🔬 Kalibrierung von Kolbenhubpipetten

Metrologie PN-EN ISO 8655

Gravimetrische Bestimmung des systematischen und zufälligen Fehlers von Kolbenhubpipetten nach ISO 8655. Obligatorisch in jedem analytischen Labor.

Übersicht

Die Kalibrierung (Eichung) von Kolbenhubpipetten nach der gravimetrischen Methode ist ein Schlüsselverfahren der Qualitätssicherung in analytischen Laboratorien. Die Norm PN-EN ISO 8655-6 definiert das gravimetrische Referenzmessverfahren — Wägung des von der Pipette dosierten Wassers auf einer Mikrowaage mit Umrechnung der Masse in Volumen unter Berücksichtigung der Wasserdichte, Temperatur und des atmosphärischen Drucks.

Für jede Pipette werden zwei Fehlerarten bestimmt: der systematische Fehler (es) — Differenz zwischen dem mittleren dosierten Volumen und dem Nennvolumen, und der zufällige Fehler (CV) — Variationskoeffizient der Messserie. Die Norm ISO 8655-2 legt die Grenzwerte für es und CV für Pipetten mit festem und variablem Volumen im Bereich 1 µL – 10 000 µL fest.

Die Kalibrierung wird bei 3 Volumen durchgeführt (Nennvolumen, 50% Nennvolumen, 10% Nennvolumen für variable Pipetten) mit Serien von je 10 Messungen pro Volumen. Die Umgebungsbedingungen müssen streng kontrolliert werden: Temperatur 20±2°C, Luftfeuchtigkeit >50%, keine Zugluft. Pipettenspitzen müssen neu (Einweg) sein — sie werden nach jeder Serie gewechselt.

In Polen ist RADWAG der führende Hersteller von Pipettenkalibrierständen und bietet die Stände SDKP und SDKP DUAL mit der Software PIPETY an. Kalibrierdienste für Pipetten werden u.a. von RADWAG, HTL, Eppendorf Service und akkreditierten Messlaboratorien angeboten.

Prinzip der Methode

Die gravimetrische Methode basiert auf dem Dosieren von destilliertem Wasser mit der Pipette in ein Wägegefäß auf einer Mikrowaage. Die Masse der dosierten Wasserportion wird mit der Formel V = (m × Z) in ein Volumen umgerechnet, wobei m — Masse des Wassers, Z — Korrekturfaktor unter Berücksichtigung der Wasserdichte bei Messtemperatur, des atmosphärischen Drucks und der Luftdichte. Aus einer Serie von 10 Messungen werden der systematische Fehler (es = V_mittel − V_nenn) und der zufällige Fehler (CV = s / V_mittel × 100%) berechnet.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Volumenbereich1 µL – 10 000 µL
Zulässiger systematischer Fehler±0,8% (100 µL) bis ±5% (1 µL) nach ISO 8655-2
Zulässiger zufälliger Fehler (CV)≤0,3% (100 µL) bis ≤5% (1 µL) nach ISO 8655-2
Anzahl der Messungen10 Dosierungen pro Testvolumen
Umgebungsbedingungen20 ± 2°C, Luftfeuchtigkeit > 50%, keine Zugluft
WassertemperaturThermisches Gleichgewicht mit der Umgebung (±0,5°C)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 8655-6:2022
Titel (PL)
Urządzenia tłokowe do objętościowego odmierzania cieczy — Część 6: Metoda grawimetryczna wyznaczania błędu pomiaru
Title (EN)
Piston-operated volumetric apparatus — Part 6: Gravimetric reference measurement procedure

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Akklimatisierung

Pipetten, Spitzen, Wasser und Stand mind. 2 h im Kalibrierraum akklimatisieren. T, RH, Druck protokollieren.

⏱ Zeit: ≥ 2 h • 🌡 Temperatur: 20 ± 2°C

2. Vorbereitung der Waage

Mikrowaage mind. 60 min vor der Messung einschalten. Interne Justierung durchführen. Wiederholbarkeit prüfen.

⏱ Zeit: 60 min

3. Vorbereitung des Wägegefäßes

Wägegefäß mit Deckel (Evaporation Trap) auf die Waagschale stellen. Kleine Menge Wasser hinzufügen. Waage tarieren.

4. Vorpipettieren

Neue Spitze aufsetzen. 5 Ansaug- und Dosierzyklen (Vorpipettieren) durchführen, um die Innenwände der Spitze zu benetzen.

5. Messserie

Wasser in das Wägegefäß dosieren. Nach jeder Dosierung den Waagewert protokollieren. 10 aufeinanderfolgende Dosierungen durchführen. Zwischen den Dosierungen nicht länger als 10 s warten.

⏱ Zeit: 5–10 min

6. Volumenwechsel

Für variable Pipetten die Serie von 10 Messungen bei 50% und 10% des Nennvolumens wiederholen. Bei Volumenwechsel Spitze wechseln.

7. Umrechnung Masse in Volumen

Volumen jeder Dosierung berechnen: V = m × Z, wobei Z — Korrekturfaktor (Tabellen ISO 8655-6 oder Berechnung aus Wasserdichte, Luftdichte und Druck).

🌡 Temperatur: Abhängig von der Wassertemperatur

8. Fehlerberechnung

Systematischen Fehler es = V_mittel − V_nenn und zufälligen Fehler CV = (s / V_mittel) × 100% bestimmen. Mit den Grenzwerten nach ISO 8655-2 vergleichen.

9. Konformitätsbewertung

Wenn es und CV innerhalb der Grenzwerte liegen — Pipette konform. Andernfalls — Pipette muss justiert (Kalibrierschraube) und erneut kalibriert werden.

10. Dokumentation

Kalibrierschein erstellen mit Ergebnissen, Messunsicherheiten, Umgebungsbedingungen und Datum der nächsten Kalibrierung.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Mikroanalytische WaageRADWAG MYA 11.4Y, Mettler Toledo XPR2U, Sartorius Cubis II 2.7S30 000–90 000 PLN
KalibrierstandRADWAG SDKP / SDKP DUAL mit Software PIPETY80 000–150 000 PLN (komplett)
Verdunstungsfalle (Evaporation Trap)Wägegefäß mit Deckel und Kapillare500–2 000 PLN
ThermohygrometerTesto 176 H1, Pt100-Wassertemperaturfühler2 000–5 000 PLN
BarometerDruck DPI 142, Vaisala PTB3303 000–8 000 PLN
EinwegspitzenEppendorf epT.I.P.S., Brand, HTL — Original für das jeweilige Pipettenmodell50–300 PLN / 1000 Stk.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Destilliertes / deionisiertes WasserKlasse 2 nach ISO 3696, entgast, im thermischen Gleichgewicht mit der Umgebung
BenetzungslösungOptional — Tensid zur Verringerung der Oberflächenspannung bei sehr kleinen Volumen

Arbeitsschutz und Sicherheit

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