💦 Schutzart IP (Ingress Protection)
Kurz gefasst
Prüfung der Schutzart von Gehäusen gegen das Eindringen von Fremdkörpern (Staub) und Wasser. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN 60529:2003/A2:2013 (IEC 60529); IP5X — Staubschutz: Begrenztes Eindringen von Staub zulässig (ohne Beeinträchtigung der Funktion). Das Verfahren umfasst 9 Schritte (insgesamt rund 5 Std. 25 Min.–13 Std. 15 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Zertifizierung von Leuchten (IP44, IP65, IP67), Prüfung von Gehäusen elektrischer Geräte (Schaltanlagen, Steuerschränke), Qualifizierung von Steckverbindern (IP67, IP68) im Automobilbereich und in der Industrie.
Auf einen Blick
- Norm: PN-EN 60529:2003/A2:2013 (IEC 60529)
- Kategorie: Elektronik und EMV
- Verfahrensschritte: 9
- Gesamtdauer der Schritte: 5 Std. 25 Min.–13 Std. 15 Min.
- IP5X — Staubschutz: Begrenztes Eindringen von Staub zulässig (ohne Beeinträchtigung der Funktion)
- IP6X — Staubdichtheit: Kein Eindringen von Staub nach 2–8 h Prüfung
- IPX4 — Spritzwasserschutz: Sprühen mit Wasser aus allen Richtungen, 10 L/min, 5 min
Übersicht
Die Schutzart IP (Ingress Protection) ist ein internationales Klassifizierungssystem, das die Wirksamkeit eines Gehäuses beim Schutz eines Geräts gegen den Zugang zu gefährlichen Teilen, das Eindringen fester Fremdkörper (einschließlich Staub) und das Eindringen von Wasser angibt. Die Norm PN-EN 60529 (Umsetzung der IEC 60529) legt die Prüfverfahren und Anforderungen für jede Schutzart fest.
Der IP-Code besteht aus den Buchstaben „IP“ und zwei Ziffern: Die erste Ziffer (0–6) gibt den Schutz gegen feste Fremdkörper und Staub an, die zweite (0–9) den Schutz gegen Wasser. So bedeutet IP65 vollständige Staubdichtheit (6) und Schutz gegen Strahlwasser aus beliebiger Richtung (5), IP68 dagegen Staubdichtheit (6) und Schutz gegen dauerndes Untertauchen (8).
IP-Prüfungen sind für eine breite Palette von Produkten erforderlich: elektrische und elektronische Geräte, Leuchten, Motoren, Schaltanlagen, Steckverbinder, Sensoren, Bedienpanels und vieles mehr. Im Automobilbereich wird die erweiterte Norm ISO 20653 mit zusätzlichen IP-Klassen verwendet (z. B. IP6K9K — Schutz gegen Hochdruckreinigung). Die IP-Schutzart ist ein Schlüsselparameter der Produktspezifikation, besonders für Geräte, die im Freien oder unter schwierigen Umgebungsbedingungen arbeiten.
Staubdichtheitsprüfungen werden in speziellen Staubkammern mit in der Luft schwebend gehaltenem Talkum durchgeführt, Wasserdichtheitsprüfungen dagegen mit Tropfvorrichtungen, Sprüh- und Strahldüsen oder Tauchbehältern. Jede Schutzart hat streng festgelegte Prüfparameter: Dauer, Druck, Durchfluss, Wassertemperatur und Tauchtiefe.
Prinzip der Methode
Staubdichtheitsprüfung (IP5X/IP6X): Das zu prüfende Gehäuse wird in eine Staubkammer gebracht, in der Talkum (Talkumpuder) mit einer Korngröße <75 µm in einer Konzentration von 2 kg/m³ in Schwebe gehalten wird. Im Gehäuse wird ein Unterdruck (Vakuum) erzeugt, der eine Luftströmung durch die Spalte bewirkt — Durchflussvolumen = das 80-Fache des Gehäusevolumens, nicht mehr als 60 Volumen/h. Nach 2–8 Stunden Prüfung wird das Gehäuse geöffnet und das Eindringen von Staub visuell bewertet. IP5X — begrenztes Eindringen zulässig (ohne Beeinträchtigung der Funktion), IP6X — kein Eindringen. Wasserdichtheitsprüfung: Für die einzelnen Schutzarten werden verschiedene Verfahren angewendet: IPX1/X2 — Tropfen aus der Tropfvorrichtung, IPX3/X4 — Sprühen aus dem Pendelrohr oder aus Düsen, IPX5/X6 — Wasserstrahl aus einer Düse 6,3–12,5 mm (12,5–100 L/min), IPX7 — Untertauchen 1 m / 30 min, IPX8 — dauerndes Untertauchen nach Herstellerangaben, IPX9 — Hochdruckreinigung 80–100 bar / 80 °C.
