🔩 Makroskopische und mikroskopische Untersuchungen von Schweißnähten — Querschliff, Ätzen, visuelle und mikroskopische Beurteilung
Kurz gefasst
Der vorbereitete (meist quer verlaufende) Schliff der Verbindung wird mit bloßem Auge oder bei einer Vergrößerung unter ×50 (makroskopische Untersuchung) oder mit dem Mikroskop bei einer Vergrößerung von meist ×50 bis ×500 (mikroskopische Untersuchung) beurteilt, vor oder nach dem Ätzen. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 17639:2022-07; Makroskopische Untersuchung: Mit bloßem Auge oder bei einer Vergrößerung von meist unter ×50. Das Verfahren umfasst 8 Schritte; eingesetzt wird sie unter anderem für: Qualifizierung von Schweißverfahren — Beurteilung des Aufbaus des Prüfstücks (Makrogefüge, Anzahl und Anordnung der Lagen), Erkennung von Unregelmäßigkeiten beim Schweißen: Gasporen, Schlackeneinschlüsse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung, Risse, Messung geometrischer Größen der Verbindung: Einbrandtiefe, Breite der Naht und der Wärmeeinflusszone.
Auf einen Blick
- Norm: PN-EN ISO 17639:2022-07
- Kategorie: Werkstoffe und ZfP
- Verfahrensschritte: 8
- Makroskopische Untersuchung: Mit bloßem Auge oder bei einer Vergrößerung von meist unter ×50
- Mikroskopische Untersuchung: Mit dem Mikroskop, Vergrößerung meist ×50 bis ×500
- Kurzzeichen: A — makro, I — mikro, E — geätzt, U — ungeätzt
Übersicht
Die Norm enthält Empfehlungen zur Probenvorbereitung, zu den Verfahren der makroskopischen und mikroskopischen Untersuchung von Schweißverbindungen und zu deren Hauptzielen. Die makroskopische Untersuchung ist die Untersuchung einer Probe mit bloßem Auge oder bei geringer Vergrößerung (meist unter ×50), mit oder ohne Ätzung; die mikroskopische Untersuchung ist die Untersuchung mit dem Mikroskop bei einer Vergrößerung von meist ×50 bis ×500, ebenfalls mit oder ohne Ätzung. Die Untersuchung führt der Prüfer (examiner) durch — die Person, die die makroskopische oder mikroskopische Untersuchung vornimmt.
Die Norm verwendet Kurzzeichen: A — makroskopische Untersuchung, I — mikroskopische Untersuchung, E — geätzt, U — ungeätzt. Grundwerkstoffe werden nach dem Werkstoffgruppensystem von ISO/TR 15608 bezeichnet; dasselbe System gilt für das Schweißgut; nicht in ISO/TR 15608 eingestufte Zusatzwerkstoffe werden im Prüfbericht identifiziert. Kurzzeichen der Ätzmittel sind, soweit anwendbar, ISO/TR 16060 zu entnehmen. Die Einteilung der bei der Untersuchung sichtbar gemachten geometrischen Unregelmäßigkeiten enthält ISO 6520-1.
Die Ausgabe ISO 17639:2022 hat die erste Ausgabe von 2003 ersetzt. Die makroskopische Untersuchung ist ein Standardbestandteil zerstörender Prüfungen an Prüfstücken: In der Präsentation der Technischen Universität Lublin sind für Stumpfnähte und T-Stöße 1–2 Proben für die makroskopische Untersuchung neben Zug-, Biege-, Kerbschlag- und Härteprüfungen vorgesehen.
Prinzip der Methode
Die makroskopische und mikroskopische Untersuchung dient dazu, makroskopische oder mikroskopische Merkmale einer Schweißverbindung sichtbar zu machen, meist durch Untersuchung von Querschliffen. Sie erfolgt durch visuelle oder optische Untersuchung der vorbereiteten Oberfläche, vor oder nach dem Ätzen. Die makroskopische Untersuchung erfolgt mit bloßem Auge oder bei geringer Vergrößerung (meist unter ×50), die mikroskopische mit dem Mikroskop bei einer Vergrößerung von meist ×50 bis ×500. Das Ergebnis wird mit den Kurzzeichen A (makro) oder I (mikro) sowie E (geätzt) oder U (ungeätzt) beschrieben, unter Angabe der Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608 und des Ätzmittels nach ISO/TR 16060.
