⚖️ Kalibrierung und Eichung von Waagen

Metrologie PN-EN 45501 / OIML R 76

Kalibrierung nichtselbsttätiger Waagen mit Bestimmung der Anzeigeabweichungen, Wiederholbarkeit, Exzentrizität und Mindesteinwaage. Grundlage der Rückführbarkeit in jedem Labor.

Übersicht

Die Kalibrierung (Eichung) nichtselbsttätiger Waagen ist das grundlegende metrologische Verfahren zur Sicherstellung der Rückführbarkeit von Wägeergebnissen im Labor. Die Norm PN-EN 45501 legt die zulässigen Fehlergrenzen von Waagen in den einzelnen Genauigkeitsklassen fest (I — Feinwaage, II — Präzisionswaage, III — Handelswaage, IIII — Grobwaage), und die OIML-Empfehlung R 76 definiert die konstruktiven und metrologischen Anforderungen an nichtselbsttätige Waagen.

Die Kalibrierung umfasst die Bestimmung der Anzeigeabweichungen an ausgewählten Punkten des Wägebereichs unter Verwendung von Massenormalen der entsprechenden Klasse (E1, E2, F1, F2 nach OIML R 111), die Bewertung der Wiederholbarkeit, den Exzentrizitätstest (Eckenlastprüfung) sowie die Bestimmung der Mindesteinwaage mit definierter Messunsicherheit. Das Verfahren wird unter Umgebungsbedingungen durchgeführt, die den normalen Betriebsbedingungen der Waage entsprechen.

Jedes akkreditierte Prüf- und Kalibrierlabor ist zur regelmäßigen Kalibrierung der Waagen verpflichtet — dies ist eine Anforderung der Norm ISO/IEC 17025. Der Kalibrierschein enthält die Messergebnisse mit erweiterter Messunsicherheit, wodurch der Anwender die Eignung der Waage für die beabsichtigten Messungen beurteilen kann.

In Polen werden Kalibrierdienstleistungen u.a. von durch PCA (Polnisches Akkreditierungszentrum) akkreditierten Laboratorien angeboten, darunter das RADWAG-Labor (AP 069), Matbor, TOPS und andere. Die Kalibrierung wird sowohl im Labor als auch beim Kunden vor Ort (in situ) durchgeführt.

Prinzip der Methode

Die Kalibrierung der Waage basiert auf dem Vergleich der Waagenanzeige mit den konventionellen Massewerten der Referenznormale unter definierten Umgebungsbedingungen. Die Anzeigeabweichung E = I − m_ref wird bestimmt (wobei I — Waagenanzeige, m_ref — konventionelle Masse des Normals) an mindestens 5 Punkten des Wägebereichs. Die Wiederholbarkeit wird als Standardabweichung einer Serie von mindestens 10 Wägungen desselben Normals bewertet. Die Exzentrizität wird durch Platzierung des Normals an verschiedenen Positionen der Waagschale geprüft. Die Mindesteinwaage wird auf Grundlage der Wiederholbarkeit und der geforderten Messunsicherheit bestimmt (üblicherweise U ≤ 1% der Einwaage).

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Genauigkeitsklassen der WaagenI (Feinwaage), II (Präzision), III (Handel), IIII (Grobwaage)
Klassen der MassenormaleE1, E2, F1, F2, M1 nach OIML R 111
KalibrierpunkteMind. 5 Punkte im Wägebereich (einschl. nahe Min und Max)
Wiederholbarkeit≥ 10 Messungen bei ~50% Max und ~100% Max
Umgebungsbedingungen18–25°C, Stabilität ±1°C/h, Luftfeuchtigkeit 40–60%
Erweiterte Messunsicherheitk = 2, Vertrauensniveau ~95%

Norm

Normnummer
PN-EN 45501:2015-03 / OIML R 76-1:2006
Titel (PL)
Zagadnienia metrologiczne wag nieautomatycznych / Wagi nieautomatyczne
Title (EN)
Metrological aspects of non-automatic weighing instruments / Non-automatic weighing instruments

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Akklimatisierung

Massenormale und Waage mindestens 12 h im Kalibrierraum akklimatisieren. Umgebungsbedingungen (T, RH, Druck) protokollieren.

⏱ Zeit: ≥ 12 h • 🌡 Temperatur: 18–25°C

2. Sichtprüfung der Waage

Sauberkeit der Waagschale, Nivellierung (Libelle), keine mechanischen Beschädigungen prüfen. Waage mind. 30 min vor den Messungen einschalten.

⏱ Zeit: 30 min

3. Interne Justierung

Interne Justierung (Kalibrierung) der Waage gemäß Herstelleranleitung durchführen. Für Waagen ohne interne Justierung — externe Justierung mit Normal.

4. Wiederholbarkeitstest

Mind. 10 aufeinanderfolgende Wägungen desselben Normals (~50% Max) durchführen. Standardabweichung berechnen. Bei ~100% Max wiederholen.

⏱ Zeit: 15–20 min

5. Exzentrizitätstest

Normal (~1/3 Max) nacheinander in der Mitte und an 4 Ecken der Waagschale platzieren. Anzeigen für jede Position protokollieren.

⏱ Zeit: 10 min

6. Bestimmung der Anzeigeabweichungen

Waage mit Normalen an mind. 5 Punkten des Bereichs belasten (z.B. 10%, 25%, 50%, 75%, 100% Max). Für jeden Punkt die Anzeige protokollieren und den Fehler E berechnen.

⏱ Zeit: 20–30 min

7. Messung im Bereich nahe Null

Stabilität der Anzeigen bei kleinen Lasten untersuchen — Mindesteinwaage auf Grundlage der Wiederholbarkeit und der geforderten Messunsicherheit bestimmen.

8. Berechnung der Messunsicherheit

Unsicherheitsbudget erstellen unter Berücksichtigung von: Wiederholbarkeit, Auflösung, Fehler der Massenormale, Umgebungsbedingungen (Luftauftrieb), Exzentrizität.

9. Konformitätsbewertung

Ergebnisse mit den Anforderungen des Anwenders vergleichen (MPE, Mindesteinwaage). Entscheidungsregel gemäß ILAC-G8:09/2019 anwenden.

10. Dokumentation

Kalibrierschein erstellen mit: Ergebnissen, Messunsicherheiten, Umgebungsbedingungen, Identifikation der Normale, Datum der nächsten Kalibrierung.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Analytische Waage Klasse IMettler Toledo XPR205, RADWAG XA 82/220.5Y, Sartorius Cubis II15 000–80 000 PLN
Massenormale Klasse E2/F1Satz 1 mg – 500 g, RADWAG, Mettler Toledo, Häfner3 000–25 000 PLN (Satz)
ThermohygrometerTesto 176 H1, Vaisala HMP110, Rotronic HC2A1 500–5 000 PLN
Schwingungsfreier WägetischRADWAG SAL/STONE, Mettler Toledo5 000–15 000 PLN
BarometerVaisala PTB330, Druck DPI 1423 000–8 000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Massenormale Klasse E2Satz Stahlgewichte, Kalibrierschein, Rückführbarkeit auf das nationale Normal bei GUM
Massenormale Klasse F1Für Kalibrierung von Präzisionswaagen Kl. II, Edelstahl, mit Zertifikat
Antistatisches MittelLuftionisator zur Eliminierung elektrostatischer Ladungen auf Waagschale und Gewichten

Arbeitsschutz und Sicherheit

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