Anwendungen
- Zertifizierung von Leuchten (IP44, IP65, IP67)
- Prüfung von Gehäusen elektrischer Geräte (Schaltanlagen, Steuerschränke)
- Qualifizierung von Steckverbindern (IP67, IP68) im Automobilbereich und in der Industrie
- Prüfung von Unterhaltungselektronik (Smartphones, Smartwatches — IP67/IP68)
- Prüfung elektrischer Motoren und Antriebe (IP55, IP56)
- Überprüfung von Sensoren und Messsonden für den Feldeinsatz
- Prüfung von Medizingeräten (IP22, IP44)
- Qualifizierung von Geräten für explosionsgefährdete Bereiche (ATEX + IP)
Schlüsselparameter
| Parameter | Wert |
|---|---|
| IP5X — Staubschutz | Begrenztes Eindringen von Staub zulässig (ohne Beeinträchtigung der Funktion) |
| IP6X — Staubdichtheit | Kein Eindringen von Staub nach 2–8 h Prüfung |
| IPX4 — Spritzwasserschutz | Sprühen mit Wasser aus allen Richtungen, 10 L/min, 5 min |
| IPX5 — Strahlwasser | Strahl aus einer Düse Ø6,3 mm, 12,5 L/min, 3 m, 3 min |
| IPX7 — zeitweiliges Untertauchen | Tiefe 1 m, 30 min |
| IPX8 — dauerndes Untertauchen | Vom Hersteller festgelegte Bedingungen (typisch >1 m, >30 min) |
Norm
- Normnummer
- PN-EN 60529:2003/A2:2013 (IEC 60529)
- Titel (PL)
- Stopnie ochrony zapewnianej przez obudowy (Kod IP)
- Title (EN)
- Degrees of protection provided by enclosures (IP Code)
Schritt-für-Schritt-Verfahren
-
Festlegen der geforderten IP-Schutzart
Anhand der Produktnorm oder Kundenspezifikation die geforderte IP-Schutzart (z. B. IP65) festlegen. Erste Ziffer (Staubdichtheit) und zweite Ziffer (Wasserdichtheit) identifizieren.
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Probenvorbereitung
Gehäuse im gebrauchsfertigen Zustand verschließen. Kabeleinführungen mit Blindstopfen verschließen. Wasser-/Staubeindringindikatoren im Inneren anbringen.
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Staubdichtheitsprüfung IP5X/IP6X
Gehäuse in die Staubkammer bringen. Unterdruck anschließen. Talkumumlauf starten (2 kg/m³). Prüfdauer: IP5X — 2 h, IP6X — 8 h.
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Bewertung der Staubdichtheit
Nach der Prüfung Gehäuse herausnehmen. Öffnen und Staubeintritt visuell bewerten. IP5X — begrenztes Eindringen in Ordnung (ohne Beeinträchtigung der Funktion). IP6X — kein Eindringen.
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Wasserdichtheitsprüfung — Sprühen (IPX3/X4/X5/X6)
Passendes Sprühsystem einrichten. IPX5: Düse Ø6,3 mm, 12,5 L/min, Abstand 2,5–3 m, Dauer 3 min je m² (mindestens 3 min). Aus allen Richtungen besprühen.
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Wasserdichtheitsprüfung — Untertauchen (IPX7/X8)
Gehäuse im Wasserbehälter 30 min in 1 m Tiefe untertauchen (IPX7). Wassertemperatur ±5 °C von der Gehäusetemperatur. Für IPX8 — nach Herstellerspezifikation.
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Bewertung der Wasserdichtheit
Gehäuse herausnehmen. Öffnen und Wassereindringindikatoren prüfen. Bewerten, ob Wasser in einer Menge eingedrungen ist, die Funktion oder Sicherheit des Geräts gefährdet.
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Prüfung nach dem Test (optional)
Elektrische Isolation des Geräts nach der Wasserprüfung kontrollieren (nach Produktnorm). Isolationswiderstands- oder Spannungsfestigkeitsprüfung durchführen.
-
Dokumentation und Bericht
Bericht erstellen mit: Probenidentifikation, Prüfparametern, Ergebnissen (bestanden/nicht bestanden), Fotos, IP-Code. Zertifikat oder Prüfbericht ausstellen.
