🔬 Kjeldahl-Stickstoff

Physikochemie PN-EN 25663

Kurz gefasst

Bestimmung des Kjeldahl-Stickstoffs (TKN) im Wasser durch Mineralisierung mit Selen, Ammoniak-Destillation und Titration. Die Prüfung erfolgt nach PN-EN 25663:2001; Messbereich: Bis zu 10 mg N in analytischer Probe. Das Verfahren umfasst 7 Schritte (insgesamt rund 1 Std. 43 Min.–3 Std. 50 Min.); eingesetzt wird sie unter anderem für: Kommunales und industrielles Abwassermonitoring (Wassererlaubnisse), Kontrolle der Effizienz der biologischen Stickstoffabbau in Kläranlagen, Oberflächenwasseruntersuchung – Eutrophierung.

Auf einen Blick

  • Norm: PN-EN 25663:2001
  • Kategorie: Physikochemie
  • Verfahrensschritte: 7
  • Gesamtdauer der Schritte: 1 Std. 43 Min.–3 Std. 50 Min.
  • Messbereich: Bis zu 10 mg N in analytischer Probe
  • Nachweisgrenze: 0,5 mg/L N (für 50 mL Probe)
  • Genauigkeit: ±5–10%

Übersicht

Kjeldahl-Stickstoff (TKN – Total Kjeldahl Nitrogen) ist ein Summenparameter, der organischen Stickstoff (in Aminosäuren, Proteinen, Harnstoff, Nukleinsäuren) und Ammonium-Stickstoff (NH₄⁺/NH₃) umfasst. Er umfasst nicht Nitrat-Stickstoff (NO₃⁻) oder Nitrit-Stickstoff (NO₂⁻). Er ist einer der wichtigsten Indikatoren für organische Wasser- und Abwasserverschmutzung.

Die Norm PN-EN 25663 (= ISO 5663) beschreibt die Methode nach Mineralisierung mit Selen – bestimmt nur Stickstoff im dritten negativen Oxidationszustand. Die Methode besteht aus drei Stufen: Mineralisierung (Aufschluss in H₂SO₄ mit Selenkatalysator), Destillation (NH₃-Freisetzung nach Alkalisierung mit NaOH) und Titration (quantitative NH₃-Bestimmung mit Säure). Bereich: bis zu 10 mg N in analytischer Probe.

TKN ist ein obligatorischer Parameter im kommunalen und industriellen Abwassermonitoring (Wassererlaubnisse), zur Beurteilung der Effizienz von Kläranlagen (Stickstoffabbau) und bei der Oberflächenwasseruntersuchung (Eutrophierung).

Prinzip der Methode

(1) Mineralisierung: Probe wird mit konzentrierter Schwefelsäure (H₂SO₄) in Anwesenheit von Selenkatalysator und K₂SO₄/CuSO₄-Mischung bei 360–410°C erhitzt. H₂SO₄ zersetzt organische Substanz oxidativ, und organischer Stickstoff wird zu Ammoniumsulfat ((NH₄)₂SO₄) umgewandelt. (2) Destillation: Nach Abkühlung wird NaOH zugegeben, das H₂SO₄ neutralisiert und NH₄⁺ zu gasförmigem NH₃ umwandelt. Ammoniak destilliert mit Dampf und wird in Borsäure (H₃BO₃)-Lösung absorbiert. (3) Titration: Borsäurelösung mit absorbiertem NH₃ wird mit Salzsäure (HCl) gegen gemischten Indikator (z. B. Tashiro) titriert.

Anwendungen

Schlüsselparameter

ParameterWert
MessbereichBis zu 10 mg N in analytischer Probe
Nachweisgrenze0,5 mg/L N (für 50 mL Probe)
Genauigkeit±5–10%
Mineralisierungstemperatur360–410°C
Mineralisierungszeit1–3 Stunden
KatalysatorSelen + K₂SO₄ + CuSO₄

Norm

Normnummer
PN-EN 25663:2001
Titel (PL)
Jakość wody — Oznaczanie azotu Kjeldahla — Metoda po mineralizacji z selenem
Title (EN)
Water quality — Determination of Kjeldahl nitrogen — Method after mineralization with selenium

Schritt-für-Schritt-Verfahren

  1. Probenabmessung

    Geeignetes Probenvolumen (50–250 mL je nach erwartetem N-Gehalt) in Kjeldahl-Kolben übertragen.

