🐟 Histamin in Fisch (HPLC)

Lebensmittelchemie PN-EN ISO 19343

Kurz gefasst

Bestimmung von Histamin in Fisch und Fischereierzeugnissen durch HPLC mit Dansylchlorid-Derivatisierung und UV-Detektion. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 19343:2017; Kalibrierungsbereich: 10–500 mg/kg. Das Verfahren umfasst 12 Schritte (insgesamt rund 3 Std. 27 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Obligatorische Histaminkontrolle in Scombridae-Fischen (EG-Verordnung 2073/2005), Prüfung von Thunfisch, Makrele, Bonito, Sardelle, Hering, Sardine, Fischkonserven- und Produktkontrolle (Pasten, Fischsaucen).

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN ISO 19343:2017
  • Kategorie: Lebensmittelchemie
  • Verfahrensschritte: 12
  • Gesamtdauer der Schritte: 3 Std. 27 Min.
  • Analyt: Histamin (2-[4-Imidazolyl]ethylamin)
  • LOQ: 5–10 mg/kg
  • Kalibrierungsbereich: 10–500 mg/kg

Übersicht

Histamin ist ein biogenes Amin, das durch Decarboxylierung von Histidin durch bakterielle Enzyme (Histidin-Decarboxylase) in Fisch und Fischereierzeugnissen bei unsachgemäßer Lagerung (zu hohe Temperatur) entsteht. Histaminvergiftung (Scombroid Fish Poisoning) äußert sich durch Kopfschmerzen, Nesselsucht, Übelkeit und Durchfall, und in schweren Fällen — Atembeschwerden und Blutdruckabfall.

EU-Vorschriften (EG-Verordnung 2073/2005) verlangen die Histamin-Prüfung in Fischen aus Familien mit hohem Histidingehalt (Scombridae — Thunfisch, Makrele, Bonito; Clupeidae — Hering, Sardine; Engraulidae — Sardelle). Grenzwerte: 9 Probeneinheiten, mit m = 100 mg/kg (max Durchschnitt) und M = 200 mg/kg (keine Probe darf überschreiten). Für in Lake gereifte Fische (Fischsaucen, Anchovis): m = 200, M = 400 mg/kg.

Die ISO 19343-Methode basiert auf Histamin-Extraktion mit Perchlorsäure, Derivatisierung mit Dansylchlorid (5-(Dimethylamino)naphthalen-1-sulfonylchlorid), Trennung auf HPLC C18-Säule in Umkehrphasensystem und UV-Detektion bei 254 nm. Dansyl-Derivatisierung ist notwendig, da Histamin keinen starken Chromophor für direkte UV-Detektion hat. Alternativ werden OPA (o-Phthalaldehyd) Derivatisierung mit Fluoreszenzdetektion oder direkte LC-MS/MS verwendet.

Histamin ist thermostabil — es wird beim Kochen, Braten oder Konservieren nicht abgebaut. Daher ist die einzige Präventionsmöglichkeit die Aufrechterhaltung der Kühlkette vom Fang bis zum Verbraucher. Die Histamin-Prüfung ist ein Schlüsselelement des HACCP-Systems in der Fischverarbeitung.

Prinzip der Methode

Fischprobe (10 g) wird mit 0,4 mol/L Perchlorsäure durch Homogenisierung und Zentrifugation extrahiert. Überstand wird gereinigt und Vor-Säulen-Derivatisierung mit Dansylchlorid (Dansyl-Cl) in alkalischem Milieu (pH 9–10, Carbonatpuffer) unterzogen. Dansyl-Cl reagiert mit Histamin-Aminogruppen unter Bildung eines fluoreszierenden/UV-absorbierenden Dansyl-Histamin-Derivats. Überschüssiges Dansyl-Cl wird durch Reaktion mit Prolin entfernt. Biogene Amin-Derivate werden auf C18 HPLC-Säule im Acetonitril/Wasser-Gradienten getrennt und UV (254 nm) detektiert. Histaminkonzentration wird aus Kalibrierkurve unter Verwendung des internen Standards (1,7-Diaminoheptan) berechnet.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
AnalytHistamin (2-[4-Imidazolyl]ethylamin)
LOQ5–10 mg/kg
Kalibrierungsbereich10–500 mg/kg
EU-Grenzwert (m)100 mg/kg (Frischfisch), 200 mg/kg (Fischsaucen)
EU-Grenzwert (M)200 mg/kg (Frischfisch), 400 mg/kg (Fischsaucen)
DerivatisierungDansylchlorid (Vor-Säule) oder OPA (Nach-Säule)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 19343:2017
Titel (PL)
Mikrobiologia łańcucha żywnościowego — Wykrywanie i oznaczanie ilościowe histaminy w rybach i przetworach rybnych — Metoda HPLC
Title (EN)
Microbiology of the food chain — Detection and quantification of histamine in fish and fishery products — HPLC method

