🧱 Chloridgehalt in Beton

Bauwesen PN-EN 14629

Bestimmung des Gesamtgehalts an säurelöslichen Chloriden in erhärtetem Beton durch potentiometrische oder Volhard-Titration. Wichtige Prüfung für Bewehrungskorrosionsrisiko.

Übersicht

Chloride in Beton sind die Hauptursache für Korrosion von Stahlbewehrung in Stahlbetonkonstruktionen, was zu Lochfraß und Tragfähigkeitsverlust führt. Quellen von Chloriden sind: Auftausalze auf Straßen und Brücken, Meerwasser (Küstenstrukturen), Chloride in Gesteinskörnung oder Anmachwasser sowie Industrieumgebungen.

Norm PN-EN 14629 beschreibt Methoden zur Bestimmung des Gesamtgehalts an säurelöslichen Chloriden in erhärtetem Beton. Ergebnis wird als Prozent der Chloridmasse bezogen auf Zement- oder Betonmasse ausgedrückt. Kritischer Wert, der Bewehrungskorrosion initiiert, beträgt normalerweise 0,2–0,4% Cl⁻ der Zementmasse (nach PN-EN 206 — max. 0,20–0,40% abhängig von Expositionsklasse).

Die Norm erlaubt zwei Titrationstechniken: potentiometrisch (mit Silberelektrode als Indikator) und Volhard (Rücktitration von überschüssigem AgNO₃ mit Kaliumthiocyanat mit Eisenindikator). Beide geben vergleichbare Ergebnisse mit Differenz max. 0,005% Cl⁻. Potentiometrische Titration wird wegen Objektivität der Endpunkterkennung bevorzugt.

Die Prüfung wird bei Strukturdiagnostik (Brücken, Parkplätze, Kais), Korrosionsrisikobewertung, Sanierungsplanung und wissenschaftlicher Forschung zur Betondauerhaftigkeit durchgeführt.

Prinzip der Methode

Probe von pulverisiertem Beton (durch Kernbohren oder Fräsen gewonnen) wird in heißer Salpetersäure gelöst, was gebundene und freie Chloride freisetzt. Nach Filtration wird Lösung titriert: (1) potentiometrisch — AgNO₃-Lösung zugeben und Potential der Silberelektrode vs. Referenzelektrode aufzeichnen — Äquivalenzpunkt entspricht plötzlicher Potentialänderung; (2) nach Volhard-Methode — überschüssiges AgNO₃ zugeben (Chloride fallen als AgCl aus), dann überschüssiges AgNO₃ mit KSCN-Lösung mit Fe³⁺-Indikator titrieren (rote Farbe = Endpunkt). Chloridgehalt wird aus Titrantverbrauch berechnet und in % Zement- oder Betonmasse umgerechnet.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Bestimmungsbereich0,01–5% Cl⁻ (Betonmasse)
Kritischer Wert (PN-EN 206)0,20–0,40% Cl⁻ Zementmasse (abhängig von Klasse)
LösemittelHNO₃ verdünnt 1:1 (löst säurelösliche Chloride)
TitrantAgNO₃ 0,1 mol/L
Probenmasse5–20 g pulverisierter Beton
Wiederholbarkeit±0,005% Cl⁻

Norm

Normnummer
PN-EN 14629:2007
Titel (PL)
Wyroby i systemy do ochrony i napraw konstrukcji betonowych — Metody badań — Oznaczanie zawartości chlorków w betonie
Title (EN)
Products and systems for the protection and repair of concrete structures — Test methods — Determination of chloride content in hardened concrete

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Betonprobenentnahme

Kernbohren ∅20–50 mm oder Profilfräsen von Schichten alle 5–10 mm. Betonpulver min. 20 g aus jeder Tiefe sammeln.

⏱ Zeit: 30–60 min

2. Trocknung und Mahlen

Pulver bei 105°C / 2 h trocknen. In Mühle auf Fraktion <0,125 mm mahlen. Durch 0,125 mm Sieb sieben.