Erforderliche Geräte und Apparatur
| Gerät | Beispiel | Richtpreis |
|---|---|---|
| Staubkammer (dust chamber) | Weiss Technik DustEvent, Vötsch VDT, ACS DY-series | 100 000–400 000 PLN |
| Wasserprüfsystem IPX1–IPX6 | Weiss Technik WaterEvent SWT, Vötsch VC, Pendelrohr + Düsen | 50 000–200 000 PLN |
| Tauchbehälter IPX7/IPX8 | Stahl-/Glasbehälter mit Regelung von Tiefe und Temperatur | 10 000–50 000 PLN |
| Unterdruckpumpe (für Staubprüfungen) | KNF, Vacuubrand, mit Durchflussregelung | 5 000–15 000 PLN |
| Hochdruckreinigungssystem IPX9K | Hochdruckdüse 80–100 bar, 14–16 L/min, Temperatur 80 °C | 30 000–80 000 PLN |
| Analysensiebe | Sieb 75 µm zur Vorbereitung des Talkums, nach ISO 3310 | 500–1 500 PLN |
Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien
| Reagenz | CAS | Details |
|---|---|---|
| Talkum (Talkumpuder) | 14807-96-6 | Korngröße <75 µm (durch ein 75-µm-Sieb gesiebt), Menge 2 kg/m³ Kammervolumen, trocken |
| Destilliertes/deionisiertes Wasser | — | Für Wasserprüfungen, Temperatur 15–35 °C (nach Norm), ohne Verunreinigungen |
| Prüfdichtmaterialien | — | Knetmasse, Wachs oder Klebeband zum Verschließen nicht zu prüfender Öffnungen |
| Wassereindringindikatoren | — | Wasserindikatorpapier (water-indicating paper) zum Nachweis von Wassereintritt im Gehäuse |
Arbeitsschutz und Sicherheit
- Talkum — die Atemwege reizender Staub, beim Befüllen der Kammer FFP2-Maske tragen
- Wasser unter Druck (IPX5/X6/X9) — Verletzungsgefahr, sicheren Abstand halten
- Elektrische Geräte unter Spannung — nicht ohne geeignete Absicherung untertauchen
- Staubkammer — Unterdruck, während der Prüfung nicht ohne Notwendigkeit öffnen
- Reinigung nach der Staubprüfung — Staubsauger mit HEPA-Filter, nicht trocken kehren
Häufige Fragen
Welche Norm beschreibt diese Prüfung?
Die Prüfung erfolgt nach PN-EN 60529:2003/A2:2013 (IEC 60529) — „Degrees of protection provided by enclosures (IP Code)“.
Wie funktioniert diese Methode?
Staubdichtheitsprüfung (IP5X/IP6X): Das zu prüfende Gehäuse wird in eine Staubkammer gebracht, in der Talkum (Talkumpuder) mit einer Korngröße <75 µm in einer Konzentration von 2 kg/m³ in Schwebe gehalten wird. Im Gehäuse wird ein Unterdruck (Vakuum) erzeugt, der eine Luftströmung durch die Spalte bewirkt — Durchflussvolumen = das 80-Fache des Gehäusevolumens, nicht mehr als 60 Volumen/h.
Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?
IP5X — Staubschutz: Begrenztes Eindringen von Staub zulässig (ohne Beeinträchtigung der Funktion); IP6X — Staubdichtheit: Kein Eindringen von Staub nach 2–8 h Prüfung; IPX4 — Spritzwasserschutz: Sprühen mit Wasser aus allen Richtungen, 10 L/min, 5 min; IPX5 — Strahlwasser: Strahl aus einer Düse Ø6,3 mm, 12,5 L/min, 3 m, 3 min.
Wie lange dauert die Prüfung?
Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 5 Std. 25 Min.–13 Std. 15 Min. Das Verfahren umfasst 9 Schritte.
Welche Geräte werden benötigt?
Staubkammer (dust chamber), Wasserprüfsystem IPX1–IPX6, Tauchbehälter IPX7/IPX8, Unterdruckpumpe (für Staubprüfungen), Hochdruckreinigungssystem IPX9K, Analysensiebe. Richtpreis für das Kerngerät (Staubkammer (dust chamber)): 100 000–400 000 PLN.
Wo wird diese Prüfung eingesetzt?
Zertifizierung von Leuchten (IP44, IP65, IP67); Prüfung von Gehäusen elektrischer Geräte (Schaltanlagen, Steuerschränke); Qualifizierung von Steckverbindern (IP67, IP68) im Automobilbereich und in der Industrie; Prüfung von Unterhaltungselektronik (Smartphones, Smartwatches — IP67/IP68); Prüfung elektrischer Motoren und Antriebe (IP55, IP56); Überprüfung von Sensoren und Messsonden für den Feldeinsatz; Prüfung von Medizingeräten (IP22, IP44); Qualifizierung von Geräten für explosionsgefährdete Bereiche (ATEX + IP).
Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?
Talkum — die Atemwege reizender Staub, beim Befüllen der Kammer FFP2-Maske tragen; Wasser unter Druck (IPX5/X6/X9) — Verletzungsgefahr, sicheren Abstand halten; Elektrische Geräte unter Spannung — nicht ohne geeignete Absicherung untertauchen; Staubkammer — Unterdruck, während der Prüfung nicht ohne Notwendigkeit öffnen; Reinigung nach der Staubprüfung — Staubsauger mit HEPA-Filter, nicht trocken kehren.
Welches Labor führt diese Prüfung durch?
Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN 60529.