📊 Ionenanalyse im Wasser — Ionenchromatographie (IC)

Physikochemie PN-EN ISO 14911

Gleichzeitige Bestimmung von Anionen (Cl⁻, SO₄²⁻, NO₃⁻, F⁻, PO₄³⁻, Br⁻) und Kationen (Na⁺, K⁺, Ca²⁺, Mg²⁺, NH₄⁺, Li⁺, Sr²⁺, Ba²⁺) im Wasser mittels Ionenchromatographie mit konduktometrischer Detektion.

Übersicht

Die Ionenchromatographie (IC) ist die Referenzmethode zur Bestimmung der wichtigsten anorganischen Anionen und Kationen in Trinkwasser, Oberflächenwasser, Grundwasser, Niederschlagswasser, Mineralwasser und Abwasser. Die Norm PN-EN ISO 14911 umfasst Kationen, während Anionen durch die Norm PN-EN ISO 10304-1 abgedeckt werden. In der Laborpraxis werden beide Analysen an einem IC-System mit Säulenwechsel oder an einem Zweikanal-System durchgeführt.

Die Ionenchromatographie ermöglicht die gleichzeitige Bestimmung vieler Ionen in einer einzigen Injektion — typischerweise 6–8 Anionen und 7–9 Kationen — was sie im Vergleich zu klassischen titrimetrischen oder spektrophotometrischen Methoden äußerst effizient macht. Die Zeit für ein einzelnes Chromatogramm beträgt 10–25 Minuten, und die Nachweisgrenzen erreichen 1–50 µg/L.

Die Methode ist von zentraler Bedeutung für die Trinkwasserqualitätsüberwachung (Parameter: Chloride, Sulfate, Nitrate, Nitrite, Fluoride, Ammonium), die Bewertung der Wasserhärte (Ca²⁺ + Mg²⁺), die Ionenbilanz von Mineralwasser und die Kontrolle industrieller Abwässer. In Wasseraufbereitungsanlagen ermöglicht die IC eine schnelle Prozesskontrolle der Koagulation, Enteisenung und Entmanganung.

Moderne IC-Systeme (Thermo Dionex Integrion, Metrohm 940 Professional IC Vario) bieten automatische Eluentengenerierung (RFIC), elektrochemische Suppression und automatische Verdünnung, was Bedienfehler minimiert und die Laborproduktivität steigert.

Prinzip der Methode

Die Wasserprobe wird über eine Dosierschleife (25–250 µL) auf eine Ionenaustauschersäule aufgegeben — eine Anionensäule (mit quartären Ammoniumgruppen) oder eine Kationensäule (mit Sulfon-/Carboxylgruppen). Die Analytionen werden aufgrund unterschiedlicher Affinität zum Ionenaustauscherharz getrennt. Der Eluent (typisch Na₂CO₃/NaHCO₃ für Anionen oder Methansulfonsäure für Kationen) eluiert die Ionen in der Reihenfolge steigender Affinität. Nach der Säule durchläuft der Eluent einen Suppressor (chemisch oder elektrochemisch), der die Hintergrundleitfähigkeit des Eluenten eliminiert und gleichzeitig die Analyten in eine Form mit hoher Leitfähigkeit überführt (z.B. H₂SO₄ → SO₄²⁻ + H⁺). Der konduktometrische Detektor misst die Leitfähigkeit des Eluats. Identifizierung anhand der Retentionszeit, quantitative Bestimmung aus der Kalibrierkurve.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Anionen (PN-EN ISO 10304-1)F⁻, Cl⁻, NO₂⁻, Br⁻, NO₃⁻, PO₄³⁻, SO₄²⁻
Kationen (PN-EN ISO 14911)Li⁺, Na⁺, NH₄⁺, K⁺, Mn²⁺, Ca²⁺, Mg²⁺, Sr²⁺, Ba²⁺
Nachweisgrenze1–50 µg/L (ionenabhängig)
Linearer Bereich0,01–1 000 mg/L (mit Verdünnung)
Präzision (VK)1–5% bei Konzentrationen >1 mg/L
Chromatogrammzeit10–25 Minuten

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 14911:2002
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie rozpuszczonych kationów Li⁺, Na⁺, NH₄⁺, K⁺, Mn²⁺, Ca²⁺, Mg²⁺, Sr²⁺ i Ba²⁺ metodą chromatografii jonowej
Title (EN)
Water quality — Determination of dissolved Li⁺, Na⁺, NH₄⁺, K⁺, Mn²⁺, Ca²⁺, Mg²⁺, Sr²⁺ and Ba²⁺ using ion chromatography

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Eluentenvorbereitung

Anioneneluent: Na₂CO₃ 4,5 mM + NaHCO₃ 0,8 mM in 18,2-MΩ-Wasser. Kationeneluent: MSA 20 mM. 15 min im Ultraschallbad entgasen. Oder RFIC-Generator verwenden.