⏱ Zeit: 3 h • 🌡 Temperatur: 105°C

3. Probenwiegen

5,000±0,001 g pulverisierten Beton auf Analysenwaage wiegen. In 250 mL Becherglas überführen.

⏱ Zeit: 5 min

4. Säureauflösung

25 mL deionisiertes Wasser und 10 mL HNO₃ (1:1) zugeben. Zum Sieden erhitzen, 3 min kochen. Abkühlen.

⏱ Zeit: 15 min • 🌡 Temperatur: ~100°C

5. Filtration

Durch quantitativen Filter (Whatman 40/42 Papier) in 250 mL Kolben filtrieren. Rückstand mit heißem Wasser waschen. Bis zur Marke auffüllen.

⏱ Zeit: 15 min

6. Potentiometrische Titration

50–100 mL Aliquot des Filtrats entnehmen. Ag- und Referenzelektroden einsetzen. Mit AgNO₃ 0,1 mol/L titrieren. E = f(V) Kurven aufzeichnen. Äquivalenzpunkt ablesen.

⏱ Zeit: 10–15 min

7. Alternative: Volhard-Titration

Zu Aliquot überschüssiges AgNO₃ (z.B. 25 mL) zugeben. AgCl ausfällen, filtrieren. Filtrat mit KSCN mit Fe³⁺ bis zur stabilen rosa Färbung titrieren.

⏱ Zeit: 20 min

8. Berechnungen

Cl⁻ [%] = (V_AgNO₃ × c × 35,45 × 100) / (m × 1000 × Aliquot/250). In % Zementmasse umrechnen (wenn Zementgehalt bekannt).

⏱ Zeit: 5 min

9. Qualitätskontrolle

Analyse von Blindprobe, Duplikat, CRM-Probe mit zertifiziertem Cl⁻-Gehalt. Wiederfindung 95–105%.

⏱ Zeit: 30 min

10. Interpretation und Bericht

Ergebnis mit kritischen Werten PN-EN 206 (0,20–0,40% Zementmasse) vergleichen. Chloridprofil erstellen (Konzentration vs. Tiefe).

⏱ Zeit: 30 min

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Potentiometrischer Titrator mit Ag-ElektrodeMetrohm 888 Titrando, Mettler Toledo T525 000–60 000 PLN
Silber-IndikatorelektrodeMetrohm 6.0430.100, Mettler Toledo DM140-SC800–2 000 PLN
Ag/AgCl-ReferenzelektrodeMetrohm 6.0726.100500–1 500 PLN
Kernbohrer / ProfilfräseHilti DD 150-U, Proceq Profometer PM-68 000–25 000 PLN
Labormühle (Betonzerkleinern)RETSCH DM200, IKA MF 10.110 000–30 000 PLN
Heizplatte / WasserbadIKA C-MAG HP 7, Memmert WNB 142 000–6 000 PLN
Analysenwaage 0,1 mgMettler Toledo ME204, Sartorius Quintix 2245 000–15 000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Silbernitrat (AgNO₃) 0,1 mol/L7761-88-8Titrant, standardisierte Lösung, für potentiometrische und Volhard-Titration
Salpetersäure (HNO₃) 65% rein7697-37-2Zum Auflösen der Betonprobe (verdünnt 1:1), Freisetzung von Chloriden
Kaliumthiocyanat (KSCN) 0,1 mol/L333-20-0Titrant für Rücktitration (Volhard-Methode)
Ammoniumeisensulfat7783-83-7NH₄Fe(SO₄)₂·12H₂O, Volhard-Indikator — gesättigte wässrige Lösung
Chlorid-Standard (NaCl)7647-14-5Zertifiziertes CRM, zur Titrationsverifizierung, 1000 mg Cl⁻/L
Deionisiertes Wasser7732-18-5Leitfähigkeit <0,1 mS/m, zur Lösungsvorbereitung und Verdünnung

Arbeitsschutz und Sicherheit

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