 Min.–4 Tage 2 Std. 5 Min. Das Verfahren umfasst 12 Schritte.

Welche Geräte werden benötigt?

Brutschrank 30±1°C, Brutschrank 37±1°C, Stomacher (Homogenisator), Autoklav, Sicherheitswerkbank Klasse II, Mikroskop mit Henry-Beleuchtung, Automatische Pipetten. Richtpreis für das Kerngerät (Brutschrank 30±1°C): 5 000–15 000 PLN.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Verzehrfertige Lebensmittel — Weichkäse, Aufschnitt, Räucherfisch; Säuglingsnahrung und Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke; Fleisch und Fleischerzeugnisse (Geflügel, Schwein); Fischerzeugnisse — roh und geräuchert (Lachs, Makrele); Milchprodukte — Käse, Speiseeis, pasteurisierte Milch; Verzehrfertiges Gemüse und Obst (Salate, Smoothies); Umgebungsmonitoring von Betrieben (Abstriche von Oberflächen, Abflüssen und Kühlräumen).

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Listeria monocytogenes — BSL-2-Erreger! Arbeit ausschließlich in der Sicherheitswerkbank; Besonders gefährlich für Schwangere — schwangeres Personal muss von der Arbeit mit L. monocytogenes ausgeschlossen werden; Nitrilhandschuhe, Laborkittel und Schutzbrille obligatorisch; Alle Abfälle müssen vor der Entsorgung autoklaviert werden (121°C/20 Min.); Desinfektion des Arbeitsplatzes nach Gebrauch: 70% Ethanol + 0,5% Natriumhypochlorit-Lösung; Schafblut — potenzielle Allergenquelle, vorsichtig handhaben.

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 11290-1.

🔍 Labor finden, das diese Prüfung durchführt