☠️ Cyanide im Wasser

Physikochemie PN-EN ISO 6703

Bestimmung von Gesamt- und freien Cyaniden im Wasser nach Destillation — spektrophotometrische Methode mit Pyridin und Barbitursäure bei 578 nm.

Übersicht

Cyanide gehören zu den hochgiftigsten Wasserverunreinigungen. Das Cyanidion CN⁻ blockiert die Cytochromoxidase in Mitochondrien und hemmt die Zellatmung. Die tödliche Dosis von KCN für Menschen beträgt nur 1–3 mg/kg Körpergewicht. Die zulässige Cyanidkonzentration in Trinkwasser beträgt 50 µg/L (Gesetzblatt 2017, Pos. 2294).

Die ISO 6703-Norm umfasst drei Teile: Teil 1 — Bestimmung von Gesamtcyanid, Teil 2 — freie Cyanide (leicht freisetzbar), Teil 3 — Cyanidchlorid. Die Methode umfasst Rückflussdestillation in saurer Umgebung zur Freisetzung von HCN aus Cyanidkomplexen, Absorption in NaOH und anschließende spektrophotometrische Bestimmung.

Cyanide gelangen aus Galvanik-, Kokerei-, Hütten-, Goldgewinnungsprozessen (Cyanidlaugung) sowie Kunststoff- und Pestizidproduktion in Gewässer. Die Cyanidüberwachung ist in Wasserrechtserlaubnissen von Industrieanlagen vorgeschrieben.

Prinzip der Methode

Die Methode umfasst zwei Stufen: (1) Destillation und (2) spektrophotometrische Bestimmung.

Destillationsstufe: Die Probe wird mit Phosphorsäure auf pH < 2 angesäuert, was Cyanwasserstoff (HCN) aus Cyanidverbindungen (einschließlich Komplexen mit Metallen) freisetzt. HCN wird aus der Probe abdestilliert und in NaOH-Lösung (0,4 mol/L) absorbiert, wo es in ionisches CN⁻ übergeht.

Bestimmungsstufe: Cyanide im Destillat reagieren mit Chloramin-T unter Bildung von Cyanidchlorid (CNCl) bei pH < 8. Dann reagiert CNCl mit Pyridin-Barbitursäure unter Bildung eines rot-violetten Farbkomplexes. Die Absorbanz wird spektrophotometrisch bei 578 nm (mit Barbitursäure) oder 620 nm (mit Pyridin-Pyrazolon) gemessen.

Die photometrische Methode erlaubt die Bestimmung von 0,002–0,025 mg CN⁻, die titrimetrische Methode (Tyndall-Effekt) > 0,005 mg und die titrimetrische Methode mit Indikator > 0,05 mg.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Photometrischer Bereich0,002–0,025 mg CN⁻ in Probe
Titrimetrischer Bereich> 0,05 mg CN⁻
Bestimmungsgrenze~5 µg/L (Photometrie)
Wellenlänge578 nm (Pyridin-Barbitursäure) oder 620 nm (Pyridin-Pyrazolon)
Proben-Maximalkonzentration< 100 mg CN⁻/L (ohne Verdünnung)
InterferenzenSulfide, Aldehyde (Formaldehyd), Nitrite, Thiocyanate

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 6703:2021
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie cyjanków
Title (EN)
Water quality — Determination of cyanide

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Probenkonservierung

Ansäuern ist VERBOTEN (würde HCN freisetzen!). NaOH auf pH > 12 zugeben. Im Dunkeln lagern, 4°C. Sulfidtest (Bleipapier) — falls vorhanden, PbCO₃ zugeben.

⏱ Zeit: 5 min

2. Destillation

500 mL Probe in Rundkolben überführen. H₃PO₄ auf pH < 2 zugeben. Mit Kühler und Absorber (25 mL NaOH 0,4 mol/L) verbinden. Unter Rückfluss destillieren bis ~450 mL Destillat gesammelt.

⏱ Zeit: 60–90 min • 🌡 Temperatur: ~100°C

3. Reagenzienherstellung

Frische Chloramin-T-Lösung herstellen (täglich). Pyridin-Barbitursäure-Reagenz prüfen (bei 4°C gelagert, ~1 Woche gültig).

⏱ Zeit: 10 min

4. Farbreaktion

Zu 50 mL Destillat 0,5 mL Chloramin-T zugeben. 1 min mischen. 5 mL Pyridin-Barbitursäure-Lösung zugeben. Mischen. 8 min auf Farbentwicklung warten.

⏱ Zeit: 10 min

5. Spektrophotometrische Messung

Absorbanz bei 578 nm in 1 cm Küvette messen (oder 5 cm für niedrige Konzentrationen). Konzentration von Kalibrierkurve ablesen. Ablesung innerhalb 15 min nach Farbreagenz-Zugabe.

⏱ Zeit: 5 min

6. Kalibrierung

KCN-Standardlösungen: 0; 0,02; 0,05; 0,1; 0,2; 0,5 mg/L CN⁻ (wie Proben destilliert). Kalibrierkurve: A = f(c). R² > 0,998.

⏱ Zeit: 15 min

7. Qualitätskontrolle

Blindprobe (dest. Wasser durch Destillation). CRM pro Serie. Duplikat alle 10 Proben. Wiederfindung 85–115%.

⏱ Zeit: 5 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
RückflussdestillationsapparatGlasset für Cyaniddestillation (1L Rundkolben + Kühler + Absorber)3 000–8 000 PLN
UV-Vis-SpektrophotometerHach DR6000, Shimadzu UV-1900, Thermo Evolution 30015 000–80 000 PLN
Heizplatte oder HeizhaubeIKA, Heidolph — Siedetemperaturregelung2 000–5 000 PLN
Messkolben und PipettenKolben Klasse A 100, 250, 500 mL; Automatikpipetten 1–10 mL50–500 PLN/Stk.
SpektrophotometerküvettenQuarz- oder Glasküvetten 1 cm, 5 cm100–500 PLN/Stk.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Phosphorsäure (H₃PO₄)7664-38-2Zum Ansäuern der Probe während Destillation (HCN-Freisetzung)
Natriumhydroxid (NaOH)1310-73-20,4 mol/L, Absorptionslösung zum Auffangen von HCN aus Destillat
Chloramin-T127-65-10,014 mol/L (0,40 g/100 mL). Für CN⁻ → CNCl Umwandlung. Täglich frisch herstellen
Barbitursäure67-52-715 g Barbitursäure + 75 mL Pyridin + 15 mL konz. HCl auf 1 L. Bei 4°C lagern
Pyridin110-86-1Bestandteil des Farbreagens, Reinheit z.A.
KCN-Standardlösung151-50-81000 mg/L CN⁻. Tödlich giftig! In NaOH lagern, fern von Säuren

Arbeitsschutz und Sicherheit

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