Anwendungen
- Qualifizierung von Schweißverfahren — Beurteilung des Aufbaus des Prüfstücks (Makrogefüge, Anzahl und Anordnung der Lagen)
- Erkennung von Unregelmäßigkeiten beim Schweißen: Gasporen, Schlackeneinschlüsse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung, Risse
- Messung geometrischer Größen der Verbindung: Einbrandtiefe, Breite der Naht und der Wärmeeinflusszone
- Untersuchung des Gefüges von Schweißgut und Wärmeeinflusszone (Mikroskopie)
- Schadensanalyse und Gutachten zu geschweißten Konstruktionen
Schlüsselparameter
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Makroskopische Untersuchung | Mit bloßem Auge oder bei einer Vergrößerung von meist unter ×50 |
| Mikroskopische Untersuchung | Mit dem Mikroskop, Vergrößerung meist ×50 bis ×500 |
| Kurzzeichen | A — makro, I — mikro, E — geätzt, U — ungeätzt |
| Art des Schliffs | Meist Querschliff der Verbindung |
| Werkstoffgruppen | Nach ISO/TR 15608 — für Grundwerkstoffe und Schweißgut; Zusatzwerkstoffe außerhalb des Systems werden im Prüfbericht identifiziert |
| Ätzmittel | Kurzzeichen nach ISO/TR 16060, soweit anwendbar; Handelsname zulässig, wenn ISO/TR 16060 nicht anwendbar ist |
Norm
- Normnummer
- PN-EN ISO 17639:2022-07
- Titel (PL)
- Badania niszczące spawanych złączy metali — Badania makroskopowe i mikroskopowe złączy spawanych
- Title (EN)
- Destructive tests on welds in metallic materials — Macroscopic and microscopic examination of welds
Schritt-für-Schritt-Verfahren
-
Probenentnahme
Eine Probe heraustrennen, die die Schweißverbindung umfasst, meist als Querschliff; die Anzahl der Proben gemäß Erzeugnisnorm oder Prüfprogramm für Prüfstücke festlegen (z. B. 1–2 Proben für die makroskopische Untersuchung bei Stumpfnähten und T-Stößen).
-
Vorbereitung der Oberfläche
Die Schlifffläche gemäß den Empfehlungen der Norm durch Schleifen und Polieren vorbereiten, so dass eine visuelle oder optische Beurteilung möglich ist.
-
Untersuchung vor dem Ätzen
Bei Bedarf die ungeätzte Oberfläche untersuchen (Kurzzeichen U) — sie zeigt u. a. Gasporen, Risse und Einschlüsse.
-
Ätzen
Die Oberfläche mit einem werkstoffgerechten Ätzmittel ätzen (Kurzzeichen E); das Kurzzeichen des Ätzmittels aus ISO/TR 16060 übernehmen und, wenn diese nicht anwendbar ist, den Handelsnamen angeben.
-
Makroskopische Untersuchung
Den Schliff mit bloßem Auge oder bei einer Vergrößerung von meist unter ×50 beurteilen: Aufbau der Verbindung, Anordnung der Lagen, Einbrand, Wärmeeinflusszone und etwaige Unregelmäßigkeiten (Einteilung nach ISO 6520-1).
-
Mikroskopische Untersuchung
Bei Bedarf das Gefüge mit dem Mikroskop bei einer Vergrößerung von meist ×50 bis ×500 in ausgewählten Bereichen untersuchen: Schweißgut, Schmelzlinie und Wärmeeinflusszone.
-
Dokumentation
Fotos oder Skizzen des Schliffs mit Beschreibung der beobachteten Merkmale anfertigen; die Kurzzeichen A/I und E/U verwenden und die Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608 angeben.
-
Prüfbericht
Im Prüfbericht Identifikation der Verbindung, Art der Untersuchung und Vergrößerung, Ätzmittel, Grund- und Zusatzwerkstoffe sowie das Ergebnis der Beurteilung angeben.
