💎 Bor im Wasser

Physikochemie PN-EN ISO 9390

Bestimmung von gelöstem Bor im Wasser durch spektrophotometrische Methode mit Azomethin-H bei 410 nm. Schnelle, empfindliche und wirtschaftliche Methode für den Bereich 0,01–1,0 mg B/L.

Übersicht

Bor (B) ist ein Element, dessen Anwesenheit in Trink- und Umweltwasser zunehmendes toxikologisches Interesse weckt. Die zulässige Borkonzentration im Trinkwasser beträgt 1,5 mg/L (nach EU-Richtlinie 2020/2184; früher 1,0 mg/L nach WHO). Überschüssiges Bor zeigt toxische Wirkung auf das Fortpflanzungs- und Entwicklungssystem — es ist teratogen in Tierversuchen.

Quellen von Bor im Wasser sind natürliche Vorkommen von Bormineralien (Borax, Kernit), geothermale und vulkanische Wässer, Wasch- und Reinigungsmittel (Bor als Bestandteil von Detergenzien), Bordünger in der Landwirtschaft, industrielles Abwasser (Glas-, Keramik-, Insektizidproduktion) sowie Sickerwässer von Abfalldeponien. In Polen treten erhöhte Borkonzentrationen u.a. in Gebieten geothermaler Wässer (Podhale) und in Grubenwässern auf.

Die Azomethin-H-Methode ist eine klassische spektrophotometrische Technik, die von ISO für die routinemäßige Borbestimmung in Trink- und Umweltwässern empfohlen wird. Azomethin-H (Salicylsäure + H-Säure) reagiert mit Borsäure in gepuffertem Milieu (pH 5,2–5,3) unter Bildung eines gelben Komplexes, dessen Absorption bei 410 nm gemessen wird. Die Methode ist einfach, kostengünstig und erfordert keine teure Ausrüstung.

Alternative Methoden zur Borbestimmung sind ICP-OES (λ = 249,77 nm) und ICP-MS, die höhere Empfindlichkeit und breiteren Bereich bieten, aber wesentlich teurere Ausrüstung erfordern. Die Azomethin-H-Methode wird in Labors bevorzugt, die keine ICP-Techniken haben.

Prinzip der Methode

Im Wasser gelöstes Bor (in Form von Borsäure H₃BO₃ oder Borationen) reagiert mit Azomethin-H (Derivat von Salicylsäure und H-Säure) in mit Ammoniumacetat gepuffertem Milieu (pH 5,2–5,3) unter Bildung eines gelben Bor-Azomethin-Komplexes. Die Absorption dieses Komplexes wird spektrophotometrisch bei einer Wellenlänge von 410 nm (oder 415 nm) gemessen. Die Farbintensität ist proportional zur Borkonzentration nach dem Lambert-Beer-Gesetz im Bereich 0,1–3 mg B/L. Zugabe von EDTA eliminiert Interferenzen von Schwermetallionen (Fe, Cu, Al).

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Wellenlänge410 nm (oder 415 nm)
Messbereich0,01–1,0 mg B/L (direkt)
Nachweisgrenze (LOD)~0,01 mg B/L
Farbentwicklungszeit2 Stunden (Raumtemperatur)
Reaktions-pH5,2–5,3 (Acetatpuffer)
Optischer Weg der Küvette10–50 mm

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 9390:2001
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie boranów — Metoda spektrometryczna z azometyną-H
Title (EN)
Water quality — Determination of borate — Spectrometric method using azomethine-H

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Herstellung der B-Standardlösung

0,5716 g H₃BO₃ (bei 40°C getrocknet) in borfreiem Wasser lösen und auf 1 L auffüllen. Konzentration: 100 mg B/L. In PP-Gefäß lagern.

⏱ Zeit: 15 min

2. Herstellung der Kalibrierreihe

Aus 100 mg B/L Lösung Standards herstellen: 0, 0,1, 0,2, 0,5, 0,8, 1,0 mg B/L in 50 mL PP-Kolben.