    ⏱ Zeit: 5 min

  2. Mineralisierung

    1 Selenkatalysator-Tablette und 10–15 mL konzentrierte H₂SO₄ zugeben. Kolben in Heizblock stellen. Allmählich auf 360–410°C erhitzen. Bis zum Erhalt einer klaren, farblosen oder leicht grünlichen Lösung mineralisieren.

    ⏱ Zeit: 1–3 h • 🌡 Temperatur: 360–410°C

  3. Abkühlung

    Nach Mineralisierungsende Kolben auf Raumtemperatur abkühlen. Vorsichtig ca. 50 mL deionisiertes Wasser zum Auflösen des Niederschlags zugeben.

    ⏱ Zeit: 30 min

  4. Destillation

    Kolben in Destillationseinheit stellen. Automatischer Destillator fügt NaOH hinzu (Alkalisierung) und führt Dampfdestillation durch. NH₃ wird in Auffanggefäß mit 50 mL H₃BO₃ 4% mit Tashiro-Indikator absorbiert. Bis zum Sammeln von ca. 150–200 mL Destillat destillieren.

    ⏱ Zeit: 5–10 min

  5. Titration

    Destillat (grün – NH₃ vorhanden) mit HCl 0,01 oder 0,1 mol/L bis zum Farbumschlag nach violett/grau (Endpunkt) titrieren. HCl-Volumen notieren.

    ⏱ Zeit: 3–5 min

  6. Berechnungen

    N [mg/L] = (V_HCl × c_HCl × 14,007 × 1000) / V_Probe. Ergebnis in mg N/L. Blindwert abziehen.

  7. Qualitätskontrolle

    Blindwert (deionisiertes Wasser + Reagenzien), Kontrollprobe mit (NH₄)₂SO₄ (Wiederfindung 95–105%), Duplikate. Jede Serie Destillationseffizienz überprüfen.

Erforderliche Geräte und Apparatur

GerätBeispielRichtpreis
Kjeldahl-Mineralisierungseinheit (Heizblock)BUCHI KjelDigester K-449, Gerhardt Kjeldatherm, VELP DKL20.000–60.000 PLN
Kjeldahl-DestillationseinheitBUCHI KjelMaster K-375, Gerhardt Vapodest, VELP UDK 15925.000–80.000 PLN
Kjeldahl-Kolben (250–500 mL)Glas-Rundkolben mit Schliff30–80 PLN/Stück
Bürette 25 mL (Klasse A)Brand, mit PTFE-Hahn200–600 PLN
Analysenwaage (0,1 mg)Mettler Toledo ME204, Radwag AS 220.R25.000–15.000 PLN
Scrubber (SO₃-Dampffang)BUCHI Scrubber K-4155.000–15.000 PLN

