🔬 Gesamtstickstoff im Wasser

Physikochemie PN-EN ISO 11905-1

Bestimmung des Gesamtstickstoffs im Wasser nach oxidativem Aufschluss mit Peroxodisulfaten. Summe aus organischem Stickstoff, Ammonium-, Nitrit- und Nitratstickstoff.

Übersicht

Gesamtstickstoff (TN — Total Nitrogen) ist einer der Schlüsselparameter zur Beurteilung der Wasser- und Abwasserqualität. Er umfasst die Summe aller in der Probe vorhandenen Stickstoffformen: organischer Stickstoff (Proteine, Aminosäuren, Harnstoff), Ammoniumstickstoff (NH₄⁺), Nitritstickstoff (NO₂⁻) und Nitratstickstoff (NO₃⁻). Ein übermäßiger Stickstoffgehalt in Oberflächengewässern führt zur Eutrophierung — einer massiven Entwicklung von Algen und Cyanobakterien, die aquatische Ökosysteme beeinträchtigt.

Die Methode nach PN-EN ISO 11905-1 besteht aus der oxidativen Mineralisierung der Wasserprobe mit Peroxodisulfaten (Persulfaten) in alkalischer Umgebung. Als Ergebnis dieses Prozesses werden alle in der Probe vorhandenen Stickstoffformen zu Nitraten (NO₃⁻) oxidiert. Die Nitratkonzentration wird anschließend spektrophotometrisch nach Reduktion zu Nitriten bestimmt — direkt oder mittels Durchflussanalyse (CFA/FIA).

Die Bestimmung des Gesamtstickstoffs ist gemäß polnischen Vorschriften zur Überwachung von Oberflächengewässern, kommunalem und industriellem Abwasser sowie Grundwasser vorgeschrieben. Dieser Parameter ist in Wasserrechtserlaubnissen und WIOŚ-Berichten (Inspektion für Umweltschutz) obligatorisch. Der zulässige Wert des Gesamtstickstoffs in Abwasser, das in Gewässer eingeleitet wird, beträgt 10–30 mg N/L, abhängig von der Größe der Kläranlage.

Die Peroxodisulfat-Methode wird aufgrund ihrer geringeren Toxizität gegenüber der klassischen Kjeldahl-Methode bevorzugt — sie erfordert keinen Einsatz von Schwefelsäure, Selenkatalysatoren oder toxischen Reagenzien. Sie liefert genaue Ergebnisse für natürliche Gewässer, Trinkwasser, Meerwasser und Abwasser mit einem Gehalt an organischer Substanz unter 40 mg C/L.

Prinzip der Methode

Die Wasserprobe wird einer oxidativen Mineralisierung mit Kaliumperoxodisulfat (K₂S₂O₈) in alkalischer, mit Natriumhydroxid gepufferter Umgebung unterzogen. Bei einer Temperatur von 120°C (Autoklav) oder 100°C (Kochen) zersetzen sich Peroxodisulfate unter Bildung hochreaktiver Sulfatradikale (SO₄⁻•), die alle Formen des organischen und anorganischen Stickstoffs zu Nitraten (NO₃⁻) oxidieren. Anschließend werden Nitrate an einer Cadmiumsäule oder enzymatisch (Nitratreduktase) zu Nitriten (NO₂⁻) reduziert, und Nitrite werden spektrophotometrisch in einer Diazotierungsreaktion mit Griess-Reagenz (Sulfanilamid + N-(1-Naphthyl)ethylendiamin) bei einer Wellenlänge von 540 nm bestimmt.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
Messbereich1–100 mg N/L (ohne Verdünnung)
Nachweisgrenze0,1 mg N/L
Genauigkeit±5–10 % des Messwerts
Wellenlänge540 nm (nach Reduktion zu Nitriten)
Mineralisierungstemperatur120°C (Autoklav, 30 min)
Analysenzeit1–2 Stunden (mit Mineralisierung)

Norm

Normnummer
PN-EN ISO 11905-1:1998
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie azotu — Część 1: Metoda z zastosowaniem utleniania nadsiarczynami
Title (EN)
Water quality — Determination of nitrogen — Part 1: Method using oxidative digestion with peroxodisulfate

Schritt-für-Schritt-Verfahren

1. Probenvorbereitung

Die Wasserprobe durch einen 0,45-µm-Filter filtrieren (für gelösten Stickstoff) oder unfiltriert belassen (Gesamtstickstoff). Probe bei 4°C lagern, Analyse innerhalb von 28 Tagen.

⏱ Zeit: 10 min

2. Herstellung der Mineralisierungslösung

10 g K₂S₂O₈ und 6 g NaOH in 200 mL entionisiertem Wasser lösen. 30 g H₃BO₃ hinzufügen. Am Tag der Analyse frisch herstellen.