Erforderliche Geräte und Apparatur
| Gerät | Beispiel | Richtpreis |
|---|---|---|
| Metallographische Trennmaschine | Zum Heraustrennen des Querschliffs der Verbindung mit Kühlung | — |
| Metallographische Schleif- und Poliermaschine | Schleifpapiere und Poliertücher zur Vorbereitung der Schliffoberfläche | — |
| Ätzplatz | Abzug, chemikalienbeständige Gefäße, Spülen und Trocknen der Probe | — |
| Lupe oder Stereomikroskop | Für die makroskopische Untersuchung bei einer Vergrößerung unter ×50 | — |
| Metallmikroskop | Für die mikroskopische Untersuchung bei einer Vergrößerung von ×50 bis ×500, mit Bildaufzeichnung | — |
| Einbettpresse | Einbetten kleiner Schliffe in Harz für reproduzierbares Schleifen | — |
Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien
| Reagenz | CAS | Details |
|---|---|---|
| Ätzmittel | — | Auf die Werkstoffgruppe abgestimmt; Kurzzeichen nach ISO/TR 16060, soweit anwendbar |
Arbeitsschutz und Sicherheit
- Ätzmittel (Säuren, Laugen, Alkohole) — Abzug, chemikalienbeständige Handschuhe, Schutzbrille; niemals Wasser in konzentrierte Säure gießen
- Trennen und Schleifen — Scheibenschutz, Schutzbrille, Kühlschmierstoff; Metallstaub absaugen
- Einbettharze und ihre Härter — Arbeit unter dem Abzug, Handschuhe
- Abfälle nach dem Ätzen — als chemischen Abfall sammeln, nicht in die Kanalisation
Häufige Fragen
Welche Norm beschreibt diese Prüfung?
Die Prüfung erfolgt nach PN-EN ISO 17639:2022-07 — „Destructive tests on welds in metallic materials — Macroscopic and microscopic examination of welds“.
Wie funktioniert diese Methode?
Die makroskopische und mikroskopische Untersuchung dient dazu, makroskopische oder mikroskopische Merkmale einer Schweißverbindung sichtbar zu machen, meist durch Untersuchung von Querschliffen. Sie erfolgt durch visuelle oder optische Untersuchung der vorbereiteten Oberfläche, vor oder nach dem Ätzen.
Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?
Makroskopische Untersuchung: Mit bloßem Auge oder bei einer Vergrößerung von meist unter ×50; Mikroskopische Untersuchung: Mit dem Mikroskop, Vergrößerung meist ×50 bis ×500; Kurzzeichen: A — makro, I — mikro, E — geätzt, U — ungeätzt; Art des Schliffs: Meist Querschliff der Verbindung.
Wie lange dauert die Prüfung?
Das Verfahren umfasst 8 Schritte. Die Norm gibt nicht für jeden Schritt eine Dauer an — maßgeblich ist das Verfahren des Labors.
Welche Geräte werden benötigt?
Metallographische Trennmaschine, Metallographische Schleif- und Poliermaschine, Ätzplatz, Lupe oder Stereomikroskop, Metallmikroskop, Einbettpresse.
Wo wird diese Prüfung eingesetzt?
Qualifizierung von Schweißverfahren — Beurteilung des Aufbaus des Prüfstücks (Makrogefüge, Anzahl und Anordnung der Lagen); Erkennung von Unregelmäßigkeiten beim Schweißen: Gasporen, Schlackeneinschlüsse, Bindefehler, ungenügende Durchschweißung, Risse; Messung geometrischer Größen der Verbindung: Einbrandtiefe, Breite der Naht und der Wärmeeinflusszone; Untersuchung des Gefüges von Schweißgut und Wärmeeinflusszone (Mikroskopie); Schadensanalyse und Gutachten zu geschweißten Konstruktionen.
Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?
Ätzmittel (Säuren, Laugen, Alkohole) — Abzug, chemikalienbeständige Handschuhe, Schutzbrille; niemals Wasser in konzentrierte Säure gießen; Trennen und Schleifen — Scheibenschutz, Schutzbrille, Kühlschmierstoff; Metallstaub absaugen; Einbettharze und ihre Härter — Arbeit unter dem Abzug, Handschuhe; Abfälle nach dem Ätzen — als chemischen Abfall sammeln, nicht in die Kanalisation.
Welches Labor führt diese Prüfung durch?
Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN ISO 17639.