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. Probenvorbereitung

    Fischprobe homogenisieren. 10 g in 50 mL Zentrifugenröhrchen einwiegen.

    ⏱ Zeit: 5 min

  2. Extraktion

    20 mL 0,4 mol/L Perchlorsäure zugeben. 2 min homogenisieren (Ultra-Turrax). 10 min bei 3000 rcf zentrifugieren.

    ⏱ Zeit: 15 min

  3. Derivatisierungsvorbereitung

    1 mL Überstand in Schraubröhrchen überführen. 200 µL interne Standardlösung (1,7-Diaminoheptan) zugeben.

    ⏱ Zeit: 5 min

  4. Alkalisierung

    300 µL gesättigtes NaHCO₃ und 200 µL 2 mol/L NaOH zugeben. Mischen.

    ⏱ Zeit: 2 min

  5. Dansyl-Cl-Derivatisierung

    2 mL Dansylchlorid (10 mg/mL in Aceton) zugeben. Auf Vortex mischen. 45 min bei 40°C inkubieren.

    ⏱ Zeit: 45 min • 🌡 Temperatur: 40°C

  6. Überschüssiges Dansyl-Cl entfernen

    100 µL L-Prolin-Lösung (100 mg/mL) zugeben. 15 min bei Raumtemperatur inkubieren.

    ⏱ Zeit: 15 min

  7. Derivat-Extraktion

    2 mL Toluol oder Ethylacetat zugeben. 1 min schütteln. Organische Phase entnehmen. Unter N₂ zur Trockne eindampfen.

    ⏱ Zeit: 10 min

  8. Probenrekonstitution

    Trockenen Rückstand in 200 µL Acetonitril/Wasser (60:40) lösen. Auf Vortex mischen. In HPLC-Vial filtrieren.

    ⏱ Zeit: 5 min

  9. HPLC-Analyse

    20 µL auf C18-Säule injizieren. Gradient: 50→95% MeCN in 25 min. UV-Detektion 254 nm. Durchfluss 1 mL/min.

    ⏱ Zeit: 30 min

  10. Quantifizierung

    Histamin/IS-Peakflächenverhältnis berechnen. Konzentration aus Kalibrierkurve ablesen. Verdünnung berücksichtigen.

    ⏱ Zeit: 10 min

  11. Ergebnisinterpretation

    Mit EU-Grenzwerten vergleichen: n=9, c=2, m=100 mg/kg, M=200 mg/kg (Frischfisch). Keine Probe darf M überschreiten.

    ⏱ Zeit: 5 min

  12. Qualitätskontrolle

    Jede Serie: Blindprobe, Spike (50 und 200 mg/kg), CRM (FAPAS). Wiederfindung 80–110%, RSD < 15%. PT-Teilnahme.