⏱ Zeit: 20 min

2. Systemkonditionierung

System mit Eluent durchspülen (30 min, 1 mL/min). Druck, Basislinienstabilität und Detektorrauschen (<1 nS/cm) prüfen.

⏱ Zeit: 30 min

3. Mehrpunktkalibrierung

5–7 gemischte Standards vorbereiten (z.B. 0,1; 0,5; 1; 5; 10; 50; 100 mg/L für Hauptionen). Nacheinander injizieren. R² > 0,999 für jedes Ion.

⏱ Zeit: 2–4 h

4. Probenfiltration

Proben durch 0,22-µm-Filter (PVDF oder PES) filtrieren. In PP-Autosamplergefäße überführen. Proben mit hoher Konzentration verdünnen.

⏱ Zeit: 5 min/Probe

5. Anionenanalyse

Probe (Schleife 25 µL) auf Anionensäule aufgeben. Durchfluss 1,0 mL/min. Typische Reihenfolge: F⁻ (3 min) → Cl⁻ (5 min) → NO₂⁻ (7 min) → Br⁻ (9 min) → NO₃⁻ (11 min) → PO₄³⁻ (15 min) → SO₄²⁻ (18 min).

⏱ Zeit: 20 min

6. Kationenanalyse

Auf Kationensäule wechseln (oder zweiten Kanal verwenden). Schleife 25 µL, MSA 20 mM. Reihenfolge: Li⁺ (3 min) → Na⁺ (4 min) → NH₄⁺ (5 min) → K⁺ (7 min) → Mg²⁺ (12 min) → Ca²⁺ (15 min).

⏱ Zeit: 20 min

7. Chromatogrammintegration

Peaks anhand der Retentionszeiten identifizieren (Fenster ±5%). Peakflächen integrieren. Konzentrationen aus Kalibrierkurven ablesen.

⏱ Zeit: 5 min

8. Qualitätskontrolle

Blindprobe (Reinstwasser) alle 5–10 Proben. CRM (z.B. ION-915, NIST 1643f) alle 10 Proben. Spike-Wiederfindung 90–110%. Ionenbilanz ±5%.

⏱ Zeit: 15 min

9. Überprüfung der Ionenbilanz

Summe der Kationen (meq/L) ≈ Summe der Anionen (meq/L), Differenz < 5%. Abweichung deutet auf fehlendes Ion oder analytischen Fehler hin.

⏱ Zeit: 5 min

10. Säulenwartung

Nach der Serie Säule 15 min mit Eluent spülen. In Arbeitseluent lagern. Alle 200–500 Chromatogramme regenerieren.

⏱ Zeit: 15 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Ionenchromatograph mit SuppressorThermo Dionex Integrion RFIC, Metrohm 940 Professional IC Vario, Shimadzu IC-2010120 000–350 000 PLN
AnionenaustauschersäuleThermo AS23/AS19, Metrohm Metrosep A Supp 7/163 000–6 000 PLN
KationenaustauschersäuleThermo CS16/CS12A, Metrohm Metrosep C63 000–6 000 PLN
AutosamplerThermo AS-DV, Metrohm 858 Professional Sample Processor30 000–60 000 PLN
Eluentengenerator (RFIC)Thermo EGC 500 KOH/MSA, Metrohm Inline Eluent Preparation15 000–30 000 PLN
Reinstwasser-AufbereitungssystemMillipore Milli-Q IQ 7000, Merck Direct-Q15 000–50 000 PLN
Spritzenfilter0,22 µm PVDF oder PES, 13 mm, zur Probenfiltration1–3 PLN/Stk.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Natriumcarbonat (Na₂CO₃)497-19-8P.a., Bestandteil des Anioneneluenten (4,5 mmol/L)
Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃)144-55-8P.a., Bestandteil des Anioneneluenten (0,8 mmol/L)
Methansulfonsäure (MSA)75-75-2Kationeneluent, 20–30 mmol/L, oder automatische Generierung
Anionenstandards — zertifizierte CRMF⁻, Cl⁻, NO₂⁻, Br⁻, NO₃⁻, PO₄³⁻, SO₄²⁻ — Lösungen 1 000 mg/L, z.B. Merck CertiPUR
Kationenstandards — zertifizierte CRMLi⁺, Na⁺, NH₄⁺, K⁺, Ca²⁺, Mg²⁺, Sr²⁺, Ba²⁺ — Lösungen 1 000 mg/L
Schwefelsäure (H₂SO₄) verdünnt7664-93-9Regenerant des chemischen Suppressors, 50 mmol/L
Ultrareines WasserWiderstand >18,2 MΩ·cm, für Eluenten, Standards und Blindproben

Arbeitsschutz und Sicherheit

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