⏱ Zeit: 15 min

3. Probenmineralisierung

10 mL Probe in ein Reagenzglas abmessen und 5 mL Mineralisierungslösung hinzufügen. Fest verschließen und in den Autoklav stellen.

⏱ Zeit: 5 min

4. Autoklav — Oxidation

Mineralisierung im Autoklav bei 120°C unter 1,1 atm Druck für 30 Minuten durchführen. Auf Raumtemperatur abkühlen lassen.

⏱ Zeit: 60 min • 🌡 Temperatur: 120°C

5. Ansäuerung

Nach der Mineralisierung die Probe mit Salzsäure auf pH 2–3 ansäuern. Mit entionisiertem Wasser auf 25 mL auffüllen.

⏱ Zeit: 5 min

6. Reduktion von Nitraten zu Nitriten

Die Probe durch eine aktivierte Cd/Cu-Reduktionssäule leiten oder Nitratreduktase-Enzymlösung mit NADH hinzufügen. 15–30 min warten.

⏱ Zeit: 15–30 min

7. Farbreaktion — Griess-Reagenz

0,5 mL Sulfanilamid-Lösung (1 % in 3 mol/L HCl) hinzufügen. Mischen. Nach 2 min 0,5 mL NED (0,02 %) hinzufügen. Mischen und 10 min zur Farbentwicklung warten.

⏱ Zeit: 15 min

8. Spektrophotometrische Messung

Absorbanz bei 540 nm in 1-cm- oder 5-cm-Küvette messen. Konzentration aus Kalibrierkurve ablesen (6–8 Punkte, Bereich 0–10 mg N/L).

⏱ Zeit: 5 min

9. Erstellung der Kalibrierkurve

Eine Reihe von KNO₃-Standardlösungen herstellen: 0; 0,5; 1; 2; 5; 10 mg N/L. Dem identischen Mineralisierungs- und Reduktionsverfahren unterziehen.

⏱ Zeit: 60 min

10. Qualitätskontrolle (QK)

Blindprobe (entionisiertes Wasser) analysieren, Doppelbestimmung alle 10 Proben, CRM-Kontrollprobe. Wiederfindung 90–110 %.

⏱ Zeit: 15 min

11. Berechnung und Berichterstattung

Gesamtstickstoffkonzentration aus der Kalibrierkurve berechnen. Ergebnis in mg N/L auf 0,1 mg/L angeben. Verdünnungen berücksichtigen.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
UV-VIS-SpektrophotometerHach DR6000, Shimadzu UV-1900i, Thermo Scientific GENESYS 15015 000–45 000 PLN
LaborautoklavTuttnauer ELV 2540, Systec VX-6520 000–45 000 PLN
BlockaufschlussgerätGerhardt Kjeldatherm, Büchi SpeedDigester K-43925 000–55 000 PLN
Durchflussanalysesystem CFA/FIASEAL Analytical AA500, Skalar San++80 000–200 000 PLN
Cadmium-ReduktionssäuleIndividuell gepackte Cd/Cu-Säule500–1 500 PLN
AnalysenwaageMettler Toledo ME204, Sartorius Quintix 2245 000–12 000 PLN
Automatische PipettenEppendorf Research Plus, Gilson Pipetman L800–2 500 PLN/Stk.

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Kaliumperoxodisulfat (K₂S₂O₈)7727-21-1ACS-Qualität, Oxidationsmittel für die Mineralisierung, Arbeitskonzentration 0,045 mol/L
Natriumhydroxid (NaOH)1310-73-2ACS-Qualität, zur Pufferung der alkalischen Mineralisierungsumgebung
Borsäure (H₃BO₃)10043-35-3ACS-Qualität, alkalischer Puffer zur Vermeidung von Ammoniumstickstoffverlusten
Sulfanilamid63-74-1ACS-Qualität, Reagenz für die Diazotierungsreaktion (Griess-Reagenz I)
N-(1-Naphthyl)ethylendiamin (NED)1465-25-4Dihydrochlorid, Griess-Reagenz II, zur Bildung des farbigen Azokomplexes
Kaliumnitrat (KNO₃)7757-79-1Nitrat-Standard CRM für die Kalibrierkurve, 1000 mg N/L
Salzsäure (HCl)7647-01-03 mol/L, zur Ansäuerung der Probe nach der Mineralisierung
Metallisches Cadmium (Cd)7440-43-9Granulat 0,3–1,0 mm für die Reduktionssäule (Reduktion NO₃⁻ → NO₂⁻)

Arbeitsschutz und Sicherheit

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