    ⏱ Zeit: 60 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
HPLC-System mit UV/DAD-DetektorShimadzu Nexera + SPD-M40, Agilent 1260 + DAD, Waters Alliance + PDA120 000–300 000 PLN
HPLC C18-SäuleWaters Symmetry C18 (250 × 4,6 mm, 5 µm), Phenomenex Luna C181 500–3 000 PLN
HomogenisatorIKA Ultra-Turrax T25, Kinematica Polytron PT 2500E5 000–15 000 PLN
LaborzentrifugeHettich Rotina 380 R, Eppendorf 5810 R (≥3000 rcf)15 000–40 000 PLN
Wasserbad 40°CMemmert WNB 7, Julabo TW 123 000–8 000 PLN
Abzug / DigestoriumFür Arbeit mit Dansylchlorid und Perchlorsäure15 000–40 000 PLN
Analysenwaage 0,1 mgMettler Toledo ME204, Radwag AS 220.R28 000–20 000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Histamin-Dihydrochlorid (Standard)56-92-8Kalibrierstandard, zertifiziertes CRM, 1 g
Dansylchlorid (Dansyl-Cl)605-65-2Derivatisierungsreagenz, 5-(Dimethylamino)naphthalen-1-sulfonylchlorid, 1 g
Perchlorsäure 0,4 mol/L7601-90-3Histamin-Extraktion aus Probe, 500 mL
1,7-Diaminoheptan (interner Standard)646-19-5Interner Standard IS, 5 g
Carbonatpuffer pH 9–10Derivatisierungsreaktionsumgebung (NaHCO₃/Na₂CO₃)
L-Prolin147-85-3Entfernung von überschüssigem Dansylchlorid nach Derivatisierung, 25 g
Acetonitril HPLC Grade75-05-8Mobile Phase und Lösungsmittel, 2,5 L
HPLC Grade Wasser (ultrapure)Mobile Phase, Milli-Q-System (18,2 MΩ·cm)

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 19343:2017 — „Microbiology of the food chain — Detection and quantification of histamine in fish and fishery products — HPLC method“.

Wie funktioniert diese Methode?

Fischprobe (10 g) wird mit 0,4 mol/L Perchlorsäure durch Homogenisierung und Zentrifugation extrahiert. Überstand wird gereinigt und Vor-Säulen-Derivatisierung mit Dansylchlorid (Dansyl-Cl) in alkalischem Milieu (pH 9–10, Carbonatpuffer) unterzogen.

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Analyt: Histamin (2-[4-Imidazolyl]ethylamin); LOQ: 5–10 mg/kg; Kalibrierungsbereich: 10–500 mg/kg; EU-Grenzwert (m): 100 mg/kg (Frischfisch), 200 mg/kg (Fischsaucen).

Wie lange dauert die Prüfung?

Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 3 Std. 27 Min. Das Verfahren umfasst 12 Schritte.

Welche Geräte werden benötigt?

HPLC-System mit UV/DAD-Detektor, HPLC C18-Säule, Homogenisator, Laborzentrifuge, Wasserbad 40°C, Abzug / Digestorium, Analysenwaage 0,1 mg. Richtpreis für das Kerngerät (HPLC-System mit UV/DAD-Detektor): 120 000–300 000 PLN.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Obligatorische Histaminkontrolle in Scombridae-Fischen (EG-Verordnung 2073/2005); Prüfung von Thunfisch, Makrele, Bonito, Sardelle, Hering, Sardine; Fischkonserven- und Produktkontrolle (Pasten, Fischsaucen); Überwachung von Anchovis und in Lake gereiften Fischen; HACCP-System in der Fischverarbeitung; Fisch-Kühlketten-Kontrolle (Frische-Indikator); Lebensmittelprüfung im Rahmen des RASFF-Programms (Rapid Alert).

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Perchlorsäure — starkes Oxidationsmittel (H271, H314). Explosionsgefahr bei Kontakt mit organischen Materialien. Handschuhe und Schutzbrille verwenden.; Dansylchlorid — reizend (H315, H319). Unter Abzug arbeiten. Dämpfe nicht einatmen.; Acetonitril — entzündlich und giftig. Unter Abzug arbeiten.; Toluol — entzündlich und giftig (H225, H304, H315, H336, H361d, H373). Unter Abzug arbeiten.; Fischproben — können Pathogene enthalten. Handschuhe verwenden. Als biologischer Abfall entsorgen.

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 19343.

🔍 Labor finden, das diese Prüfung durchführt