⏱ Zeit: 15 min

3. Herstellung der Azomethin-H-Lösung

3,8 g Azomethin-H und 8 g Ascorbinsäure in 1 L deionisiertem Wasser lösen. Im Kühlschrank (4°C) max 7 Tage lagern.

⏱ Zeit: 15 min

4. Herstellung des Puffers

500 g Ammoniumacetat in 1 L deionisiertem Wasser lösen. pH = 5,2–5,3 prüfen.

⏱ Zeit: 10 min

5. Farbreaktion

Zu 3,5 mL Probe (oder Standard) zugeben: 0,5 mL EDTA 0,025 mol/L, 2,5 mL Azomethin-H-Lösung, 1 mL Puffer. Mischen und 2 h bei Raumtemperatur stehen lassen.

⏱ Zeit: 2 h

6. Nullen des Spektrophotometers

Küvette mit Blindprobe (Wasser + Reagenzien ohne Bor) füllen. Gerät bei λ = 410 nm nullen.

⏱ Zeit: 2 min

7. Messung der Kalibrierkurve

Absorption der Kalibrierstandards bei 410 nm messen. Beziehung A vs B-Konzentration auftragen. Linearität im Bereich 0,1–3 mg B/L.

⏱ Zeit: 15 min

8. Probenmessung

Absorption der Proben (nach 2 h Inkubation) bei 410 nm messen. Borkonzentration aus Kalibrierkurve ablesen.

⏱ Zeit: 2 min/Probe

9. Qualitätskontrolle

Blindprobe, Doppelbestimmung, Kontrollprobe (Standard bekannter Konzentration). Wiederfindung: 90–110%. RPD der Doppelbestimmung <10%.

⏱ Zeit: 10 min

10. Berechnung und Berichterstattung

B-Konzentration aus Kalibrierkurve. Für Konzentrationen >1 mg B/L — Probe verdünnen. Ergebnis in mg B/L mit 2 Dezimalstellen.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
UV-Vis-SpektrophotometerHach DR6000, Shimadzu UV-1900i, Agilent Cary 6015 000–60 000 PLN
Optische KüvettenHellma 100-QS Quarz oder Glas 10 mm und 50 mm150–600 PLN/Stk.
Automatische PipettenEppendorf Research Plus 0,5–5 mL und 100–1000 µL800–1 800 PLN
Messkolben Klasse ADURAN / Brand 50, 100, 250 mL — aus Polypropylen oder PTFE (Bor adsorbiert an Borosilikatglas!)40–120 PLN/Stk.
Borfreie Gefäße (PP, PTFE)Alle Gefäße müssen borfrei sein — kein Borosilikatglas verwenden!10–50 PLN/Stk.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Azomethin-H5765-43-5Lösung: 3,8 g Azomethin-H + 8 g Ascorbinsäure in 1 L deionisiertem Wasser. Gültig 1 Woche bei 4°C.
Ammoniumacetat (Puffer)631-61-8500 g CH₃COONH₄ in 1 L Wasser — Puffer pH 5,2–5,3. Gewährleistet optimalen Reaktions-pH.
Ascorbinsäure50-81-7Stabilisator in Azomethin-H-Lösung — verhindert Reagensoxidation
EDTA (Dinatriumsalz)6381-92-60,025 mol/L Lösung — eliminiert Fe³⁺-, Cu²⁺-, Al³⁺-Ioneninterferenzen
Borsäure (Standard)10043-35-3Reines H₃BO₃, bei 40°C getrocknet — zur Herstellung von 100 mg B/L Standardlösung
Deionisiertes Wasser frei von BorIn borfreien Gefäßen hergestellt, auf B-Gehalt überprüft (<0,005 mg/L)
Salzsäure 1 mol/L7647-01-0HCl — zum Ansäuern von Proben und Standards

Arbeitsschutz und Sicherheit

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