Reagenzien, Nährmedien und Verbrauchsmaterialien

ReagenzCASDetails
Konzentrierte Schwefelsäure (H₂SO₄) (96%)7664-93-9Zur Probenmineralisierung. p.a. Reinheit, stickstofffrei. 10–15 mL pro Probe zugeben.
Selenkatalysator (Kjeldahl-Tabletten)Tabletten: K₂SO₄ (3,5 g) + CuSO₄ (0,4 g) + Se (10 mg). Fertige Tabletten (z. B. Merck, BUCHI). Eine Tablette pro Probe.
Natriumhydroxid (NaOH) 32–40%1310-73-2Zur Alkalisierung nach Mineralisierung – NH₃-Freisetzung. Im Überschuss zugeben (ca. 50 mL 32% pro Probe).
Borsäure (H₃BO₃) 4%10043-35-3NH₃-absorbierende Lösung bei Destillation. 40 g H₃BO₃ in 1 L Wasser. Gemischten Indikator zugeben.
Salzsäure (HCl) 0,01–0,1 mol/L (standardisiert)7647-01-0Zur Titration von absorbiertem NH₃. Konzentration entsprechend erwartetem Stickstoffgehalt gewählt.
Tashiro-MischindikatorLösung: 0,1 g Methylrot + 0,05 g Methylenblau in 100 mL Ethanol. Farbumschlag: grün (alkalisch) → grau → violett (sauer).
(NH₄)₂SO₄-Standardlösung7783-20-2Zur Wiederfindungskontrolle. 4,716 g (NH₄)₂SO₄ (getrocknet 105°C) in 1 L = 1000 mg N/L.

Arbeitsschutz und Sicherheit

Häufige Fragen

Welche Norm beschreibt diese Prüfung?

Die Prüfung erfolgt nach PN-EN 25663:2001 — „Water quality — Determination of Kjeldahl nitrogen — Method after mineralization with selenium“.

Wie funktioniert diese Methode?

(1) Mineralisierung: Probe wird mit konzentrierter Schwefelsäure (H₂SO₄) in Anwesenheit von Selenkatalysator und K₂SO₄/CuSO₄-Mischung bei 360–410°C erhitzt. H₂SO₄ zersetzt organische Substanz oxidativ, und organischer Stickstoff wird zu Ammoniumsulfat ((NH₄)₂SO₄) umgewandelt.

Wie groß sind Messbereich und Genauigkeit?

Messbereich: Bis zu 10 mg N in analytischer Probe; Nachweisgrenze: 0,5 mg/L N (für 50 mL Probe); Genauigkeit: ±5–10%; Mineralisierungstemperatur: 360–410°C.

Wie lange dauert die Prüfung?

Die für die einzelnen Schritte angegebenen Zeiten ergeben zusammen rund 1 Std. 43 Min.–3 Std. 50 Min. Das Verfahren umfasst 7 Schritte.

Welche Geräte werden benötigt?

Kjeldahl-Mineralisierungseinheit (Heizblock), Kjeldahl-Destillationseinheit, Kjeldahl-Kolben (250–500 mL), Bürette 25 mL (Klasse A), Analysenwaage (0,1 mg), Scrubber (SO₃-Dampffang). Richtpreis für das Kerngerät (Kjeldahl-Mineralisierungseinheit (Heizblock)): 20.000–60.000 PLN.

Wo wird diese Prüfung eingesetzt?

Kommunales und industrielles Abwassermonitoring (Wassererlaubnisse); Kontrolle der Effizienz der biologischen Stickstoffabbau in Kläranlagen; Oberflächenwasseruntersuchung – Eutrophierung; Grundwassermonitoring – landwirtschaftliche Verschmutzung; Trinkwasseruntersuchung – Indikatorparameter; Beurteilung der Stickstofffracht in Abwassereinleitungen in die Umwelt.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten?

Konzentrierte H₂SO₄ (96%) – stark ätzend (H314), exotherme Reaktion mit Wasser! Säure zu Wasser zugeben, nicht umgekehrt. Unter Abzug arbeiten.; NaOH 32–40% – stark ätzend (H314). Schwere Haut- und Augenverätzungen. Gesichtsschutz verwenden.; Selen – giftig (H301, H331, H373). Katalysator-Tabletten mit Handschuhen handhaben.; SO₃- und NH₃-Dämpfe – giftig/reizend. Mineralisierung und Destillation NUR unter Abzug oder mit Scrubber.; Heißes Mineralisat (>360°C) – Verbrennungsgefahr. Kolben nicht neigen.; Schutzbrille, säurebeständige Handschuhe, Laborkittel und Gesichtsschutz erforderlich.

Welches Labor führt diese Prüfung durch?

Die Prüfung führen nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Labore durch. Auf LabCoda finden Sie sie über die Normnummer PN-EN 25663.

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